Joseph Edmund Jörg

Archivar, Historiker, Publizist 23. Dezember 1819 Immenstadt 18. November 1901 Landshut
von Winfried Becker

Aus dem Studium heraus fand Jörg Anschluss an die hervorragenden Gelehrten des katholischen Görres-Kreises in München. Sein Erstlingswerk über den Bauernkrieg (1851) begriff den Radikalismus als Ausdruck religiösen Umsturzes. In der religiösen Verfassung sah er hinfort, so in seinen Studien über den Protestantismus, über England, die USA und das Zarenreich, ein Strukturmerkmal der Politik und Gesellschaft jedes Staates. Jörg wurde 1848-49 führendes Mitglied des „Vereins für konstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit“ in München. Während der 1850er Jahre setzte er sich für die Bildung eines Österreich, Preußen und Frankreich einschließenden Europas ein, das sich neben Russland und der englisch-amerikanischen Weltmacht der Zukunft behaupten sollte. Führer der bayerisch-patriotischen Volksbewegung und Mitgründer der Bayerischen Patriotenpartei 1869, kämpfte Jörg gegen Liberalismus und Bürokratie für den Erhalt des kirchlichen Einflusses auf Schule und Gesellschaft, für die Selbstbestimmung der ursprünglichen Sozialgebilde und für den Erhalt der politischen Eigenständigkeit Bayerns. Er warnte vor dem Nationalismus und sah im Krieg von 1870-71 den möglichen Auftakt zu weiteren National- und „Race“-Kriegen. Bekenntnishaft-visionär warnte er in seinen „Zeitläufen“ vor dem kulturellen und politischen Auseinanderfall der Völkerfamilie und forderte den sozialen Ausgleich zwischen den gesellschaftlichen Klassen, um den Absturz in die revolutionäre Instabilität und in die dieser gegensteuernde Diktatur aufzuhalten.

Lebenslauf

  • 1838–1843 Studium der Theologie in München
  • 1847 Praktikant
  • 1852 Archivkanzlist am bayerischen Reichsarchiv in München
  • 1858 aus politischen Gründen nach Neuburg/Donau strafversetzt
  • 1866–1901 Vorstand des niederbayerischen Staatsarchivs auf Schloss Trausnitz/Landshut
  • 1852–1901 Herausgeber der „Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland“
  • 1865–1881 Abgeordneter der bayerischen Kammer der Abgeordneten
  • 1868–1869 des Zollparlaments in Berlin
  • 1874–1878 Mitglied des Reichstages (Zentrum).

Veröffentlichungen

  • D. Albrecht (Bearb.): Joseph Edmund Jörg. Briefwechsel 1846–1901 (1988)

Literatur

  • W. Becker, in: ZGiLB 3 (1979)
  • B. Weber: Die „Historisch-politischen Blätter“ als Forum für Kirchen- und Konfessionsfragen (1983)
  • D. Albrecht: Joseph Edmund Jörg, in: Immenstadt im Allgäu (1996)