Daniel Günther

Landesvorsitzender, Ministerpräsident 24. Juli 1973 Kiel
von Andreas Grau
Seit Juni 2017 ist Daniel Günther Ministerpräsident der ersten Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein. Obwohl er erst 45 Jahre alt ist, hat der Politikprofi als Landesgeschäftsführer, Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender im Verlaufe seiner Karriere Land und Leute wie kaum ein anderer Politiker kennengelernt.

Jugend und Studium​​​​​
​​​​​​​Günther stammt aus Eckernförde, wo er noch heute mit seiner Familie lebt. Geboren wurde er allerdings am 24. Juli 1973 in Kiel. Eckernförde war der Ort, an den seine Eltern, deren Wurzeln nicht in Schleswig-Holstein lagen, gezogen waren. Von der Mutter wurden Daniel Günther, seine Schwester und seine beiden Brüder katholisch erzogen. Der katholischen Gemeinde in Eckernförde ist er bis heute eng verbunden.

Günther besuchte die Grundschule und anschließend die Jungmannschule in Eckernförde, wo er 1993 das Abitur ablegte. Der begeisterte Handballspieler war ein eher mittelmäßiger Schüler – wie er später selbst zugab. Nach dem Abitur begann er an der Kieler Universität ein Studium der Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Psychologie. Sein Interesse für Politik und die Begeisterung über die Wiedervereinigung ließen ihn noch vor dem Abitur in die CDU eintreten.

Aufstieg in der CDU
Bereits ein Jahr nach seinem Eintritt in die Partei wurde Günther zum Vorsitzenden der Jungen Union im Kreis Rendsburg-Eckernförde gewählt. Er wurde mehrfach im Amt bestätigt und 1998 außerdem stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU. Bei der Kommunalwahl im gleichen Jahr zog er in den Rat der Stadt Eckernförde ein. Noch vor dem Ende seines Studiums, das er 2001 mit dem Magisterexamen abschloss, stieg er auch beruflich bei der CDU ein: 2000 übernahm er das Amt des Geschäftsführers für die Kreisverbände Rendsburg-Eckernförde und Neumünster. Als Kreisgeschäftsführer lernte er die CDU in Schleswig-Holstein von Grund auf kennen. Daneben blieb Günther auch weiterhin kommunalpolitisch aktiv. 2003 zog er in den Kreistag des Kreises Rendsburg-Eckernförde ein. Schon bald fiel der Geschäftsführer einer der größten Kreisverbände der CDU in Schleswig-Holstein dem Landesvorsitzenden Peter Harry Carstensen auf. Nach der erfolgreichen Landtagswahl 2005 holte Carstensen ihn als CDU-Landesgeschäftsführer nach Kiel. Für den populären Ministerpräsidenten organisierte Günther dann auch den Landtagswahlkampf 2009. Dabei kandidierte er erstmals selbst im Wahlkreis Eckernförde. Mit 37,2 % wurde er 2009 in den Landtag gewählt und übernahm das Amt des hochschulpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion.

Bei der vorgezogenen Landtagswahl im Juni 2012 konnte Günther sein Mandat erfolgreich verteidigen. Die CDU allerdings verlor ihre Regierungsmehrheit in Kiel und musste in die Opposition gehen.

Mit dem Verzicht von Peter Harry Carstensen auf das Amt des Landesvorsitzenden und einer Übergangsphase unter den Landesvorsitzenden Christian von Bötticher und Jost de Jager ging 2012 auch die Zeit von Daniel Günther als Landesgeschäftsführer zu Ende: 2013 wechselte er als Geschäftsführer zur Hermann Ehlers Stiftung in Kiel. Im gleichen Jahr wurde der einzige Katholik im Landtag von Schleswig-Holstein Mitglied des schleswig-holsteinischen Caritasrates.

Fraktionsvorsitzender
Im Oktober 2014 folgte der nächste Karriereschritt für Günther: Als der schleswig-holsteinische CDU-Vorsitzende Reimer Böge aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegte, trat überraschend auch Johannes Callsen, der Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag zurück. Bei der Suche nach einem Nachfolger fiel die Wahl auf den jungen Abgeordneten aus Eckernförde, der sich als guter Redner profiliert hatte. Als neuer Vorsitzender der CDU-Fraktion griff Günther von Anfang an die Politik der Landesregierung scharf an. Er zeigte sich jedoch offen für ein mögliches Bündnis mit den Grünen. Unter seiner Führung legte die Fraktion einen eigenen Nachtragshaushalt vor, organisierte einen Flüchtlingsgipfel und setzte sich für eine bessere Zusammenarbeit des Landes mit Hamburg ein.

