Friedhelm Ost, Portrait. (Quelle: Marie-Lisa Noltenius/KAS-ACDP) Friedhelm Ost, Portrait. (Quelle: Marie-Lisa Noltenius/KAS-ACDP) © (Quelle: Marie-Lisa Noltenius/KAS-ACDP)

Friedhelm Ost

Journalist, Staatssekretär, Wirtschaftsberater Dipl. rer. pol. 15. Juni 1942 Castrop-Rauxel
von Ulrike Hospes

Eine Berufsbezeichnung für Friedhelm Ost festzulegen scheint unmöglich. Zu viele Funktionen füllte er in seinem Leben aus: Hilfsarbeiter im Bergbau, Sportreporter, PR-Manager, Journalist, Moderator, Kommentator, Regierungssprecher, Staatssekretär, Marktwirtschaftler, Bundestagsabgeordneter, Wirtschaftsberater – nicht zu vergessen auch Tennisspieler, Fan von Borussia Dortmund und Vorsitzender des Aalkönigskomitees in seinem Wohnort Bad Honnef. Seine Familie, westfälisches Beharrungsvermögen, eine Vorliebe für gutes Essen und Trinken sowie gut 60 Tabakspfeifen im Regal begleiten den lebensbejahenden, etwas hemdsärmeligen Optimisten auf seinem Weg.

Herkunft, Jugend und Berufseinstieg

Friedhelm Ost, der Sohn eines Kriminalbeamten, wird am 15. Juni 1942 als Kind des Ruhrgebiets in Castrop-Rauxel geboren. Er ist Messdiener, spielt als Mittelstürmer im katholischen Fußballverein DJK Habinghorst und fühlt sich zu Hause in der katholischen Arbeiterbewegung und im Kolpingwerk.

Bereits während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften von 1961 bis 1965 in Freiburg/Br. und Köln arbeitet er als Journalist, genauer: als Sportreporter, aber auch als Hilfsarbeiter im Bergbau, wo er knapp 200 Schichten unter Tage malocht. Der frisch gebackene Diplomvolkswirt beginnt 1966 in der Abteilung Volkswirtschaft und Information der Commerzbank in Düsseldorf, wechselt 1969 in die Pressestelle des Bundesverbandes deutscher Banken nach Köln. Parallel schreibt er als freier Journalist zu Wirtschaftsthemen und widmet sich der Familiengründung: 1968 heiratet er die Ärztin Erika Hermann, die er während des Studiums in Köln kennengelernt hat, und bekommt mit ihr fünf Kinder.

Vom ZDF ins Bundespresseamt

1973 ergreift Ost beim ZDF die Chance, seine Leidenschaft zum Hauptberuf zu machen. Er wird Wirtschaftsredakteur, Moderator und Kommentator. Er präsentiert das Magazin „Bilanz“ und baut ab dem 1. Januar 1984 als Chef die noch heute beliebte Sendung „WISO“ (Wirtschaft und Soziales) auf. Deren Ziel ist es, dem Zuschauer komplexe wirtschaftliche, finanz- und sozialpolitische Themen allgemeinverständlich nahezubringen.

Die Karriere im ZDF scheint vorprogrammiert: Ost ist für den Posten des Chefs der ZDF-Hauptredaktion „Aktuelles“ vorgesehen. Doch als der damalige Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Boenisch, von seinem Amt im Juni 1985 zurücktreten muss, ereilt Friedhelm Ost am 13. Juni 1985 ein Anruf von Helmut Kohl. Der Bundeskanzler beruft den 43-jährigen zum jüngsten Bonner Regierungssprecher. Beide kennen sich aus Kohls Zeit als Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und im Verwaltungsrat des ZDF.

