Karl Scharnagl

Bäckermeister, Oberbürgermeister Dr. h. c. 17. Januar 1881 München 6. April 1963 München

Sein politisches Engagement begann Scharnagl um die Jahrhundertwende im Katholischen Gesellenverein und im Volksverein für das katholische Deutschland. 1933 erklärte er seinen Rücktritt als Münchner Stadtoberhaupt. Er wurde politisch verfolgt und 1944 im KZ Dachau interniert. Im Mai 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht als Oberbürgermeister wieder eingesetzt, übte er dieses Amt (1946 gewählt) bis 1948 aus; 1948-49 war er 2. Bürgermeister. Er begann mit dem Wiederaufbau der städtischen Verwaltung und war auch an der Reaktivierung der bayerischen Landesbehörden beteiligt. Als höchster deutscher Repräsentant in Bayern moderierte er die Bildung der ersten Landesregierung. 1945 organisierte er als einer der maßgeblichen Mitgründer der Münchner CSU die ersten Treffen im Rathaus. Nach der offiziellen Gründung am 12. Oktober 1945 zog er sich aus der Parteiarbeit zurück und wandte sich den brennenden Problemen der Stadt zu. Ministerpräsident Fritz Schäffer holte ihn in den Ministerrat seiner Regierung, wo er weit über seinen Bürgermeisteramtsbereich hinaus die Interessen seiner Stadt und der Kommunen vertrat. 1949 schied er seines Alters wegen aus der Politik aus, engagierte sich jedoch weiterhin in Vereinen und Organisationen.

Renate Höpfinger

Lebenslauf

  • Höhere Handelsschule, Bäcker- und Konditorlehre
  • 1905 Übernahme des elterlichen Geschäfts
  • 1911–1918 MdL Bayern (Zentrum)
  • 1920–1924 u. 1928–1932 MdL Bayern (BVP)
  • seit 1919 im Stadtrat München (bis 1925 Fraktionsvorsitzender)
  • seit 1920 Mitglied des BVP-Landesvorstands
  • 1925–1933 Oberbürgermeister von München
  • 1946 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung
  • 1947–1949 Mitglied des Bayerischen Senats

Veröffentlichungen

  • Politische Begebenheiten meines Lebens, die nicht in den Akten stehen. (1962)

Literatur

  • W. Hosbach: Der Wiederaufbau der kommunalen Selbstverwaltung in München unter amerikanischer Besatzungsmacht (1996)
  • Ders.: Aufbau der CSU in München – Das erfolgreiche Zusammenwirken von Karl Scharnagl und Josef Müller, in: Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.): Josef Müller. Der erste Vorsitzende der CSU (1998)
  • E. Angermair: Karl Scharnagl (1881–1963). Oberbürgermeister von München, in: G. Buchstab/B. Kaff/H.-O. Kleinmann (Hg.): Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union (2004), S. 430-437
  • M. Stephan: Karl Scharnagl 1926–1933 und 1945–1948, in: F. H. Hettler (Hg.): Die Münchener Oberbürgermeister (2008), S. 103-116

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