Mythos: „Die DDR hatte das bessere Gesundheitssystem“

Auch im immer wieder gelobten Gesundheitssystem der DDR herrschte Mangel. Das einheitliche Sozialversicherungssystem des Arbeiter- und Bauernstaates hat zwar zu einer flächendeckend garantierten, aber insgesamt qualitativ leistungsschwachen Versorgung geführt. So mussten bei spezialisierter und hochspezialisierter stationärer Behandlung, z. B. in der Herz- und Gefäßchirurgie und bei der Implantation künstlicher Gelenke, Wartezeiten von zwei und mehr Jahren in Kauf genommen werden. Für nicht einmal 40 Prozent der schwer Nierenkranken stand ein lebenswichtiger Dialyseplatz zur Verfügung. Erst Mitte der 1970er Jahre gelang es, ein einigermaßen vertretbares Verhältnis zwischen ambulanter und stationärer Versorgung zu erreichen, wobei einige Bezirke weiterhin unterversorgt blieben. Da über 60 Prozent der Krankenhäuser um 1900 erbaut worden waren und in der Folgezeit wenig saniert wurden, genügten sie vielfach nicht mehr den Anforderungen. Ebenso war die Technik in Einrichtungen der Grundversorgung vielfach veraltet. Darüber hinaus gab es bei der Versorgung mit Medikamenten und Verbrauchsmaterial häufig Engpässe. So konnten der übergroßen Mehrheit der Patienten Import-Präparate nicht dauerhaft verschrieben werden. Besonders in den 1980er Jahren wurde empfohlen, diese privat über „Westbeziehungen“ zu erwerben. Demgegenüber wurde Patienten in kirchlichen Krankenhäusern eine bessere Behandlung zuteil.

Trotz aller Defizite im DDR-Gesundheitssystem hat es auch positive Elemente gegeben. So existierten ein zentrales Tumorregister und ein nahezu lückenloser Infektionsschutz der Bevölkerung durch staatliche Impfprogramme sowie eine Vielzahl an Vorsorgeprogrammen für Kinder, Jugendliche, Schwangere und Mütter. Eine weitere Errungenschaft stellten die Polikliniken zur ambulanten ärztlichen Betreuung dar. Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten erlaubten die genannten Einrichtungen eine sehr rationelle Behandlung.