Hermann Kunst

Theologe, Bevollmächtigter des Rates der EKD, Militärbischof D. Dr. theol. DD. 21. Januar 1907 Ottersberg/Kreis Verden 6. November 1999
von Wolfgang Percy Ott

Als Mitglied der Bekennenden Kirche früh in kirchenleitende Funktionen aufgestiegen, wurde der konservativ-lutherische Kunst 1949 zum Bevollmächtigten des Rates der EKD bestellt. Wegmarken seiner auf Ausgleich mit der katholischen Seite (Katholisches Büro Bonn/Büro Böhler) bedachten Tätigkeit waren die Aushandlung und Umsetzung des Militärseelsorgevertrages (1957) sowie sein Einfluss auf die Entstehung des Tübinger Memorandums (1962) und die Ostdenkschrift der EKD (1965). Als Finanzkoordinator nahm er eine bedeutende Rolle u. a. in den innerdeutschen Beziehungen und der Entwicklungshilfe ein. Vielfältige Beziehungen pflegte er zu Politikern aus Union, FDP und SPD. Eng verbunden war Kunst mit Ludwig Erhard, Eugen Gerstenmaier, Gustav Heinemann. Sein großes Prestige belegte die Berufung zum Vorsitzenden der gemeinsamen Schiedsstelle im Bundestagswahlkampf 1980.

Lebenslauf

  • 1922–1924 Banklehre
  • 1926–1930 Theologiestudium in Marburg, Berlin, Münster/Westfalen
  • 1932 Pfarrer in Herford/Westfalen
  • 1939-40 und 1943–1945 Divisionspfarrer
  • 1940 Superintendent in Herford
  • 1945–1949 Mitglied der westfälischen Kirchenleitung
  • 1949-50-1977 Bevollmächtigter des Rates der EKD am Sitz der Bundesrepublik Deutschland in Bonn
  • 1955-56–1972 evangelischer Militärbischof (Nebenamt).

Veröffentlichungen

  • Die politische Aufgabe der Kirche (1955)
  • Evangelisches Staatslexikon (3. Aufl. 1987)

Literatur

  • K. Aland (Hg.): Credo Ecclesiam (1987)
  • Hermann Kunst im Gespräch mit M. Krauss (1989)
  • H. E. Kalinna: Verbindungsstellen zwischen Staat und Kirchen im Bereich der evangelischen Kirche, in: J. Listl/D. Pirson (Hg.), Handbuch des Staatskirchenrechts der Bundesrepublik Deutschland, 2.2 (1995)