Friedhelm Ost wechselt von seinem Wohnort Eppstein im Taunus, wo er sich als Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes engagiert hat, nach Bonn und bezieht das Chefzimmer 126 im Bundespresse- und Informationsamt an der Welckerstraße. Doch auch ein solcher PR-Profi wie Ost muss in der Bonner Medienlandschaft – nun auf der anderen Seite – seinen Platz erst finden. Später wird er mit den Worten zitiert, er habe sich als Wetterfrosch gefühlt, der nicht nur ständig günstige Voraussagen zu verbreiten, sondern das gute Wetter habe auch noch selber machen sollen. Am Ende häufen sich die Meldungen über Peinlichkeiten, Missmanagement und persönliche Streitigkeiten im 700 Mitarbeiter starken Presseamt, insbesondere mit den beiden Stellvertretern Herbert Schmülling (FDP) und Norbert Schäfer (CSU) sowie Sprechern von Ministerien. Die eigentliche Zusammenarbeit mit den Journalisten leidet darunter.

Der Politiker Ost

Im Rahmen einer Kabinettsumbildung muss Staatssekretär Ost im April 1989 seinen Posten räumen. Der angestrebte Rückweg in den Journalismus will nicht glücken. So greift wieder das zweite Standbein – die Wirtschaftskompetenz. Im Juli 1989 wird Ost als Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat der Ruhrkohle AG Essen gewählt. Am 1. Januar 1990 wird er einer der beiden Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Bergbau in Bonn. Doch die Politik ruft ihn zurück: Im Wahlkampf zur ersten und letzten frei gewählten Volkskammer der DDR ernennt ihn Helmut Kohl zum PR-Berater der „Allianz für Deutschland“, dem aus den Parteien Demokratischen Aufbruch (DA), Deutsche Soziale Union (DSU) und der CDU in der DDR bestehenden Bündnis.

Bei der Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 gewinnt Ost mit 58,2% der Erststimmen den Wahlkreis Paderborn und wird für zwölf Jahre direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Im Januar 1991 übernimmt er den Vorsitz des Wirtschaftsausschusses. Zur Vermeidung von Interessenskonflikten gibt er zwei Monate später seine Tätigkeit als Hauptgeschäftsführer wieder auf. Hauptaufgabengebiet wird der „Aufschwung Ost“.

Kompass: Soziale Marktwirtschaft

Der Anhänger der katholischen Soziallehre kennt keine Denkverbote. Er lobt seinerzeit den linken IG-Metall-Vize Walter Riester und zugleich den liberalen FDP-Wirtschaftsminister Günter Rexrodt. Als Mitglied der CDU-Mittelstandsvereinigung und des katholischen Kolpingwerks bringt er die Säulen Leistung und soziale Verantwortung zusammen. Der Mittelstand und die selbständigen Handwerker sind für ihn wahre Leistungsträger. „Fleißige Leute, bodenständig, die halten durch, jammern nicht und sich auch noch sehr innovativ.“ Der Schüler von Alfred Müller-Armack ist geprägt von einer marktwirtschaftlichen Grundüberzeugung, nach der Leistung gefordert ist und auch ihren Preis haben muss. Absolute Gerechtigkeit könne es nicht geben. Unternehmer und Leistungsträger dürften nicht wie Weihnachtsgänse ausgenommen werden. Der Ausgleich der sozialen Interessen ist ihm dennoch ein Anliegen – doch nicht auf Kosten der nächsten Generation. Bereits Mitte der 1990er Jahre fordert Ost eine „Schlankheitskur“ der öffentlichen Finanzen, eine Reduzierung der Lohnzusatzkosten zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, die Anhebung des Renteneintrittsalters, eine Grundrente plus private Vorsorge, mehr Eigenleistungen im Gesundheitssystem, verkürzte Sommerferien (von sechs auf vier Wochen), Flexibilität im Bereich Wochenarbeitszeit. „Zu sozial ist unsozial“ – die Arbeitnehmer dürften nicht immer höhere Steuer- und Sozialabgabenlasten tragen, während andere angebotene Arbeit ablehnen. Es gilt der Grundsatz: Was ausgegeben werde, müsse erst verdient werden.

