Christlich-Soziale Reichspartei (CSRP)

Nach der endgültigen Trennung von Zentrum und Bayerischer Volkspartei (BVP) im Jahre 1920 gründete Vitus Heller, Sekretär des Volksvereins für das katholische Deutschland in Würzburg, die Christlich-Soziale Partei (CSP) in Bayern, deren erster Vorsitzender er zugleich war. Sie verfügte mit der Zeitschrift „Das Neue Volk“ über ein eigenes Parteiorgan. Die Partei sollte ein Gegengewicht zur BVP bilden und als Stütze des Zentrums in Bayern dienen. Die Arbeitsgemeinschaft der CSP mit dem Zentrum, die durch die Zusatzbezeichnung „Bayerisches Zentrum“ unterstrichen wurde, dauerte bis 1925. Danach dehnte sich die CSP über die Grenzen Bayerns auf das Reichsgebiet aus. Diese Neuorganisation kam in der Umbenennung in CSRP 1926 zum Ausdruck. Eine Stärkung erfuhr sie durch den Anschluss der Christlich-Sozialen Volksgemeinschaft, die sich 1922 vom Zentrum abgespalten hatte und deren Basis in Westfalen und im Rheinland lag. Die CSRP vertrat einen christlichen Sozialismus und radikal-pazifistische Ideen. Das führte zeitweilig auch zu einer Zusammenarbeit mit der KPD. Der Einzug in den Reichstag gelang der Partei nicht.

Ende Januar 1931 beschloss die CSRP-Führung, um sich von christlich-sozialen Kräften abzugrenzen und ihre Verbundenheit mit Arbeitern und Bauern zum Ausdruck zu bringen, die Umbenennung in Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands (ABPD). Ab 1933 waren die Mitglieder der ABPD zunehmender Verfolgung ausgesetzt, Vitus Heller und andere führende Parteimitglieder wurden inhaftiert, das Parteiorgan am 31. März 1933 verboten.

Literatur

D. Riesenberger: Die katholische Friedensbewegung in der Weimarer Republik (1976); W. Fritsch, in: Lexikon zur Parteiengeschichte, 1 (1983).

Michael Hansmann / Denise Lindsay