Mythos: „Die Stasi war ein ganz normaler Geheimdienst“

Auch wenn das Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) inzwischen von einigen Zeitgenossen nur noch als Nachrichtendienst gesehen wird, handelte es sich dabei vielmehr um eine Geheimpolizei, die Verhaftungen vornahm, zum Teil unter Folter Geständnisse erzwang, Schauprozesse und deren Urteile vorbereitete und sogar wie Theateraufführungen einstudieren ließ. Dieses Ministerium war kein klassisches Abwehr- und Aufklärungsorgan, sondern primär ein Überwachungs- und Repressionsorgan der SED, das die DDR-Gesellschaft in allen Bereichen kontrollierte, und erst in zweiter Linie ein Auslandsnachrichtendienst. Da es im Arbeiter- und Bauernstaat keine strikte Gewaltenteilung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative gab, unterlag das MfS im Gegensatz zum Bundesnachrichtendienst keiner parlamentarischen und verwaltungsjuristischen Kontrolle. Zudem hatte das MfS auch polizeiliche und staatsanwaltliche Befugnisse. Der Sprachgebrauch der SED, der das MfS als „Schild und Schwert der Partei“ bezeichnete, beschreibt die ihm zugedachte Funktion durchaus zutreffend.