Wissenschaft und Forschung

Eine lange Tradition in Wissenschaft und Forschung hat wichtige Grundlagen dafür gelegt, dass der Forschungsstandort Deutschland heute zu einem der Besten der Welt gehört. Eine starke Wissenschaft und Forschung sind für Deutschland als rohstoffarmem Land die Grundlage für seine internationale Wettbewerbs- und seine Zukunftsfähigkeit. Die Bundesrepublik ist das drittgrößte „Forscherland“ weltweit. Insgesamt arbeiten hier mehr als 480.000 Wissenschaftler und Forscherinnen. Bei der Zahl der internationalen Patentanmeldungen liegt Deutschland hinter den USA und Japan auf Platz 3. Deutschlands Stärken sind die Einheit von Forschung und Lehre, die Freiheit von Wissenschaft und Forschung, die Vielfalt an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen.

Die Hochschulen

Deutschlands Hochschulsystem besteht aus 394 Hochschulen, davon 104 Universitäten, 5 Pädagogische Hochschulen, 14 Theologische Hochschulen, 51 Kunsthochschulen, 189 Fachhochschulen und 30 Verwaltungsfachhochschulen. Die deutschen Universitäten sind – aufbauend auf dem Prinzip der „Einheit von Forschung und Lehre“ – nicht nur Lehranstalten für Studierende, sondern auch Orte wissenschaftlicher Forschung. Viele Universitäten pflegen einen intensiven Austausch mit Wissenschaftlern, Forschungseinrichtungen und –instituten im In- und Ausland.

Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen

Im internationalen Vergleich hat Deutschland eine ausgeprägte außeruniversitäre Forschungslandschaft. Sie konzentriert sich im Wesentlichen in vier großen Forschungsgesellschaften, die entsprechend des föderalen Systems in Deutschland vom Bund und den Ländern gemeinsam finanziert werden: die Helmholtz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Leibnitz-Gemeinschaft. Mit den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde ein „Pakt für Forschung und Innovation“ geschlossen, der ihnen für die nächsten fünf Jahre jährlich 5% mehr Geld in Aussicht stellt. Insbesondere die wissenschaftliche Exzellenz, neue Kooperationsformen als Ausdruck eines neuen Miteinan¬ders zwischen unterschiedlichen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und der Wirtschaft sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stehen im Mittelpunkt dieser Vereinbarung.

Forschung in der Wirtschaft

In Deutschland sind namhafte internationale Unternehmen genauso beheimatet wie eine große Anzahl kleiner und mittelständischer Firmen, die zum Teil in ihrem speziellen Gebiet Weltmarktführer sind. Besonders bekannt sind deutsche Autos, Maschinen, Anlagen und auch Medikamente. Die Forschungszusammenarbeit zwischen Unternehmen und For¬schungseinrichtungen ist vielfältig, der Technologie- und Wissenstransfer als gemeinsame Aufgabe etabliert. Die Wirtschaft trägt rund 2/3 der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Bundesregierung unterstützt die Forschungsanstrengungen der Wirtschaft in vielfältiger Weise, unter anderem durch ihre Programme zur Forschungsförderung, die sie in einer „Hightech-Strategie für Deutschland“ gebündelt hat. Auf wichtigen Technologiefeldern und in technologieübergreifenden Querschnittsmaßnahmen werden z.B. gemeinsame Innovati¬onsallianzen von Wissenschaft und Wirtschaft gefördert.

Investitionen für die Zukunft von Wissenschaft und Forschung

Es ist für Deutschland zentral, die Stärken aus Forschung und Wissenschaft für zukunftsträchtige Bereiche der Wirtschaft zu nutzen. Eine hervorragend gebildete und qualifizierte Bevölkerung sind dafür die Voraussetzung. Mit der „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“ setzen sich Bund und Länder unter dem Motto „Aufstieg durch Bildung“ deshalb dafür ein, dass möglichst viele junge Menschen ihre Fähigkeiten und Talente entwickeln können sowie ihr Interesse an naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Themen und einer entsprechenden beruflichen Entwicklung geweckt und gefördert wird.