Überzeugter Europäer

Als Friedhelm Ost 2010 im Bonner Kanzlerbungalow mit dem Mérite Européen geehrt wird, plädiert er: „Europa ist unser Schicksal und unsere Zukunft. Gerade deshalb wollen wir nicht die Asche bewahren, sondern das Feuer für Europa weitertragen – auch an die jüngere Generation.“ Auch im caritativen Bereich setzt er sich in Europa ein. Als Präsident der „Luftbrücke für atemwegserkrankte Kinder“ engagiert sich Ost für Kinder aus Osteuropa, ermöglicht medizinische Behandlungen in Deutschland.

Auszeichnungen

  • Bundesverdienstkreuz
  • Orden verschiedener europäischer (u.a. Mérite Européen), afrikanischer und lateinamerikanischer Staaten
  • päpstlicher Gregorius-Orden
  • Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Goldenes Handwerkszeichen
  • Mittelstandspreis des Bundesverbandes der Selbständigen
  • Ehrensenator der BiTS, Business and Information Technology School GmbH, Iserlohn.

Ämter und Mitgliedschaften

  • Präsident der „Luftbrücke für atemwegserkrankte Kinder in Deutschland e.V.”
  • Mitglied des Bundes Katholischer Unternehmer
  • Mitglied der Akademie der Naturwissenschaften Russland, Moskau
  • Mitglied im Gouverneursrat der Universität Haifa (Israel)
  • Mitglied des Vorstandes des Vereins zur Förderung der Wettbewerbswirtschaft e.V., Berlin
  • Sprecher des Kuratoriums der Bundesvereinigung Mittelständischer Unternehmer (BVMU)
  • Mitglied des RKW-Kuratoriums, Eschborn
  • Mitglied der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT)
  • Mitglied im Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas, Vorsitzender des Krone-Kreises
  • Präsident des Mid-Atlantic Clubs Bonn e.V.
  • Mitglied des Kuratoriums der Christian Schwarz-Schilling-Stiftung, Büdingen
  • Mitglied des Präsidiums der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Lebenslauf

  • 1948–1952 Volksschule
  • 1952–1961 neusprachliches Gymnasium in Castrop-Rauxel
  • 1961–1965 Studium der Volkswirtschaft in Freiburg und Köln
  • 1966–1969 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Commerzbank (Abteilung Volkswirtschaft und Information) in Düsseldorf
  • 1969–1972 Referent in der Pressestelle des Bundesverbandes deutscher Banken in Köln
  • 1973–1985 Wirtschaftsredakteur, Moderator und Kommentator beim ZDF
  • 1980 Eintritt in die CDU
  • 1985–1989 Staatssekretär und Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung
  • 1989–1990 wirtschaftspolitischer Berater des Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl, freier Journalist und Publizist
  • 1990–1991 Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Bergbau
  • 1990–2002 MdB
  • 1990–1998 Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft des Deutschen Bundestages
  • 1998–2002 Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestages
  • 1995–1999 Berater der Frankfurter Rothschild GmbH
  • seit 1998 Generalbevollmächtigter der Deutschen Vermögensberatung
  • seit 2002 Politik-, Kommunikations- und Wirtschaftsberatung in Bad Honnef und Berlin, Publizist.

Veröffentlichungen

  • Freiheit und soziale Verantwortung: Soziale Marktwirtschaft als Leitbild der CDU. In: Ludwig- Erhard-Stiftung e.V. (Hg.): Soziale Marktwirtschaft als historische Weichenstellung – Bewertungen und Ausblicke. Eine Festschrift zum 100. Geburtstag von Ludwig Erhard, Düsseldorf 1997, S. 561–579.
  • Die Deutschen und das Kriegsende. Die Reden der Bundespräsidenten von Weizsäcker und Herzog zum 40. und 50. Jahrestag des Kriegsendes – mit einem Kommentar von Friedhelm Ost, Paderborn 1997.
  • Der deutsche Mittelstand – Motor unserer Volkswirtschaft bei wachsender Globalisierung. In: Otmar Franz (Hg.): Globalisierung – Herausforderung und Chance für den deutschen Mittelstand, Eschborn 1999, S. 95–98.

Literatur