Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei (CNBL)

Die CNBL entstand 1928 als Abspaltung der DNVP. Der Reichslandbund (RLB) förderte die Sezession thüringischer und hessischer Landbündler, nachdem die DNVP durch ihre Regierungsbeteiligung ihren Charakter als agrarische Protestpartei weitgehend eingebüßt hatte. Die Neugründung verstand sich als die „berufsständische Partei des deutschen Bauernstandes und der Landwirtschaft“, deren Interessen sie als Teil der „nationalen Front“ artikulierte. So folgte sie bei der Kampagne gegen den Young-Plan dem RLB. Ohne Koalitionsbindung unterstützte sie später das Kabinett Heinrich Brüning, in dem Martin Schiele das Landwirtschaftsressort übernahm. Der Hugenberg-Gegner, der mit der Ministerernennung sein Reichstagsmandat (DNVP) niedergelegt hatte, kandidierte 1930 an zweiter Stelle der CNBL-Reichsliste, lehnte das Mandat jedoch ab. Die CNBL gewann 22 Abgeordnete (1928: 9 Abgeordnete), konnte aber nur in den Hochburgen der Landbundbewegung Erfolge verbuchen. In der sich verschärfenden Wirtschaftsund Agrarkrise erwiesen sich die „Landvolkminister“ Schiele, Hans Schlange-Schöningen (Ostsiedlung 1931/32) und Günther Gereke (1932/33 Ostsiedlung und Arbeitsbeschaffung) als Belastung für die Partei, die rasch ihren Einfluss im RLB wieder verlor. Bei den Reichstagswahlen 1932 sank ihr Stimmenanteil von 3,7% (1930) auf 0,1%. Das „Landvolk“ lief zur NSDAP über. Nur in Thüringen behielt die CNBL ihre „Schlüsselstellung“, die sie 1930 zur Bildung der 1931 gescheiterten Koalition mit der NSDAP – der ersten auf Landesebene – benutzt hatte und nach den Wahlen 1932 zur Mehrheitsbeschaffung der Hitler-Partei einsetzte.

Literatur

G. Dressel: Der Thüringer Landbund (1998);M. Müller: Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei 1928–1933 (2001).

Martin Schumacher

Vorsitzende
1928-1930Erwin Baum
1930-1931Ernst Höfer
1931-1933Wolfgang von Hauenschildt-Tscheidt