Julia Klöckner

Journalistin, Landesvorsitzende, stellvertretende Bundesvorsitzende 16. Dezember 1972 Bad Kreuznach
von Kathrin Zehender
Mit gerade einmal 39 Jahren wurde Julia Klöckner im Dezember 2012 stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Die stets gutgelaunte Rheinland-Pfälzerin avancierte mit ihrer forschen Art zum „Liebling der Partei“, verkörpert sie doch gleichzeitig die konservative und die moderne CDU. Dabei hatte sie zunächst eigentlich eine journalistische Laufbahn eingeschlagen.

„Mein Fundament ist die christliche Soziallehre“

Kindheit, Studium und erste Berufserfahrungen

Geboren in Bad Kreuznach, wuchs Julia Klöckner mit ihrem älteren Bruder Stephan auf dem Weingut der Eltern Aloys und Doris Klöckner in Guldental auf. Das Elternhaus war christlich, aber nicht parteipolitisch geprägt, wenngleich aufgrund der elterlichen Landwirtschaft durchaus eine Nähe zur CDU bestand.

Nach dem Abitur, das sie 1992 am Gymnasium an der Stadtmauer in Bad Kreuznach ablegte, studierte Klöckner bis 1998 katholische Theologie, Politikwissenschaft und Pädagogik. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch ihr politisches Interesse. „Die PDS hat mich in die Arme der CDU getrieben“, antwortete Julia Klöckner einmal auf die Frage, warum sie gerade der CDU beigetreten sei. Im Rahmen eines Seminars bei dem Mainzer Parteienforscher Professor Jürgen Falter wurde die Aufgabe gestellt, die Grundsatzprogramme der Parteien miteinander zu vergleichen und das Menschen- und Gesellschaftsbild herauszuarbeiten – Klöckner sollte PDS und CDU miteinander vergleichen. „Die Gesellschaft wächst von unten nach oben. Erst, wenn der Mensch die Freiheit hat, sich zu dem zu entwickeln, wozu er angelegt ist, dann kann eine Gesellschaft ein Bund werden, dann herrscht nicht der eine über den anderen. Bei der PDS war es umgekehrt: ‚Oben‘ wird definiert und die Hecke nach unten geschnitten“, so Klöckner. Im Gegensatz dazu wurden das christliche Menschenbild, Solidarität und Subsidiarität Wurzeln ihres politischen Handelns. 1997 trat sie in die CDU, die Junge Union und die Frauen Union ein.

Eine politische Karriere strebte Klöckner zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht an. Nach ihrer Zwischenprüfung unterrichtete sie zunächst mit einer Sonderregelung katholische Religion an der Pestalozzi-Realschule in Wiesbaden-Biebrich. Nach dem Studium, das sie 1998 mit Staatsexamen und Magister Artium abschloss, schlug sie eine journalistische Laufbahn ein: Klöckner absolvierte ein zweijähriges journalistisches Volontariat beim Meininger-Verlag in Neustadt, daneben war sie bis 2002 freie Mitarbeiterin beim SWR-Fernsehen Mainz. Nach Abschluss ihrer journalistischen Ausbildung wurde sie als Redakteurin der im Meininger Verlag erscheinenden Zeitschrift „weinwelt“ übernommen. Von 2001 an entwickelte sie die Zeitschrift „Sommelier-Magazin“, deren Chefredakteurin sie bis 2009 blieb.

Eintritt in die Politik

Gerade diese beruflichen Erfahrungen, fernab vom Politik-Betrieb, sind für Klöckner heute wichtige Basis ihrer politischen Tätigkeit. „Ich finde es gut, wenn jemand, bevor er in die Politik geht, mal etwas anderes gesehen und gemacht hat“, so Klöckner. Dass dann sehr überraschend und schnell Politik zu ihrem Beruf wurde, hatte sie zunächst der Initiative des ehemaligen Vorsitzenden des CDU-Kreisverbands Bad Kreuznach, Michael Prinz zu Salm-Salm, zu verdanken. Klöckner, seit 2001 Mitglied im CDU-Kreisvorstand, erhielt den sicheren und für das CDU-Frauenquorum reservierten Listenplatz 6 auf der Wahlliste der CDU Rheinland-Pfalz. Im Alter von 29 Jahren wurde sie somit erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt. Dass sie damit zunächst als „Quotenfrau“ galt, war für Klöckner ohne Bedeutung. „Quoten helfen, dass ein Stück Selbstverständlichkeit einkehren kann“, erklärte sie. Ein großer Erfolg war dann ihr Abschneiden bei den folgenden Bundestagswahlen 2005 und 2009. Mit 44 Prozent gewann sie den Wahlkreis Bad Kreuznach erstmals seit 52 Jahren wieder für die CDU, 2009 konnte sie dieses Ergebnis auf 47 Prozent steigern.

