Waren und Design

Das Warenangebot war in allen Bereichen stark eingeschränkt und wurde durch „Engpässe“ zeitweilig zusätzlich reduziert. Nach marktwirtschaftlichen Prinzipien miteinander konkurrierende Produkte gab es im sozialistischen Handel nicht. Als Folge davon hinkten auch Design und Mode westlichen Trends meist um fünf oder mehr Jahre hinterher, sofern sie nicht überhaupt völlig davon abgekoppelt waren.

„Das Auge kauft mit“ – das war ein Luxus, den das WtB-Sortiment („Waren des täglichen Bedarfs“) zu keiner Zeit erfüllte. Die staatliche Abschottung des Konsumgütermarktes, fehlende Produktionskapazitäten für den Binnenmarkt und das verordnete Wettbewerbsverbot führten zu einer Minimierung der Produktpalette, zu veraltetem Design und billigster Verpackung.

Eine Ausnahme bildete allerdings die „Sonderversorgung“ der SED-Führung, die vom modischen Anzug über den Philips-Fernseher bis zum Volvo ihren Bedarf importieren ließ. Ausnahmen bildeten ebenfalls die Delikat- und Exquisitläden (ab 1977), die optisch und qualitativ höherwertige Nahrungs- und Genussmittel bzw. Bekleidung zu stark überteuerten Preisen anboten.

In der ansonsten vorherrschenden Grundversorgung schien es den Planern meist nicht erforderlich, mehrere Produkte für den gleichen Verwendungszweck anzubieten. Dem Volk sollte eine Sorte Baby-Nuckel, Wasserkessel oder Schleuderaschenbecher, zwei Sorten Brötchen (kleine oder große) und (in guten Zeiten) drei Sorten Scheuermittel (ATA, IMI, Pulax) genügen.

Produktnamen verwiesen häufig mehr oder weniger fantasievoll auf die Funktion. Tampons hießen „Imuna“, Kabeltrommeln aus vorkriegsüblichem Bakelit „Stromfix“, Zigarillos „Sprachlos“. Die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen und technischen Geräten war vielfach unmodern, wirkte billig und ließ häufig eine manufakturähnliche Produktion erkennen.

Für Verpackungen wurde nahezu ausschließlich Papier und Pappe verwendet. Kunststoffmaterial für Beutel, Becher oder Schaumstoffverpackungen stand generell nicht zur Verfügung. Lebensmittel wurden als Schüttgut oder in hellbraunen Papiertüten mit einem maximal zweifarbigen Aufdruck – meist: „Gut gekauft, gern gekauft“ – abgegeben. Für lose verkaufte Bratheringe oder Sauerkraut war man gut beraten, Gläser mitzubringen.

Die Aufmachung von der Zigaretten- bis zur Pralinenschachtel – generell ohne Glanzpapier und die heute gewohnte Farbigkeit – war ebenso reizlos wie die überaus schlicht gehaltenen Kartons für technische Geräte. Verpackungen und ihr Inhalt hatten keine Werbefunktion. Das wirkte sich aus bis in die trist-monotone Schaufenstergestaltung.Die Minimierung des Verpackungsaufwandes führte allerdings zu einem positiven Nebeneffekt: Verpackungsmüllberge und Ressourcenverschwendung waren Fremdwörter. Papier, Pappe und Gläser wurden in SERO-Annahmestellen (Sekundärrohstoff) aufgekauft und recycelt.

Kaufhalle

Grundnahrungsmittel (Mehl, Zucker, Teigwaren usw.) füllten abgesehen von Zeiten „überhöhter Abkäufe“ und Versorgungskrisen ganze Regalreihen der Kaufhallen. Ebenso sollten lange Regale voller immer gleicher Konserven mit Schweine- und Rindfleisch, Mischgemüse und Krautgulasch ein stabiles Angebot suggerieren. Dagegen herrschte in Feinkostkühltruhen überwiegend gähnende Leere.

Die permanente Rohstoffknappheit in der DDR führte zu allen Zeiten zu qualitativ wenig zufriedenstellenden Lösungen. Für Oberbekleidung kam bis weit in die 1960er Jahre überwiegend kratzige Zellwolle zum Einsatz. Erst mit der industriell nutzbaren Nachentwicklung von Chemiefasern wie Dederon (Nylon), Wollpryla und Grisuten (Trevira) stand seit den 1960er Jahren moderne, pflegeleichte und bügelfreie Bekleidung zur Verfügung. Die Nachfrage konnte trotz hoher Preise (Dederon-Herrenoberhemd 1965 ab 51 Mark) über Jahre nicht gedeckt werden. Als Reaktion verbot die SED-Führung der Bekleidungsindustrie „hektische Modewechsel“, um die Kauflust zu dämpfen und die Tragedauer zu verlängern (Tragedauer für Oberbekleidung in der unteren Einkommensgruppe in den 1960er Jahren: Frauen zehn Jahre, Männer 14 Jahre; obere Einkommensgruppe: Frauen und Männer vier Jahre).

Das Modeinstitut und das Amt für Industrielle Formgestaltung (AIF), die für die Gestaltung von Gebrauchsartikeln und technischen Konsumgütern zuständig waren, bemühten sich durchaus, die Produkte modisch bzw. gestalterisch aufzuwerten. Das AIF vergab dazu seit 1978 als Anreiz den Titel „gestalterische Spitzenleistung“. Tatsächlich wirkten die aufgrund der planwirtschaftlichen Schwerfälligkeit um Jahre verzögerten Moden und Designs aber oftmals wie nicht wirklich gekonnte Westplagiate.

Quellennachweis

  • Annette Kaminsky, Illustrierte Konsumgeschichte der DDR, Erfurt (Landeszentrale für politische Bildung Thüringen) 1999, S. 50ff.
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