Christlich-Soziale im DGB

Die Christlich-Sozialen, wie die christlichen Arbeitnehmer in Gewerkschaften, Unionsparteien und in den kirchlichen Arbeiterverbänden zumeist genannt werden, haben an der Grundlegung und Sicherung der freiheitlich-demokratischen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland wesentlichen Anteil.

Mit der Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Oktober 1949 in München hatten Bemühungen Erfolg, die christlichen, sozialistischen und liberalen Richtungsgewerkschaften von vor 1933 zur Einheitsgewerkschaft zusammenzuführen und diese zu einer kraftvollen Arbeitnehmervertretung auszubauen. Grundlage und Orientierung bieten den Christlich-Sozialen für ihre Arbeit in den Gewerkschaften und in den Unionsparteien das christliche Menschenbild und die Leitideen der christlichen Sozialethik.

Die Gewerkschaften sind Interessenverbände der Arbeitnehmer zur Sicherung und Wahrnehmung ihrer betrieblichen Interessen sowie zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage. Die Gewerkschaften sind überbetrieblich organisiert und haben das Recht, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder tarifvertraglich mit normativer Weirkung zu regeln (Tarifautonomie).

In den meisten Staaten Europas haben sich mit der Gründung der europäischen Gewerkschaften seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem Richtungsgewerkschaften etabliert, die sich bestimmten weltanschaulichen und parteipolitischen Strömungen verbunden fühlen. Dagegen favorisierten die Gewerkschafter in den westlichen Besatzungszonen mit Unterstützung der Alliierten die Gründung des DGB als Einheitsgewerkschaft, dem seinerzeit 16, heute acht Einzelgewerkschaften angehören.

Ausschlaggebend für die Realisierung der deutschen Einheitsgewerkschaft, die parteipolitischer und weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, war die Zerrissenheit der deutschen Gewerkschaften in der Weimarer Zeit, die die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erleichterte. Die Führungskräfte der christlichen, sozialdemokratischen und nationalliberalen Geerkschaften einigten sich noch kurz vor der Zerschlagung der Gewerkschaften durch den NS-Staat im Mai 1933 auf die Schaffung einer einheitlichen Gewerkschaftsbewegung, die jedoch erst in der demokratischen Neuordnung nach 1945 realisiert werden konnte.

Da die christlichen Gewerkschafter mit den sozialdemokratischen und nationalliberalen Kollegen gewerkschaftspolitisch im DGB zusammenarbeiten wollten, sich parteipolitisch jedoch in der CDU engagierten, schlossen sie sich 1945/46 in den Sozialausschüssen der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) zusammen.

Zu den Erfolgen der Christich-Sozialen in CDU und DGB gehören die Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft sowie der Aufbau und die Sicherung der Gewerkschaftsarbeit und Arbeits- und Sozialordnung. Entschieden setzten sich christlich-soziale Gewerkschafter u. a. für die Mitbestimmung und die Neuregelungen der Betriebsverfassung in der Bundesrepublik ein. Mit ihrer politischen und gewerkschaftlichen Arbeit gerieten sie wiederholt in Konflikt mit ihren Kollegen in der Partei (u.a. Mittelstandsvereinigung); anderseits kritisierten die Christlich-Sozialen in den DGB-Gewerkschaften immer wieder Verstöße ihrer Gewerkschaftskollegen gegen die parteipolitische Neutralität. Bekannte christlich-Soziale Gewerkschafter, die als stellvertretende Vorsitzende des DGB fungierten sind u. a. Matthias Föcher, Bernhard Tacke, Gustav Fehrenbach, Maria Weber und Ingrid Sehrbrock (seit 2006). Christlich-Soziale wie Karl Arnold, Jakob Kaiser, Hans Katzer, Heiner Geißler und Norbert Blüm gehörten dem DGB an, hatten jedoch in Bundes- und Landesregierungen Ministerämter inne.

Literatur

Hanns Jürgen Küsters / Rudolf Uertz (Hg.): Christlich-Soziale im DGB. Historische und aktuelle Fragen, Sankt Augustin 2010.

Rudolf Uertz, Markus Lingen

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