Niederdeutsche Union (NU)

Im September 1950 trat die CDU aus der SPD-geführten Regierung Hinrich Wilhelm Kopf in Niedersachsen aus. Grund dafür war das geplante neue niedersächsische Wahlgesetz, das die Blockbildung durch Verbot von Absprachen über gemeinsame Kandidaten in den Wahlkreisen unmöglich machen sollte. CDU und Deutsche Partei, die sich bislang 95 Direktmandate geteilt hatten, wurden dadurch gezwungen, getrennt zu kandidieren. CDU, DP und FDP begannen Verhandlungen über ein gemeinsames Vorgehen unter diesen neuen Bedingungen. Am 28. Dezember 1950 einigte man sich – zur Erhöhung der Wahlchancen – auf die Gründung der Niederdeutschen Union. Die FDP trat am 7. Januar 1951 wieder aus dem Bündnis aus. Exekutivorgan der Niederdeutschen Union war die Wahlkampfleitung; CDU und DP behielten ihre jeweiligen Parteiorganisationen bei. Nach außen wirkte das Bündnis wie eine Fusion, faktisch aber handelte es sich um einen getarnten Wahlblock. Der Wahlerfolg bei der Landtagswahl im Mai 1951 blieb jedoch aus; die Niederdeutsche Union konnte nicht – wie erhofft – die bisher der CDU und DP zugefallenen Stimmen auf sich vereinigen. Sie erreichte nur 35 Mandate, 22 weniger als bei der vorangegangenen Landtagswahl. Vor der Bundestags-Wahl 1953 erneuerten CDU und DP ihr Wahlbündnis in Niedersachsen. Vor der Landtagswahl 1955 wurde die Niederdeutsche Union aufgelöst. Eine von der CDU in Auftrag gegebene Meinungsumfrage hatte deutlich gemacht, dass nur wenige der Befragten wussten, welche Parteien sich zur Niederdeutschen Union zusammengeschlossen hatten, und dass eine allein kandidierende CDU größere Chancen hätte. Die Niederdeutsche Union bestand zuletzt nur noch aus einer gemeinsamen Landtagsfraktion mit der offiziellen Bezeichnung DP/CDU NU.

Literatur

U. Schmidt: CDU, in: R. Stöss (Hg.), Parteienhandbuch, 2 (1984).

Michael Hansmann/Denise Lindsay

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