Johanna Wanka (geb. Müller)

Mathematikerin, Vorsitzende der CDU Brandenburg, Ministerin, Professorin Dr. rer. nat. 1. April 1951 Rosenfeld (Sachsen)

Jugend, Ausbildung und beruflicher Werdegang

Johanna Wanka, geb. Müller, wurde am 1. April 1951 im nordsächsischen Rosenfeld als Tochter eines Bauern und einer Apothekenhelferin geboren. Von 1958 bis 1966 besuchte sie die Grundschule in Großtreben und wechselte im Anschluss auf die erweiterte Oberschule in Torgau. Dort bestand sie 1970 das Abitur. Dies war ihr nur gestattet, weil sie kurz zuvor der Freien Deutschen Jugend beigetreten war – entgegen dem Verbot ihrer Mutter, die ihr schon als Mädchen die Mitgliedschaft bei den Jungen Pionieren untersagt hatte. Es folgte das Studium der Mathematik an der Universität Leipzig, welches Wanka 1974 mit dem Diplom abschloss. Sie begann als wissenschaftliche Assistentin an der Technischen Hochschule Merseburg zu arbeiten. Während ihrer Zeit in Merseburg wurde sie 1980 zum Dr. rer. nat. promoviert. Ab 1985 arbeitete sie als wissenschaftliche Oberassistentin und war vor allem mit der Lehre in den Fächern Mathematik, Physik, Verfahrens- und Werkstofftechnik beschäftigt. 1993 wurde Wanka dort zur Professorin für Ingenieurmathematik, Informatik und Angewandte Naturwissenschaften habilitiert. Von 1994 bis 2000 war sie Rektorin der Hochschule

Erste politische Schritte

Erste politische Erfahrungen sammelte Wanka in der Bürgerrechtsbewegung der DDR. Sie war an der Gründung des „Neuen Forums“ in Merseburg beteiligt. Nach der Wiedervereinigung saß sie von 1990 bis 1994 für das „Neue Forum“ im Kreistag. Dort arbeitete sie, bedingt durch ihren akademischen Beruf, im Bildungsausschuss. Außerdem war Wanka von 1994 bis 1998 Vizepräsidentin der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt und von 1995 bis 1998 stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Wissenschaft und Forschung des Landes Sachsen-Anhalt.

Ministerin in Brandenburg

Auf Anfrage von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) wechselte Johanna Wanka im Oktober 2000 in die brandenburgische Landespolitik und übernahm das Kulturministerium vom zuvor zurückgetretenen Wolfgang Hackel (CDU). Obwohl zu dieser Zeit noch parteilos, stand Wanka der CDU nahe und trat im März 2001 schließlich der Partei bei. 2003 wurde Wanka in den CDU-Landesvorstand gewählt. Infolge der Landtagswahlen 2004 zog sie über die Landesliste erstmals in den brandenburgischen Landtag ein. Auch unter der erneuerten, von Matthias Platzeck geführten großen Koalition blieb Wanka Kultur- und Wissenschaftsministerin. 2005 übernahm sie außerdem für ein Jahr den Vorsitz der Kultusministerkonferenz. In diese Zeit fiel der Kompetenzstreit um die Bildungs- und Hochschulpolitik zwischen Bund und Ländern, in welchem Wanka sich für eine einheitliche Lösung aussprach, insbesondere etwaige Studiengebühren betreffend. Als Ulrich Junghanns 2008 seine Ämter als Wirtschaftsminister und CDU-Landesvorsitzender niederlegte, wurde Wanka neue Landesvorsitzende und übernahm auch den Posten als stellvertretende Ministerpräsidentin.

Wechsel nach Niedersachsen

Nach den Landtagswahlen 2009 hatte Wanka ihren Ministerposten abgeben müssen und war als Landes- und Fraktionsvorsitzende fortan mit der Oppositionsführung im brandenburgischen Landtag beschäftigt. Auf Bitten des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff wechselte Johanna Wanka 2010 von Brandenburg nach Niedersachsen und übernahm dort ebenfalls das Ressort Wissenschaft und Kultur; somit war sie die erste ostdeutsche Ministerin in einem westdeutschen Bundesland. Dort gelang es Wanka, trotz schwieriger finanzieller Situation, ein umfangreiches Investitionsprogramm für die niedersächsischen Hochschulen zu erwirken und die Mittel für ihr Kulturministerium aufzustocken, was ihr Respekt seitens Bevölkerung und lokaler Presse einbrachte.

Wechsel in die Bundespolitik

Kurz nach den Landtagswahlen in Niedersachsen im Januar 2013 wurde Wanka, die ihr Ressort an Gabriele Heinen-Kljajic (SPD) abgeben musste, am 9. Februar von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Nachfolgerin von Annette Schavan und neuen Bundesministerin für Forschung berufen. Die offizielle Ernennung durch Bundespräsident Joachim Gauck fand am 14. Februar, Wankas Vereidigung im Bundestag am 21. Februar statt. In ihrer mit nur sechs Monaten knapp bemessenen ersten Amtszeit als Bundeministerin gelang Johanna Wanka dennoch ein großer Erfolg, indem sie eine Aufstockung des Hochschulpaktes um 4 Mrd. Euro bis 2015 erwirkte; eine Forderung, die sie schon als Mitglied und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz vertreten hatte.

Nach den Bundestagswahlen 2013 und dem Wahlerfolg der CDU wurde Johanna Wanka von Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut als Bundesministerin für Bildung und Forschung in deren Kabinett berufen.

Maximilian Riedel

Lebenslauf

  • 1970 Abitur
  • 1970–1974 Studium der Mathematik an der Universität Leipzig
  • 1974 Diplom-Mathematikerin
  • 1974–1985 Wissenschaftliche Assistentin an der TH Leuna-Merseburg
  • 1980 Promotion
  • 1985–1993 Wissenschaftliche Oberassistentin an der TH Leuna-Merseburg
  • 1989 Gründungsmitglied des „Neuen Forums“ in Merseburg
  • 1990–1994 Mitglied des Kreistages Merseburg für das „Neue Forum“
  • 1993–2000 Professorin für Ingenieurmathematik an der FH Merseburg
  • 1994–2000 Rektorin der FH Merseburg
  • 1994–1998 Vizepräsidentin der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt
  • 1995–1998 stellvertretende Vorsitzende des Beirates für Wissenschaft und Forschung des Landes Sachsen-Anhalt
  • 1998–2000 Mitglied der Ständigen Kommission für Planung und Organisation der Hochschulrektorenkonferenz
  • 1999–2000 Mitglied des Hochschulrats des Landes Brandenburg
  • 2000–2009 Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur
  • 2001 Eintritt in die CDU
  • 2003–2010 Mitglied des Landesvorstands der CDU Brandenburg
  • seit 2003 Kreisvorsitzende der CDU Dahme-Spreewald
  • 2004–2010 MdL Brandenburg
  • 2005 Präsidentin der Kultusministerkonferenz
  • 2008–2010 Vorsitzende der CDU Brandenburg
  • 2009–2010 Vorsitzende der CDU-Fraktion im Brandenburgischen Landtag
  • seit 2010 stellvertretende Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung
  • 2010-2013 Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur
  • 2013-2018 Bundesministerin für Bildung und Forschung