Mit dem neuen Landesvorsitzendem, dem Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing, gab es eine klare Aufgabenteilung. Während Günther der Opposition neuen Schwung verleihen konnte und im Land immer bekannter wurde, schaffte es Liebing nicht im gleichen Maße, landespolitisches Profil zu gewinnen und die CDU aus dem Umfragetief zu holen. Ende Oktober 2016 gab der CDU-Vorsitzende auf und stellte sein Amt zur Verfügung. Angesichts des schon laufenden Wahlkampfes für die Landtagswahl 2017 übernahm nun Günther den Parteivorsitz und die Spitzenkandidatur in Personalunion. Auf einem Landesparteitag am 19. November 2016 wurde er mit 81,3 % zum neuen Vorsitzenden der CDU Schleswig-Holstein gewählt.

Landesvorsitzender und Ministerpräsident
Obwohl Günther von seiner neuen Aufgabe völlig überrascht wurde, setzte er den laufenden Landtagswahlkampf engagiert fort. Unter dem Motto „Anpacken statt rumschnacken“ sorgte er für frischen Wind. Er reiste kreuz und quer durchs Land, ging von Tür zu Tür und warb für die Rückkehr zum Abitur nach neun Schuljahren und eine Verbesserung der Infrastruktur in Schleswig-Holstein. Darüber hinaus kritisierte er den ungebremsten Ausbau der Windenergie. Von der SPD chronisch unterschätzt, gelang es Günther, den Trend umzukehren. Auch die CDU fasste nun wieder Mut und nominierte ihn Anfang Februar 2017 mit fast 90 % zum Spitzenkandidaten. Bei der Wahl am 7. Mai 2017 konnte sich die CDU leicht verbessern und wurde mit 32 % stärkste Kraft. Die SPD hingegen fiel auf 27,2 % zurück. In seinem Wahlkreis Eckernförde schaffte Günther mit 43,2 % zum dritten Mal den Einzug in den Landtag. Noch am Wahlabend sprach er sich für eine Regierungskoalition mit FDP und Grünen aus. Bei den folgenden Koalitionsverhandlungen trat er dann eher als Vermittler zwischen den Parteien auf und nahm sich persönlich zurück. In wenigen Wochen gelang es ihm, die angestrebte „Jamaika-Koalition“ zu Stande zu bringen und eine Regierung zu bilden.

Am 28. Juni 2017 wurde Günther ohne Gegenstimme aus den Reihen der Regierungskoalition zum neuen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt. Bei der Amtsübergabe fand er auch lobende Worte für seinen Amtsvorgänger Torsten Albig. Als Ministerpräsident trat er weiterhin offen und bürgernah auf und hielt seine Reden zumeist frei. Wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben, änderte die neue Landesregierung das Schulgesetz, um eine Rückkehr zu G 9 zu ermöglichen. Auch die Voraussetzungen für den Bau neuer Windkraftanlagen wurden geändert und zahlreiche neue Lehrer eingestellt. Streitfälle zwischen den Koalitionspartnern versuchte er nach Möglichkeit intern zu regeln.

​​​​​​​Nach der Bundestagswahl im September 2017 war Günther in Folge seines rasanten Aufstieges an den Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen in Berlin beteiligt und gewann damit auch bundespolitisches Profil.

Lebenslauf

  • 24. Juli 1973 geboren in Kiel
  • 1980-1984 Grundschule in Eckernförde
  • 1984-1993 Gymnasium in Eckernförde
  • 1993 Abitur
  • 1993 Eintritt in die CDU
  • 1993-2001 Studium der Politikwissenschaft, Volkswirtschaft und Psychologie in Kiel
  • 1994-1999 Vorsitzender der JU Rendsburg-Eckernförde
  • 1998-2014 Ratsherr der Stadt Eckernförde
  • 1998-2000 Projektmanager bei der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft
  • 1998-2000 stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde
  • 2001 Magisterexamen
  • 2000-2005 Geschäftsführer der CDU-Kreisverbände Rendsburg-Eckernförde und Neumünster
  • 2003-2010 Mitglied im Kreistag des Kreises Rendsburg-Eckernförde
  • 2005-2012 Landesgeschäftsführer der CDU Schleswig-Holstein
  • 2008 Heirat, zwei Töchter
  • 2006-2014 Schatzmeister des CDU-Kreisverbandes Rendsburg-Eckernförde
  • seit 2009 MdL
  • 2013-2014 Geschäftsführer der Hermann Ehlers Stiftung in Kiel
  • 2013-2017 Mitglied des Caritasrates Schleswig-Holstein
  • 2014-2017 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag
  • seit 2016 Vorsitzender der CDU Schleswig-Holstein
  • seit 2017 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein

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