Die Politische Meinung

Freiwillige Feuerwehr

von Deborah Hentschel

Es ist Sonntagmorgen, 03.36 Uhr, ich wache von einem lauten, penetranten Piepton auf. Mein Melder geht. Ich lese die kurze Information, „B3-BMA Bahnhof“. Der kurze Text auf dem Display gibt erste Informationen zum Einsatz. In diesem Fall die einlaufende Brandmeldeanlage und der Einsatzort. Ich springe aus dem Bett und in die Kleidung, fahre zur Feuerwache. Die hauptamtlichen Kollegen sind mit dem ersten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug bereits unterwegs. Wir ziehen uns zügig die Schutzausrüstung, bestehend aus Helm, Brandschutzkleidung, Stiefeln und Handschuhen, an und besetzen das Löschgruppenfahrzeug. Mit Blaulicht und Martinshorn fahren wir angespannt los. Auf dem Weg kommt die Nachricht über Funk: „Fehlalarm!“ Wir werden nicht mehr gebraucht. Rückkehr zur Wache. Um kurz vor fünf geht es wieder nach Hause.

Das ist nur ein Beispiel für einen Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr. Die Feuerwehr liegt meiner Familie im Blut; meine Brüder sind ebenfalls Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Mein Bruder war derjenige, der mich überzeugte, dass die Feuerwehr das Richtige für mich sei. Und so besuchte ich im Mai 2017 den „Tag der offenen Tür“. Mich hat die offene Umgangsweise der Kameraden sehr begeistert, und auch die kommunikative Art der Löschgruppenführung beeindruckte mich sehr. Wir tauschten Kontaktdaten aus, und ich wurde zum ersten Übungsabend eingeladen. Ein halbes Jahr besuchte ich jeden zweiten Montag die Übungen und lernte die anderen Kameraden kennen. Auch der feuerwehrtechnische Umgang mit den Geräten und Fahrzeugen wurde mir nähergebracht.

Im Januar 2018 begann meine Grundausbildung für den Feuerwehrdienst. Über zehn Wochen lang lernte ich die Grundsätze im Feuerwehreinsatz und schloss den ersten Teil der Ausbildung ab. Im laufenden Jahr folgten zwei weitere Ausbildungseinheiten über den Umgang mit Atemschutzgeräten und das Verhalten im „Innenangriff“. Zu diesem Zweck besuchten wir eine Wärmegewöhnungsanlage und erfuhren am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, in einem komplett brennenden Raum zu sein.

Auf den Lehrgängen legen die Ausbilder großen Wert auf die korrekte Ausführung der Einsatzszenarien, um im Ernstfall möglichst gut vorbereitet zu sein und Unfällen und Verletzungen vorzubeugen. Aktuell befinde ich mich im letzten Modul der Ausbildung: der Technischen Hilfe. In diesem Lehrgang wird uns zur Rettung eingeklemmter Personen der sichere Umgang mit hydraulischen Spreizgeräten beigebracht.

Es gibt viele Gründe, warum ich mich gern bei der Feuerwehr engagiere. Einer davon ist die Möglichkeit, in Not geratenen Menschen professionell helfen zu können, sei es bei einem Brand, einem Verkehrsunfall oder einer Unwetterlage. Ich schätze den Zusammenhalt als Kameraden untereinander sehr. Man ist im Einsatz- oder Übungsdienst nie allein und kann sich immer auf mindestens einen Truppkameraden verlassen. Es gibt klare Anweisungen, wie ein Einsatz abgearbeitet wird. Nicht jeder Einsatz verläuft nach dem gleichen Schema. So wird für einen Brandeinsatz ein Fahrzeug mit viel Wasser benötigt, und für eine Ölspur ein Fahrzeug, das Bindemittel mit sich führt. Den Umgang mit den Fahrzeugen lernen wir ebenfalls bei unseren Übungsdiensten. Auch das Aufstellen der Drehleiter oder die Wasserversorgung aus einem offenen Gewässer wird uns gelehrt. Dabei helfen erfahrene Kameraden denjenigen, die im Umgang mit manchen Geräten noch nicht so geübt sind.

Insgesamt lebt die Feuerwehr einen freundschaftlichen Umgang; deshalb habe ich mich dort auch sofort wohlgefühlt. Es ist schön, zu sehen, wie dankbar Menschen sein können, wenn wir als Feuerwehr helfen konnten.

Deborah Hentschel, geboren 1991 in Bergisch Gladbach, seit neun Jahren medizinische Fachangestellte in einer chirurgischen Praxis in Köln, ehrenamtliches Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Siegburg als Feuerwehrfrau.

​​​​​​​Freiwillige Feuerwehr Siegburg