Ursula von der Leyen (geb. Albrecht)

Ärztin, Landesministerin, Bundesministerin Dr. med. 8. Oktober 1958 Ixelles/Elsene, Belgien
von Christine Bach

Herkunft und Ausbildung

Als drittes von sieben Kindern kommt Ursula Albrecht, so ihr Geburtsname, am 8. Oktober 1958 in Brüssel zur Welt. Ihre Mutter, Heidi Adele Albrecht (geb. Strohmeyer), eine promovierte Germanistin, widmet sich seit der Geburt des ersten Kindes ganz der Familie. Ihr Vater, der Volkswirt Ernst Albrecht, macht Karriere innerhalb des Beamtenapparats der Europäischen Gemeinschaften.Von 1964 bis 1971 besucht Ursula Albrecht die Europäische Schule in Brüssel, an der sie mehrere Fremdsprachen erlernt. Nachdem Ernst Albrecht bei den niedersächsischen Landtagswahlen im Jahr 1970 für die CDU ein Mandat gewinnt, zieht die Familie von Brüssel nach Ilten bei Hannover um. Sechs Jahre später wird Ernst Albrecht überraschend Ministerpräsident in Niedersachsen, ein Amt, das er bis 1990 innehat. Von nun an erfährt auch die Familie wachsende mediale Aufmerksamkeit. Ursula Albrecht wird deshalb früh an öffentliche Auftritte gewöhnt.

Fleiß und das Streben nach Bildung sind wichtige Erziehungsziele im Hause Albrecht. Einen Unterschied zwischen dem Mädchen Ursula und ihren Brüdern machen die Eltern in dieser Hinsicht nicht. Prägend für die spätere Politikerin ist außerdem, dass ihr Vater seinen Kindern ein positives Verständnis von Politik vermittelt. Stets habe sie, so berichtet sie im Rückblick, bei ihm „diese Leidenschaft gespürt, etwas zu gestalten, zu verändern und zu verbessern im Land“ (von Welser 2007).

Ihr Abitur am mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium in Lehrte besteht sie mit der Note „sehr gut“. Anschließend studiert sie Volkswirtschaftslehre in Göttingen, Münster und London. Aus dem Wunsch heraus, „mehr mit Menschen“ zu tun haben zu wollen, wechselt sie nach drei Jahren das Studienfach und beginnt ein Studium der Medizin in Hannover. 1987 legt sie in diesem Fach das Staatsexamen ab, die Approbation als Ärztin folgt.

Ärztin und Mutter

Seit 1986 ist die junge Ärztin mit Heiko von der Leyen, ebenfalls Mediziner, verheiratet. Zwischen 1987 und 1999 bekommt das Paar sieben Kinder. Ursula von der Leyen arbeitet in dieser Zeit zunächst als Assistenzärztin (1988-1992), 1991 wird sie zum Dr. med. promoviert. Zwischen 1992 und 1996 lebt sie mit ihrer Familie in Stanford/ Kalifornien. Von der Leyen nutzt diese Zeit, um sich als Gasthörerin an der Stanford University weiterzubilden. Für die Stanford Health Services Hospital Administration führt sie eine Marktanalyse durch. Nach der Rückkehr der Familie nach Deutschland nimmt sie 1997 ein Aufbaustudium auf, das sie 2001 mit dem „Master of Public Health“ abschließt. Anschließend ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Hochschule Hannover in der Abteilung für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitsmedizinforschung tätig.

Von der Kommunal- in die Landespolitik

Als „Seiteneinsteigerin“ wechselt Ursula von der Leyen vergleichsweise spät, im Alter von 43 Jahren, von der Medizin in die Politik. CDU-Mitglied ist sie seit 1990. Auslöser für ihren Parteibeitritt ist die Niederlage ihres Vaters gegen Gerhard Schröder im niedersächsischen Landtagswahlkampf. Nachdem sie mit ihrer Familie aus den USA nach Deutschland zurück gekehrt ist, widmet sie sich zunächst im Ehrenamt Themen, für die sie später als Berufspolitikerin Verantwortung übernehmen wird: So ist sie von 1996-1997 Mitglied im Landesfachausschuss Sozialpolitik der CDU Niedersachsens, 1999 gehört sie dem Arbeitskreis Ärzte des Landesverbands an. Bei den niedersächsischen Kommunalwahlen im Jahr 2001 wird sie als Ratsfrau in den Stadtrat Sehnde gewählt. Sie übernimmt den Vorsitz der CDU-Fraktion und wird zur stellvertretenden Bürgermeisterin ernannt. Der Regionalversammlung Hannover gehört sie von 2001 bis 2004 an.