Im Bundestag wurde die Rheinland-Pfälzerin sogleich zur stellvertretenden Sprecherin der Jungen Gruppe gewählt. Als Mitglied des Ausschusses für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, dem sie seit 2002 angehörte, avancierte Klöckner schnell zur Expertin auf diesem Gebiet. Dabei profitierte die Winzertochter, die nach der Bundestagswahl 2005 zur Beauftragten für Verbraucherschutz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und 2009 schließlich zur Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ernannt wurde, nicht zuletzt von ihrer Herkunft: „Ich weiß, was es als Landwirt heißt, wenn man von der Witterung abhängig ist, im Frühjahr plötzlich eine Frostnacht kommt und alles hinfällig ist. Gerade als Agrar-Staatssekretärin musste ich den Landwirten nicht viel erklären. Ich hatte sozusagen einen Bonus.“ Von 2006 bis 2011 gehörte Klöckner zudem dem Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion an.

Neben Landwirtschaft und Verbraucherschutz widmete sich Klöckner insbesondere ethischen Themen. 2003 wurde sie Mitglied der Enquete-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ und arbeitete hier in den Themengruppen „Ethik in der biowissenschaftlichen und medizinischen Forschung“ sowie „Transplantationsmedizin“. Dabei engagierte sie sich insbesondere gegen eine Lockerung des relativ restriktiven Stammzellgesetzes von 2002. Dass sich beim Bundesparteitag der CDU im November 2006 schließlich eine geringe Mehrheit für eine Liberalisierung dieser Regelung aussprach, war für Klöckner eine große Enttäuschung.

Aufstieg in der CDU

Mit ihrem erstmaligen Einzug in den Bundestag 2002 begann für Julia Klöckner auch ihre parteipolitische Karriere. In der rheinland-pfälzischen CDU stieg sie nach der Bundestagswahl 2002 in den Landesvorstand auf, ein Jahr später wurde sie Mitglied des Bundesvorstands der Frauen-Union. 2006 wurde Klöckner zur stellvertretenden Vorsitzenden der CDU Rheinland-Pfalz gewählt, vier Jahre später, im September 2010, zur Landesvorsitzenden der CDU Rheinland-Pfalz. Mit dem besten Ergebnis –¬ 94,4 Prozent sprachen sich für die Rheinland-Pfälzerin aus – wählten die Parteimitglieder Klöckner nur zwei Monate später auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe ins CDU-Präsidium. Mit ihren knapp 38 Jahren war sie jüngstes Mitglied.

Der rasante politische Aufstieg Klöckners wurde dabei stets von Bundeskanzlerin Angela Merkel gefördert, sie zählt bis heute zu Merkels Vertrauten. 2012, 2014 und zuletzt im Dezember 2016 wählte die Partei Klöckner zur stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden – jedes Mal mit dem besten Ergebnis.

Landespolitik in Rheinland-Pfalz

Auch für ihren Landesverband sollte sich Julia Klöckner als Glücksfall erweisen. Seit 1991 in der Opposition, wurde sie rasch zur Hoffnungsträgerin der seit zwei Jahrzehnten zerstrittenen rheinland-pfälzischen CDU. Nachdem die CDU mit ihrem Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Christoph Böhr bei den Landtagswahlen 2001 und 2006 ihre bis dahin schlechtesten Ergebnisse erzielt hatte, trat Böhr zurück. In den Ämtern des Partei- und Fraktionsvorsitzenden folgte ihm Christian Baldauf nach. Für die Landtagswahl 2011 schlug Baldauf, der damit auf eine eigene Kandidatur verzichtete, dann Julia Klöckner als Spitzenkandidatin vor.

Mit ihrer Zusage, gegen den seit 15 Jahren regierenden Kurt Beck anzutreten, löste Klöckner eine bis dato nicht gesehene Euphorie in der Landespartei aus. Damit war die Grundlage gelegt, die zerstrittene CDU zu einen. Hoch angerechnet wurde ihr zudem, dass sie im Februar 2011 ihr sicheres Amt als Parlamentarische Staatssekretärin aufgab, um sich ganz auf Rheinland-Pfalz zu konzentrieren.

Julia Klöckner etablierte einen neuen Politikstil, profitierte im Umgang mit den Medien von den Erfahrungen, die sie 1995/96 als Deutsche Weinkönigin sowie bei ihrer Tätigkeit als Journalistin hatte sammeln können, verstand es, „mit de Leut zu schwätze“. Im Landtagswahlkampf präsentierte sie sich als Gegenmodell zu Kurt Beck und warb für eine „Politik ohne Bart“, für „Zukunft statt Vergangenheit“.

