Carl (Karl) Bachem

Journalist, Historiker Dr. jur. 22. September 1858 Köln 11. Dezember 1945 Burgsteinfurt

Bereits als Student der Rechtswissenschaften zeigte der Sohn einer Kölner Verlegerfamilie, die vor allem in der Zeit des politischen Katholizismus die Meinungsführerschaft übernommen hatte, ehrgeizige Ambitionen als politisch-historischer Autor. Bachem entwickelte eine umfangreiche publizistische und dokumentarische Tätigkeit, die in der Veröffentlichung einer neunbändigen, noch heute – trotz ihres subjektiven Charakters – als unerlässliche Quelle der Parteienhistoriographie geltenden Zentrumsgeschichte gipfelte. Bachem war durch mehrere Romreisen zu einem Kenner kurialer Diplomatie und vatikanischen Verhandlungsstils geworden. In Berlin weckte er bald die Aufmerksamkeit von Ludwig Windthorst, in dessen Nähe er zu einem versierten Parlamentarier mit politischem Augenmaß aufstieg. Seine Rolle z. B. bei der Verabschiedung des Bürgerlichen Gesetzbuchs oder beim Kampf gegen das Jesuitengesetz zeigte, dass er eine einflussreiche Stellung innerhalb der Führung seiner Partei einnahm. Er setzte sich wie im „Richtungsstreit“ des Zentrums 1906–1914 für eine politische Bewegung auf interkonfessioneller Grundlage ein, die aber durch übermäßige Rücksichten auf konfessionelle Sonderinteressen die Verwirklichung einer christlich-demokratischen Volkspartei noch nicht zuließ. Die beabsichtigte Gründung der CDU hat Bachem kurz vor seinem Tod als „das einzig Richtige“ bezeichnet.

Bestand: Historisches Archiv der Stadt Köln.

Rolf Kiefer

Lebenslauf

  • 1876–1879 Jurastudium in Straßburg und Berlin
  • 1880–1886 Referendar am Oberlandesgericht Köln
  • 1880–1881 Militärdienst
  • 1880–1892 Armenpfleger der Stadt Köln
  • 1887–1892 Rechtsanwalt in Köln
  • 1889–1906 Mitglied des Reichstages (Zentrum)
  • 1890–1904 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses für Krefeld
  • 1915–1920 Chefredakteur der „Kölnischen Volkszeitung“.

Literatur

  • Vorgeschichte, Geschichte und Politik der Deutschen Zentrumspartei, 9 Bde. (1927–1932)
  • R. Kiefer: Karl Bachem (1989)

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