Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE)

Nach Aufhebung des 1946 für Vertriebene erlassenen Koalitionsverbots und der Parteienlizenzierung konstituierte sich der BHE unter Führung von Waldemar Kraft am 8. Januar 1950 in Kiel. Gleichsam aus dem Stand gewann die Partei, die sich der Interessenwahrung der durch Krieg und Nachkriegsereignisse Geschädigten verschrieb, in Schleswig-Holstein ein Viertel der Wähler. Das Verhältnis des BHE zu den Vertriebenenverbänden war nie frei von Spannungen, die durch Rivalitäten führender Funktionäre verstärkt wurden. Seit Oktober 1950 mit vier, später fünf (auf anderen Listen gewählten) Abgeordneten im Deutschen Bundestag präsent, konnte der BHE die Lastenausgleichsgesetzgebung kaum beeinflussen. 1953 übersprang die in Gesamtdeutschen Block/BHE umbenannte Partei im Bund die 5%-Hürde (27 Mandate) und übernahm im 2. Kabinett Adenauer die Ministerien für Vertriebene (Theodor Oberländer) und für Sonderaufgaben (Waldemar Kraft). Die Fraktion stimmte 1955 für die Westintegration, aber gegen das Saarstatut. Die Minderheit um Kraft und Oberländer (seit 1954 Parteivorsitzender) schloss sich daraufhin der CDU/CSU-Fraktion an. Unter dem Vorsitz von Friedrich von Kessel (bis 1958), Frank Seiboth (bis 1962) und Hermann Ahrens (bis 1975) konnte sich die Partei, die mit der Integration der Flüchtlinge ihr Wählerreservoir verlor, nicht zu einer „3. Kraft“ entwickeln. Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag 1957 und 1961 war sie an der 5%-Hürde gescheitert. Die „Flüchtlingspartei“, die 1961 mit der Deutschen Partei fusionierte und in Gesamtdeutsche Partei umbenannt wurde, war 1950–1964 an 14 verschiedenen Landesregierungen beteiligt sowie parlamentarisch 1953–1957 im Deutschen Bundestag und bis 1966 in sechs Landtagen vertreten.

Literatur

F. Neumann: Der BHE 1950–1960 (1968); Y. R. Winkler: Flüchtlingsorganisationen in Hessen 1945–1954 (1998). – Bestand: ACSP.

Martin Schumacher