Josef Rösing (Quelle: KAS-ACDP) Josef Rösing (Quelle: KAS-ACDP) © KAS-ACDP

Josef Rösing

Diplom-Volkswirt 31. Januar 1911 Beuel, heute Bonn-Beuel 7. Juni 1983 Bonn
von Michael Hansmann
Mann der ersten Stunde - Vom Parlamentarischen Rat bis zum Aufbau des Archivs für Christlich-Demokratische Politik

Jugend und Studium

Josef Rösing wurde am 31. Januar 1911 in Beuel, heute Bonn-Beuel, geboren. Nach dem Abitur am humanistischen Beethoven-Gymnasium in Bonn nahm Rösing eine Stelle in der Industrie an. Gleichzeitig begann er ein Studium der Nationalökonomie in Köln und Bonn, das er 1939 als Diplom-Volkswirt abschloss. 1935 war er, trotz der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, der katholischen Studentenverbindung KDStV Bavaria Bonn beigetreten.

Kurz nach Abschluss seines Studiums wurde Rösing 1939 zur Wehrmacht einberufen, der er bis Kriegsende angehörte.

Zentrum und Kommunalpolitik

Nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft beteiligte er sich schon kurz nach dem Kriegsende 1945 aktiv am Aufbau des demokratischen Lebens in Deutschland. Zunächst auf kommunaler Ebene in seiner Heimat aktiv, gelangte er bis die Bundespolitik.

Rösing war einer der Gründer des wiederentstandenen Zentrums (Deutsche Zentrumspartei) und vertrat die Partei zunächst als Mitglied im Rat der Gemeinde Beuel. Hier setzte er sich zwischen 1947 und 1949 vehement gegen erneute Versuche Bonns ein, Beuel einzugemeinden. Er vertrat die Überzeugung, dass Beuel als selbständige Gemeinde und Teil des Landkreises Bonn besser von der künftigen provisorischen Bundeshauptstadt Bonn profitieren könne. Damit folgte er quasi seinem Großvater, Heinrich Josef Rösing, der bereits 1898 die finanzielle Beteiligung Beuels an der Bonn-Beueler Brücke mit verhindert hatte. Den Brückenbau hatte Bonn schließlich alleine finanzieren müssen, während Beuel davon wirtschaftlich profitierte.

Im Parlamentarischen Rat, dem er nicht als Mitglied angehörte, wirkte er 1948 und 1949 als Parlamentarischer Geschäftsführer der Zentrums-Gruppe. Diese bestand aus zwei Vertretern und arbeitete an der Entstehung des Grundgesetzes mit. Die Tätigkeit als Parlamentarischer Geschäftsführer übte Rösing für die Zentrumsfraktion auch in der ersten Wahlperiode des Bundestages von 1949 bis 1953 aus. Für kurze Zeit – 1952/1953 – war er darüber hinaus ehrenamtlicher Generalsekretär des Zentrums.

Mitglied des Deutschen Bundestages wurde Rösing am 14. Januar 1954 als Nachrücker für den verstorbenen Franz Böhner. Bereits bei der Bundestagswahl 1953 kandidierte Rösing erfolglos, als Kandidat des Zentrums, durch eine Wahlabsprache auf der Liste der CDU in Nordrhein-Westfalen.

Vom Zentrum zum Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion

Seine Mitgliedschaft als Abgeordneter des Zentrums war nur von kurzer Dauer, da er sich am 25. Juni 1954 zunächst als fraktionsloser Abgeordneter der CDU/CSU-Fraktion mit Gaststatus anschloss. Vollmitglied der CDU/CSU-Fraktion wurde Rösing am 6. Juni 1955, nachdem er auch der CDU beigetreten war. Schon im November 1955 wurde Josef Rösing, neben Will Rasner, zu einem der Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion berufen. Zudem übernahm er die Leitung des Fraktionsbüros und war somit eng in die Arbeit der Fraktionsspitze eingebunden. Sein Organisationstalent, heute würde man von Managementfähigkeiten sprechen, sowie seine Loyalität und Verschwiegenheit machten ihn bald zum fast unverzichtbaren Organisator. Über die Landesliste in Nordrhein-Westfalen zog er 1957 erneut in den Bundestag ein und übernahm die Position des stellvertretenden Parlamentarischen Geschäftsführers. Als Mitglied des Ausschusses für Verkehrswesen lag sein parlamentarischer Schwerpunkt 1955 bis 1957 im Bereich der Verkehrspolitik. In der Fraktion setzte er sich für die steuerliche Begünstigung von Nacht- und Sonntagsarbeit ein, die er als arbeitsmarktpolitisches Instrument ansah. Von 1957 bis 1961 war Rösing ordentliches Mitglied des Ausschusses für Verkehr, Post- und Fernmeldewesen.