Deutschland unternimmt große Anstrengungen, das Bildungs- und Forschungssystem für die Herausforderungen der Zukunft „fit“ zu machen: Kindergärten, Schulen und Hochschulen werden modernisiert, die vorschulische Betreuung verbessert, die Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre verkürzt, das Studium entsprechend der Reform von Bologna in Bachelor- und Masterstudiengängen organisiert. Die Hochschulen erhalten durch den Wettbewerb „Exzellenzinitiative“ neue Möglichkeiten, innovative Spitzenforschung, durchzuführen und in projektbezogenen Graduiertenschulen den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Eine weitere spezielle Sonderfinanzierung von Bund und Ländern („Hochschulpakt“) ermöglicht außerdem in den nächsten Jahren die Schaffung von 275.000 neuen Studienplätzen. Durch diese Maßnahmen soll die Attraktivität und die internationale Strahlkraft der deutschen Hochschulen verbessert werden.

Der Haushalt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wird in 2009 auf insgesamt 10,080 Milliarden Euro anwachsen. Das sind rund 730 Millionen Euro - beziehungsweise acht Prozent - mehr als im Vorjahr. Damit trägt der Bund seinen Anteil dazu bei, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in 2009 auf 2,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu steigern. Dies bedeutet einen weiteren Schritt, um das von den europäischen Staats- und Regierungschefs in Lissabon vereinbarte Ziel zu erreichen, im Jahr 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung auszugeben. Mit 2,54 % liegt dieser Anteil in Deutschland deutlich über dem OECD-Durchschnitt (2,29 %) sowie dem der EU (EU27 1,77 %, Quelle: OECD).

Wissenschaft und Forschung in der Gesellschaft

Wertschätzung für Wissenschaft und Forschung sind Teil der deutschen Kultur. Auch Studie¬rende genießen Wohlwollen und Sympathie, erwartet man doch von ihnen, dass sie später einmal zu den Leistungsträgern in Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung oder Kultur gehören werden. Ein Arbeitsplatz als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler in der Fraunhofer Gesellschaft steht regelmäßig im Ranking der beliebtesten deutschen Arbeitgeber auf einem der vorderen Plätze.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lernen früh ihre Tätigkeit dort einzubetten, wo sie stattfindet: inmitten der Gesellschaft. Sie werden herausgefordert ihr Denken und Handeln nicht nur dem Laien verständlich zu machen, sondern sich auch über Legitimation und Akzeptanz von Forschung in der Gesellschaft zu verständigen. In Deutschland ist man stolz auf technische Erfindungen, geht selbstverständlich und kritisch zugleich mit Wissenschaft und Technik um. Seit dem Jahr 2000 richtet das BMBF im Rahmen der Initiative „Wissenschaft im Dialog“ sogenannten Wissenschaftsjahre aus, innerhalb derer eine Vielzahl großer und kleiner Veranstaltungen zu jeweils einer Wissenschaftsdisziplin stattfinden mit dem Ziel, das Interesse einer breiten Öffentlichkeit an Wissenschaft zu verstärken. Als Thema des Jahres 2010 wurde das „Jahr der Energie – Forschung für eine sichere und umweltverträgliche Energieversorgung“ ausgewählt.

Es gibt eine lebhafte Diskussionskultur über Chancen und Risiken neuer Technologien. Verschiedene Studien zeigen, dass die Deutschen weder technikfeindlich sind noch eine besonders geringe Technikakzeptanz haben. Tatsächlich ist die Haltung gegenüber technischen Entwicklungen teils positiver als in anderen Industriestaaten. Erhebungen zur Risikowahrnehmung zeigen zudem, dass in anderen Ländern teilweise die bisher aus Deutschland bekannten Risikodebatten inzwischen nachgeholt werden.

Deutschland ist ein plurales, demokratisches Land, in dem sehr viele Meinungen, Denkarten und Lebensweisen ihren Platz haben. Deutschlands kulturelle Vielfalt und seine wissenschaftliche Tradition spiegelt sich in der vielgestaltigen Ausprägung von Wissenschaft und Forschung: Wirtschaftsorientierte High-Tech Forschung steht neben anwendungsferner Grundlagenerkenntnis, philosophische Debatten haben ebenso ihren Raum wie Versuchsfelder zur Industrieautomation in forschungsstarken Universitäten, Feldforschung zur frühen Antike oder Entwicklungslabors für neue Geräte der Raumfahrtforschung.

Wissenschaft und Forschung in Deutschland sind eingebettet in die Bemühungen zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Forschungsraums. Der internationale Austausch, Forschungs- oder Studienaufenthalte in anderen europäischen Ländern spielen dabei eine wichtige Rolle. Organisationen wie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder die Alexander von Humboldt Stiftung (AvH) fördern diesen Austausch und geben Interessierten weiterführende Informationen.

Ulrich Schüller

Weiterführende Literatur