Franz Graf von Ballestrem

Rittergutsbesitzer, Großindustrieller 5. September 1834 Plawniowitz Kreis Gleiwitz/Oberschlesien 23. Dezember 1910 Schloss Plawniowitz

Ballestrem eroberte 1872–1881 ganz Oberschlesien und die katholischen Teile Niederschlesiens für die Zentrumspartei. Während des Kaiserreiches galt er als Sprecher des ostdeutschen Katholizismus und als Führer des konservativen Flügels der Zentrumspartei. Sein Versuch, nach Ludwig Windhorsts Tod zwischen 1891–1893 die Führung der Zentrumspartei zu übernehmen, scheiterte am Widerstand des demokratischen Flügels unter Ernst Lieber. 1893 stimmte er – im Gegensatz zur Mehrheit seiner Fraktion – für die Militärvorlage. Danach legte er den Fraktionsvorsitz nieder und schied aus dem Reichstag aus. Ballestrem, 1887 Präsident des Deutschen Katholikentags in Trier, förderte besonders die katholische Presse und machte neben Kardinal Georg Kopp den Katholizismus in Berlin „hoffähig“.

Bestand: Gräflich Ballestremsches Archiv Straubing; Ballestremsches Firmen- und Familienarchiv Berlin

Helmut Neubach

Lebenslauf

  • Abitur am Katholischen Gymnasium Glogau
  • 1851-52 Lehranstalt der Jesuiten Namur
  • 1853–1855 Bergakademie Lüttich
  • 1855 Eintritt in den preußischen Heeresdienst
  • 1871 nach Abschied vom Militär Ritterguts- und Bergwerksbesitzer
  • 1872–1893 Mitglied des Reichstages, Führer des Zentrums in Schlesien
  • 1890–1893 Fraktionsvorsitzender im Reichstag
  • 1891–1903 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
  • 1898–1903 Mitglied des Reichstages
  • 1898–1906 Reichstagspräsident
  • 1903 Mitglied des Preußischen Herrenhauses

Veröffentlichungen

  • H. Neubach (Hg.): Franz Graf von Ballestrem - Tagebücher 1885-1908 (2015)

Literatur

  • H. Ehren: Graf Franz von Ballestrem (1935)
  • H. Neubach: Franz Graf von Ballestrem, ein Reichstagspräsident aus Oberschlesien (1984)
  • Ders.: Die geheime Mission des schlesischen Grafen Franz von Ballestrem in Rom 1886, in: Archiv für schlesische Kirchengeschichte 58 (2000)