Christlichsoziale Partei (CSP)

Am 5. Januar 1878 wurde in Berlin auf Initiative des Hofpredigers Adolf Stoecker die Christlichsoziale Arbeiterpartei gegründet. Sie war eine monarchistische Partei, die evangelische Arbeiter für das Christentum wiedergewinnen wollte, für die Rechte und den Schutz des Arbeiters sowie für eine sozialpolitische Gesetzgebung eintrat. Teils antisemitisch eingestellt, wandte sie sich gegen den Liberalismus und den Sozialismus. 1881 in CSP umbenannt, schloss sie sich als selbständige Gruppe der Deutschkonservativen Partei (DkonP) an; Stoecker gehörte als Mitglied des Reichstags der deutschkonservativen Fraktion an. Die Verbindung von CSP und DkonP dauerte bis 1896. Zunehmende persönliche Angriffe gegen Stoecker und der großagrarische Einfluss in der DkonP machten eine Verselbständigung der CSP notwendig, doch war ihr wenig Erfolg beschieden. Sie hatte im Reichstag nie mehr als drei Abgeordnete (0,8% Stimmenanteil); 1903 schlossen sich ihre Vertreter mit Abgeordneten anderer kleinerer Parteien zur Wirtschaftlichen Vereinigung zusammen. 1909, nach Stoeckers Tod, rückte die CSP unter seinen Nachfolgern Franz Behrens (1909–1912) und Wilhelm Philipps (1912–1916) von der bis dahin verfolgten antisemitischen Propaganda ab und begann eine Zusammenarbeit mit den konservativen Parteien, die durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs beendet wurde. Die CSP vermochte sich nicht mehr von ihrer Krise zu erholen. Im Winter 1918/19 schloss sie sich der neugegründeten DNVP an, in der die Christlichsozialen unter Reinhard Mumm eine Gruppe darstellten, die sich 1929 im Christlich-Sozialen Volksdienst verselbständigte.

Literatur

G. Koch: A. Stoecker 1835–1909 (1933); N. Friedrich: „Die christlich-soziale Fahne empor!. Reinhard Mumm und die christlich-soziale Bewegung (1997).

Michael Hansmann/Denise Lindsay

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