Marko Poolamets

Veranstaltungsberichte

Internationale Konferenz zum 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer

von Momo Matern, Elisabeth Bauer

Veranstaltungsbericht und -mitschnitt

Die Konferenz fand am 8. und 9. November 2019 in Tallinn statt.

Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 war ein historisches Ereignis, dem es gebührt, überall in Europa und der westlichen Welt an seinem 30. Jahrestag gedacht zu werden. Gemeinsam mit dem Estonian Institute of Historical Memory und der Open Estonia Foundation lud die Konrad-Adenauer-Stiftung aus diesem Anlass zu einer internationalen Konferenz ein.

Die Konferenz wurde durch die deutsche Botschafterin Frau Christiane Hohmann mit einem Grußwort eröffnet. Eindrücklich berichtete sie von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Mauerfall und hob hervor, dass eine solche Veranstaltung mit dieser Konstellation der Anwesenden unmöglich gewesen wäre ohne die Ereignisse des 9. Novembers 1989. Sie gab jedoch auch zu bedenken, dass am 9. November mehr als nur des Mauerfalls zu gedenken sei und erinnerte an die Novemberpogrome gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland im Jahr 1938.

Im Anschluss begrüßten auch Elisabeth Bauer, Mall Hellam und Sergei Metlev als Organisatorinnen und Organisator der Konferenz die Teilnehmenden.  Es folgte eine Eröffnungsrede von Toomas Hendrik Ilves, dem ehemaligen Präsidenten Estlands (2006-2016). Ilves legte in seiner Rede die besonderen Herausforderungen dar, mit welchen die demokratischen Gesellschaften sich heute konfrontiert sehen. Er appellierte an den Verstand der Bürgerinnen und Bürger, sich nicht von Desinformation und Verschwörungen leiten zu lassen und betonte die Bedeutung von zwischenstaatlicher Kooperation in der EU und der Welt, insbesondere für die kleinen Staaten.

Von 13:30 Uhr bis 15 Uhr diskutierten Dr. Anna Kaminsky (Leiterin der Bundesstiftung Aufarbeitung), Wolfgang Templin (DDR-Bürgerrechtler und Publizist) und Raivo Vare (Geschäfts- und ehemaliger Staatsmann) unter Moderation der Journalistin Evelyn Kaldoja (Postimees) über die Erkenntnisse, die wir heute aus der Geschichte ziehen können. Das Panel trug den Titel „History repeating: lessons to be learned“. Sie arbeiteten heraus, dass trotz vieler Parallelen zwischen der Geschichte in Deutschland, Estland und den anderen osteuropäischen Staaten die Aussichten und Ziele der Bewegungen 1989 sich durchaus unterschieden: Während die Bürgerinnen und Bürger der DDR die Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik anstrebten, war eine unabhängige Demokratisierung das Ziel der Bevölkerung etwa in Polen oder Ungarn. Die Estinnen und Esten hatten zu diesem Zeitpunkt als Mitglieder der UdSSR die Freiheit und Eigenstaatlichkeit zum Ziel und waren in diesem Bestreben zugleich stärker bedroht. Zudem hielten die Teilnehmenden fest, dass man aus der Geschichte des Jahres 1989 lernen könne, dass die Umstände zwar bedeutend seien für solch große Entwicklungen, dass es aber nicht ausreiche, auf die richtigen Umstände und damit auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, sondern dass man aktiv auf ihn hinarbeiten müsse. Zudem könne man aus der „grass-root“ Solidarität jener Tage lernen, dass man auch heute den Kampf anderer Menschen für Freiheit und Demokratie, etwa in Hong Kong, auf persönlicher und politischer Ebene stärker unterstützen müsse.

Nach einer Kaffeepause folgte die zweite Panel-Diskussion des Konferenztages zum Thema „The best way to forecast the future: create it!“. Die Teilnehmenden waren: Filip Pazderski (Senior Policy Analyst im Democracy and Civil Society Programme des Institute of Public Affairs in Polen) Martin Noorkoiv (Aktivist und Geschäftsführer der Domus Dorpatensis Stiftung) und Merle Maigre (Vize-Präsidentin des Bereichs Regierungsbeziehungen bei CybExer Technologies). Die Moderatorin der Podiumsdiskussion war Liisa Past (Chief National Cyber Risk Officer der Nationalen Sicherheits- und Verteidigungskoordinationseinheit der estnischen Regierung). Gegenstand der Diskussion war die Rolle junger Menschen in Politik und Gesellschaft und den Auftrag der Zivilgesellschaft in heutigen politischen Herausforderungen. Thesen der Diskussion lauteten beispielsweise, dass Demokratien ohne tiefe demokratische Traditionen heute vor besonderen Problemen stünden, so sei es für zivilgesellschaftliche Organisationen zum ersten Mal notwendig, sich für ihre Rolle stark zu machen und Gegenwind standzuhalten. Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz die Gelegenheit ihre zahlreichen Fragen an das Podium zu richten.

Zahlreiche estnische Medien berichteten über die Konferenz, darunter die größte estnische Tageszeitung Postimees, Äripäev, die Wochenzeitung Eesti Ekspress sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk ERR.

 


 

Das Programm der Veranstaltung finden Sie hier:

Programm der Konferenz

 

Mitschnitte der beiden Konferenztage finden Sie unter dem folgenden Link:

Website der Zeitung Postimees

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