Christlich-Soziale Vereine (CSV)

Die CSV entstanden zwischen 1860 und 1870 in den rheinisch-westfälischen Industrieregionen. Sie konnten sich in beträchtlichem Maße auf Ideen Wilhelm Emmanuel von Kettelers stützen und versuchten, die soziale Frage auf der Basis christlicher Moralvorstellungen zu lösen, die gegen den Liberalismus und Sozialismus gerichtet waren. Neben den katholischen Arbeitervereinen wurden auch katholische Spar- und Kreditvereine für Handwerker und Kaufleute sowie Bauernvereine gegründet. Innerhalb eines breiteren, auch noch die alten Bruderschaften umfassenden katholischen Vereinswesens suchten die CSV eine Antwort auf den sich allmählich abzeichnenden Wandel zur Industriegesellschaft, der zur Auflösung der alten Stände- und Klassenzugehörigkeiten führte.

Im Juni 1868 fand in Krefeld die erste Tagung der CSV statt; es bildete sich ein „Centralvorstand“ für die christlich-sozialen Vereinigungen. Die kurz zuvor gegründeten „Christlich-sozialen Blätter“ wurden zum zentralen Vereinsorgan bestimmt. Die Mitgliedschaft in den CSV war unvereinbar mit der Zugehörigkeit zu sozialistischen Organisationen. Die Gründung der Zentrumspartei, die von der katholischen Vereinsbewegung seit 1864 (Soester Konferenzen) flankiert wurde, gab den CSV einen politischen Rahmen vor. Diese bildeten aber dennoch den Anfang einer die christlichen Gewerkschaften vorbereitenden und insofern selbständigen Arbeiterbewegung. Katholische Vereine und Publikationen wurden Opfer des Kulturkampfes. Doch fanden Elemente der CSV später Aufnahme in den katholischen Arbeitervereinen und den christlichen Gewerkschaften.

Literatur

F. G. Hohmann: Die Versammlung der Katholiken Rheinlands und Westfalens in Dortmund 1867, in: Unio Christianorum. Festschrift für Lorenz Kardinal Jäger (1972).

Michael Hansmann/Denise Lindsay