August Reichensperger

Appellationsgerichtsrat, Zentrumspolitiker Dr. h. c. 22. März 1808 Koblenz 16. Juli 1895 Köln

Reichensperger war seit seinem Eintritt in das parlamentarische Leben 1848 einer der angesehensten Politiker in Deutschland. Überzeugt von der naturrechtlich begründeten Rechtsstaatsidee, vertrat er in den 1830er und 1840er Jahren in Wort und Schrift – gemeinsam mit seinem Bruder Peter Reichensperger – das „Rheinische Recht“ mit seinen liberalen Grundelementen gegenüber der preußischen Regierung. Im Zusammenhang mit den Kölner Wirren (1837) stellte er sich an die Seite der angegriffenen katholischen Kirche. Seit diesem Zeitpunkt hat er ihre Rechte und (korporativen) Freiheiten verteidigt. Reichenspergers Bemühen ist es zu verdanken, dass in den Kirche-Staat-Artikeln der Paulskirchenverfassung eine beiderseits befriedigende Lösung gefunden wurde. Sie ist über die Weimarer Reichsverfassung und das Bonner Grundgesetz geltendes Verfassungsrecht. Während seines langen parlamentarischen Wirkens (1850–1885) gehörte Reichensperger zu den führenden Kräften der Katholischen Fraktion (Zentrum) und der katholischen Vereinsbewegung. In Erinnerung geblieben ist er auch als Förderer des Kölner Dombaus, der neugotischen Baukunst und der Denkmalpflege.

Ernst Heinen

Lebenslauf

  • 1827–1830 Jurastudium in Bonn, Heidelberg und Berlin
  • 1835–1841 Assessor beim Landgericht Koblenz
  • 1841-1844 Landgerichtsrat in Köln und 1844–1848 in Trier
  • 1848-49 Kammerpräsident am Landgericht in Köln
  • 1849–1875 Appellationsgerichtsrat in Köln
  • 1850–1863
  • 1870–1873 und 1879–1885 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses (Zentrum)
  • 1871–1884 Mitglied des Reichstages.

Literatur

  • L. Pastor: August Reichensperger 1808–1895, 2 Bde. (1899)
  • H. J. Becker, in: Rheinische Lebensbilder, 10 (1985)
  • E. Heinen, in: ZGiLB 9 (1999)
  • D. Strauch: August Reichensperger als Rechtspolitiker, in: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 209 (2006), S. 307-338
  • M. Kramp u.a. (Hg.): August Reichensperger. Koblenz – Köln – Europa (2006)