Mit der Bundestagswahl 1961 schied Rösing aus dem Bundestag aus, betätigte sich wieder in der Kommunalpolitik und blieb Beuel sowie dem Rheinland eng verbunden. So war er von 1961 bis zur Kommunalreform 1969 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Bonn Land. Mit der Reform 1969 endete auch die Selbständigkeit Beuels, für die er sich lange eingesetzt hatte.

Zwischenzeitlich zog Rösing am 30. Juni 1965 erneut als Nachrücker für den verstorbenen Friedrich Wilhelm Willecke in den Bundestag ein.

Dort wurde er umgehend wieder zum Parlamentarischen Geschäftsführer berufen und führte seine bewährten Tätigkeiten fort.

Das Amt übte er bis zu seinem endgültigen Ausscheiden aus dem Bundestag 1972 aus. Politisch aktiv war Rösing in den Ausschüssen für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung sowie als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr, Post- und Fernmeldewesen.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag blieb er der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag durch die Leitung der Verwaltung der Fraktion bis 1977 verbunden.

Für seine Verdienste um die Wiederaufrichtung der Demokratie in Deutschland wurde er am 15. August 1973 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern ausgezeichnet. Bundestagspräsidentin Annemarie Renger würdigte ihn bei der Überreichung mit Verweis auf den Parlamentarischen Rat und das Grundgesetz, als einen der Männer der ersten Stunde.

Archiv für Christlich-Demokratische Politik

Bereits in seiner Tätigkeit als Verwaltungschef der Fraktion führte er Ende 1974 Gespräche mit der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Akquisition von Akten der Fraktion und von Nachlässen führender CDU-Politiker, für ein zu gründendes Archiv.

Josef Rösing wirkte von 1977 bis zu seinem Tod als Honorarmitarbeiter beim Aufbau des 1976 gegründeten Archivs für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung mit und erwarb sich hierbei weitere Verdienste um die christliche Demokratie in Deutschland.

Durch seine vielfältigen und jahrzehntelangen Kontakte zur CDU/CSU-Fraktion und der CDU konnten zahlreiche Bestände für das neu entstandene Archiv akquiriert werden. Bruno Heck dankte Rösing in einem Nachruf für seine unermüdliche Tatkraft beim Aufbau des Archivs.

Würdigung

Josef Rösing verstarb überraschend, nach kurzer Erkrankung, am 7. Juni 1983 in Bonn, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand. Zahlreiche Weggefährten würdigten Rösing als Politiker der ersten Stunde, als treuen Freund und klugen Ratgeber, priesen seine Liebenswürdigkeit, sein unermüdliches Wirken für die Union und seine Grundsatzfestigkeit. Mit Heinrich Krone, Heinrich von Brentano und Rainer Barzel brachten drei Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion ihm ihr besonderes Vertrauen entgegen.

Er war seit 1943 mit Irmgard Rösing, geborene Heidschmidt, verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Lebenslauf

  • 1935 Mitglied der Studentenverbindung KDStV Bavaria Bonn
  • 1939-1945 Soldat der Wehrmacht, Kriegsgefangenschaft
  • 1945 Mitbegründer der Deutschen Zentrumspartei (DZP)
  • 1948-1949 Geschäftsführer für das Zentrum im Parlamentarischen Rat
  • 1949-1953 Geschäftsführer der Zentrumsfraktion im Deutschen Bundestag
  • 1952-1953 Generalsekretär der Zentrumspartei
  • 14. Januar 1954 bis 1961 Mitglied des Deutschen Bundestags (Nachrücker für Franz Böhner)
  • 1954 Austritt aus dem Zentrum
  • 25. Juni 1954 bis 5. Juni 1955 Gast der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
  • 6. Juni 1955 Beitritt zur CDU und Vollmitglied der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
  • 1955-1961 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
  • 1962-1969 Vorsitzender des CDU Kreisverbandes Bonn-Land
  • 1965 bis 1972 erneut Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst als Nachrücker für Wilhelm Willeke
  • 1965-1972 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
  • 1972 bis 1977 Chef der Verwaltung der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
  • 1977-1983 Honorarmitarbeiter des Archivs für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.
  • 7. Juni 1983, verstorben in Bonn

Veröffentlichungen


Literatur

  • Biographisches Handbuch des Deutschen Bundestages 1949-2002, hrsg. Von Rudolf Vierhaus und Ludolf Herbst

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