Christlich-Sozialer Volksdienst (CSVD)

Angesichts einer zunehmenden Radikalisierung ihrer ursprünglichen politischen Heimat, der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), schlossen sich pietistische und freikirchliche evangelische Kreise ab 1924 zu Christlich-sozialen Gesinnungsgemeinschaften zusammen. Unter württembergischer Führung erhielten diese Gemeinschaften 1927 im Reichsverband des Christlichen Volksdienstes (CVD) eine Dachorganisation, die sich am 28. Dezember 1929 mit dem christlich-sozialen Flügel der DNVP zum CSVD zusammenschloss. Das Selbstverständnis des CSVD als politischer Organisation des deutschen Pietismus verband sich eng mit den missionarischen Anliegen der Freikirchen. Während die Partei in der Kulturpolitik an einem eher restaurativen Leitbild der christlichen Lebenswelt festhielt, führten sie ihre sozialreformerischen Initiativen an die Seite der politischen Linken. Anfangs der Weimarer Verfassung verpflichtet, trat der CSVD nach 1930 für eine Einschränkung der Befugnisse des Reichstages und für die Unabhängigkeit der Regierung von Parlament und Parteien ein. Zunehmend bejaht wurden auch autoritäre Regierungsformen. Bei der Reichstagswahl 1930 errang der CSVD 14 Mandate. Während der Regierungszeit Heinrich Brünings vermochte er einigen Einfluss auf die Reichspolitik auszuüben, ehe er bis 1933 bedeutungslos wurde. Nach der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz beschloss der CSVD am 30. Juni 1933 die Selbstauflösung. 1945 waren führende Mitglieder des CSVD wie Paul Bausch und Wilhelm Simpfendörfer Mitgründer der CDU.

Literatur

G. Opitz: Der CSVD. Versuch einer protestantischen Partei in der Weimarer Republik (1969).

Frank Müller

Vorsitzender
1929-1933Wilhelm Simpfendörfer