Bei der Landtagswahl am 27. März 2011 gewann die CDU 2,4 Prozent hinzu und erreichte damit 35,2 Prozent. Die SPD, bei der Wahl um fast 10 Prozent auf 35,7 Prozent abgesackt, bildete fortan unter der Führung von Kurt Beck eine Koalition mit den Grünen. Den Einzug in die Staatskanzlei verpasste Klöckner somit nur knapp. Ihr vor der Wahl gegebenes Versprechen machte sie indes wahr und blieb in Rheinland-Pfalz. Als Oppositionsführerin gelang es ihr in den folgenden Jahren, die CDU-Fraktion stärker und schlagkräftiger zu machen. Kurt Beck stand unterdessen nach der Landtagswahl aufgrund der Nürburgring-Affäre massiv unter Druck. Wenige Wochen nach dem von der CDU-Fraktion eingebrachten Misstrauensantrag kündigte Beck Ende September 2012 seinen Rücktritt an.

Dass Klöckner auch bei der Landtagswahl 2016 als Spitzenkandidatin – nun gegen Malu Dreyer ¬– antreten sollte, war unumstritten. Trotz engagiertem Wahlkampf verpasste Julia Klöckner bei der Landtagswahl am 13. März 2016 erneut den Einzug in die Mainzer Staatskanzlei. Dreyer ging eine Koalition mit Grünen und FDP ein und wurde im Mai 2016 erneut zur Ministerpräsidentin gewählt.

Von der Niederlage schmerzlich getroffen, erwog Klöckner ihren Rückzug aus der Politik, entschied sich dann aber dafür, erneut die Rolle der Oppositionsführerin anzunehmen.

Schon im Juli sah es so aus, als könne der Wechsel in Mainz doch noch gelingen: Dreyer geriet in Zusammenhang mit dem Verkauf des Flughafens Hahn massiv unter Druck. Die Ministerpräsidentin war auf dubiose Investoren aus China hereingefallen – der Verkauf platzte. Den daraufhin von der CDU gestellten Misstrauensantrag entschied Dreyer nur knapp für sich.

Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Nach der Bundestagswahl am 24. September 2017 war Klöckner eng in die Koalitionsverhandlungen mit Grünen und FDP eingebunden. „Jamaika wird kommen“, hatte sie bis zuletzt gehofft. Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Grünen und FDP setzte sie auf die Vernunft der Sozialdemokraten, die eine erneute Auflage der Großen Koalition zunächst abgelehnt hatten. Im Januar und Februar 2018 saß sie wieder mit am Verhandlungstisch, um mit der SPD über eine neue Koalition zu verhandeln. Auf dem Bundesparteitag der CDU warb sie für das Bündnis.

Anfang März 2018 war der Weg zur Regierungsbildung frei. In der neuen Bundesregierung übernahm Klöckner auf Wunsch von Angela Merkel die Leitung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, wo sie 2009 bereits Parlamentarische Staatssekretärin gewesen war. Auf die neue Aufgabe freute sich Klöckner sehr – auch wenn ihr der Abschied aus Rheinland-Pfalz nicht leicht fiel. Mit ihrer Heimat will sie auch weiter eng verbunden bleiben. „Mein Lebensmittelpunkt ist im Kreis Bad Kreuznach, ich bin Kreuznacher Bürgerin, sitze im Kreistag und bleibe CDU-Landesvorsitzende – ich werde weiterhin regelmäßig hier sein“, erklärte die Bundesministerin nach ihrer Vereidigung am 14. März 2018.


Lebenslauf

  • 16. Dezember 1972 geboren in Bad Kreuznach
  • 1992 Abitur
  • 1992-1998 Studium der katholischen Theologie, Politikwissenschaft und Pädagogik, Abschluss: Staatsexamen und Magister Artium
  • 1994-1998 Religionslehrerin
  • 1997 Eintritt in die Junge Union, Frauen Union und CDU
  • 1998-2000 journalistisches Volontariat beim Meininger Verlag/Neustadt
  • 1998-2002 freie Mitarbeiterin beim SWR-Fernsehen Mainz
  • 2000-2002 Redakteurin der Zeitschrift „weinwelt“
  • 2001-2009 Entwicklung der Zeitschrift „Sommelier-Magazin“, Chefredakteurin
  • 2002-2011 Mitglied des Deutschen Bundestages
  • 2009-2011 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
  • seit 2010 Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz
  • seit 2010 Mitglied des Präsidiums der CDU
  • seit 2011 Mitglied und Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag von Rheinland-Pfalz
  • seit 2012 stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU
  • seit 2018 Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Veröffentlichungen

Julia Klöckner: Zukunft statt Vergangenheit, in: Beate Neuss/ Hildigund Neubert (Hg.): Mut zur Verantwortung. Frauen gestalten die Politik der CDU. Köln/Weimar/Wien 2013, S. 681–692.

Dies.: Zutrauen! Ideen statt Ideologien – Was mir in der Politik wichtig ist. Freiburg im Breisgau 2015.

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