Sehr schnell gelingt der politischen Aufsteigerin der Sprung von der Kommunal- in die Landespolitik. Vor der niedersächsischen Landtagswahl im Frühjahr 2003 zählt von der Leyen bereits als potenzielle Ministerin zum „Zukunftsteam“ des CDU-Landesvorsitzenden und Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten Christian Wulff. Die CDU Niedersachsens befindet sich zu diesem Zeitpunkt seit 13 Jahren in der Opposition. Im Wahlkampf wirbt die Politikerin für Themen, die sie selbst in hohem Maß betreffen: die Vereinbarkeit von Beruf und Kind und bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Bei der Landtagswahl am 2. Februar gewinnt sie für die CDU mit 44,2 % der Zweitstimmen den Wahlkreis Lehrte, den früher auch ihr Vater vertreten hatte. Auf Landesebene erreicht die CDU mit 48,3 % der Zweitstimmen einen überragenden Wahlerfolg. Am ersten Tag der neuen Legislaturperiode, am 4. März 2003, wird Ursula von der Leyen als Landesministerin für Soziales, Frauen und Gesundheit vereidigt.

Von der Leyens Handlungsspielraum als Landesministerin ist eng, denn ein strikter Sparkurs bestimmt die Politik der Landesregierung unter Christian Wulff. Die „Generalüberholung“, die der neue Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung angekündigt hat, betrifft auch den Haushalt des Sozialministeriums. Zu heftigen Protesten von Betroffenen und Sozialverbänden kommt es, als die Landesregierung zum 1. Januar 2005 das einkommensunabhängige Blindengeld streicht. Von der Leyen rechtfertigt diese Maßnahme mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Sparmaßnahmen. Durch Einzelkürzungen wolle die Regierung das Soziale Netz insgesamt retten. Dem Zweck der Haushaltskonsolidierung dient auch die Privatisierung der Landeskrankenhäuser, die das Sozialministerium in ihrer Amtszeit einleitet. Eigene familienpolitische Akzente setzt sie mit einem Programm zur Förderung von Mehrgenerationenhäusern, das sie 2003 auf den Weg bringt.

Bundespolitischer Aufstieg

Ursula von der Leyen zählt zu einer neuen Generation von Politikern und Politikerinnen, die angesichts der Herausforderungen durch den demografischen Wandel eine Neuvermessung sozialpolitischer Konzepte vornehmen. Im Zuge der programmatischen Erneuerung der CDU ist sie in den Jahren 2003 und 2004 an der Ausarbeitung verschiedener Entwürfe zur Reform der sozialen Sicherungssysteme beteiligt. Im Februar 2004 wird sie stellvertretende Vorsitzende des „Bundesfachausschuss Gesellschafts- und Sozialpolitik der CDU Deutschlands“. Die Schwesterparteien CDU und CSU streiten in diesem Jahr um einen möglichen Systemwechsel im Gesundheitswesen. Von der Leyen gehört zu den Befürwortern einer Abkoppelung der Gesundheits- von den Lohnkosten. An der Seite der Parteivorsitzenden Angela Merkel wirbt sie für das Konzept einer einheitlichen Gesundheitsprämie mit steuerfinanziertem Sozialausgleich, das die CDU auf dem Leipziger Parteitag (17. Parteitag der CDU vom 01.-02.12.2003 in Leipzig „Deutschland kann mehr“) beschlossen hat.

Das wachsende Medieninteresse an ihr als Ministerin und Mutter von sieben Kindern nutzt sie, um in Interviews und Artikeln auf zentrale Probleme der Familien- und Sozialpolitik, wie die niedrige Geburtenrate und die Schwierigkeit für Frauen, Kinderwunsch und Karriere zu vereinbaren, aufmerksam zu machen. Die CDU solle, so die Forderung von der Leyens im Interview mit dem „Spiegel“ im November 2004, ihre Kompetenz bei der Sozialpolitik wieder stärker herausstellen. In den Mittelpunkt ihrer politischen Arbeit stellt sie stets die Familie: „Nur wenn es Kinder gibt, bleiben die Sozialsysteme bezahlbar und wird es Wirtschaftsdynamik geben.“ Als der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Hermann-Josef Arentz, bei der Wahl zum CDU-Präsidium am 8. Dezember 2004 durchfällt, schlägt er von der Leyen als neue Kandidatin vor. Mit 94,1%, dem besten Ergebnis aller Kandidaten, wird sie ins Präsidium gewählt und gehört von nun an zur Parteispitze.

Im Frühjahr 2005 wird Ursula von der Leyen mit der Leitung der neu eingesetzten CDU-Kommission „Eltern-Kinder-Beruf“ beauftragt. Hauptthema der Kommission ist die Frage der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf und die Verankerung dieses Themas im CDU-Programm. Nachdem es aufgrund der vorzeitigen Auflösung des 15. Deutschen Bundestags im September zu Neuwahlen kommt, beruft Kanzlerkandidatin Angela Merkel Ursula von der Leyen als Expertin für Familien- und Gesundheitspolitik in ihr Kompetenzteam.

Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend .

Da bei der Bundestagswahl am 18. September 2005 weder schwarz-gelb noch rot-grün eine eindeutige Mehrheit der Wählerstimmen erhalten, kommt es zu Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/ CSU und SPD. Für die CDU leitet Ursula von der Leyen die Arbeitsgruppe, die die familienpolitischen Ziele der neu zu bildenden Regierung abstecken soll. Am 22. November 2005 wird das neue Kabinett unter Angela Merkel vereidigt, ihm gehört Ursula von der Leyen als Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an.

Ihr Amt als Bundesministerin füllt sie mit großer Energie und Zielstrebigkeit aus. „Mehr Kinder in den Familien“ und „mehr Familie in der Gesellschaft“ lautet das Motto, unter das sie ihre Tätigkeit stellt. Zentrale Projekte des Familienministeriums in dieser Amtszeit sind die Einführung eines einkommensabhängigen Elterngeldes zum 1. Januar 2007, das Kinderförderungsgesetz zum Ausbau der Kinderbetreuung vom 16. Dezember 2008 und das Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser, mit dem von der Leyen an ihre Tätigkeit als niedersächsische Sozialministerin anknüpft. Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb der Union sorgt der Kurs der neuen Familienministerin für kontroverse Diskussionen. Hoch umstritten sind vor allem die so genannten „Vätermonate“, also zwei zusätzliche Monate, in denen Familien mit kleinen Kindern über die Regelzeit von 12 Monaten hinaus Elterngeld beziehen können, sofern beide Elternteile den Nachwuchs mindestens zwei Monate lang zu Hause betreuen. Parteiinterne Kritiker sehen in dieser Maßnahme einen unzulässigen Eingriff des Staates in private Belange. Von der Leyen betont dagegen den „Angebotscharakter“ der Förderung. Angesichts der niedrigen Geburtenrate und der Folgekosten des demografischen Wandels sei es ein Gebot der Familienpolitik auch Männern, die sich der Erziehung ihrer Kinder widmen, „den Rücken zu stärken“. Auch das Kinderförderungsgesetz, das Bund, Länder und Kommunen zur Schaffung von Betreuungsmöglichkeit für 35 % der Kinder unter 3 Jahren bis zum Jahr 2013 verpflichtet, provoziert Kritik von konservativer Seite. Nachdem der Augsburger Bischof Walter Mixa Ursula von der Leyen eine einseitige Fixierung auf die Doppelverdiener-Ehe und die Degradierung von Frauen zu „Gebärmaschinen“ vorwirft, springen ihr führende CDU-Politiker, wie Kanzlerin Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert, zur Seite. Zustimmung wie Ablehnung zeugen letztlich davon, dass es Ursula von der Leyen gelungen ist, dass Thema Familienpolitik ins Zentrum der öffentlichen Debatte zu rücken. Dass sie Auseinandersetzungen in- und außerhalb der Partei nicht aus dem Weg geht, sondern mit dem Anspruch auftritt, selbst Themen zu setzen, zu Diskussionen anzuregen und somit die Weiterentwicklung christlich-demokratischer Politik mit zu gestalten, ist grundlegend für ihren politischen Erfolg.

Bundesministerin für Arbeit und Soziales

Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 bewirbt sich von der Leyen erstmals um ein Mandat und zieht über die Landesliste als Abgeordnete der CDU Niedersachsens in den Deutschen Bundestag ein. Nach der Bildung der Koalition zwischen CDU/ CSU und FDP wird sie am 28. Oktober 2009 erneut als Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend vereidigt. Ihre zweite Amtszeit als Bundesfamilienministerin ist jedoch nur kurz. Nach dem Rücktritt von Franz-Josef Jung als Bundesminister für Arbeit und Soziales kommt es zu einer Kabinettsumbildung. Am 30. November 2009 wechselt Ursula von der Leyen an die Spitze des Bundesarbeitsministeriums und übernimmt damit eines der Schlüsselressorts der Regierung. Auch als Bundesarbeitsministerin setzt sich von der Leyen für die Belange von Familien („Bildungspaket“ als Bestandteil der Hartz IV-Reform vom 25. Februar 2011) und berufstätigen Frauen (Forderung nach einer „Frauenquote“ in den Vorständen DAX-notierter Unternehmen) ein. Weitere Schlüsselthemen ihres Ressorts sind die Bekämpfung der Armut älterer Menschen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Mit Blick auf das Problem des Lohndumpings in einzelnen Wirtschaftsbranchen fordert sie einen von Gewerkschaften und Arbeitgebern paritätisch ausgehandelten „marktwirtschaftlichen Mindestlohn“. Beim 23. Parteitag der CDU in Karlsruhe wird sie am 15. November 2010 zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Erste Frau an der Spitze des Bundesverteidigungsministeriums

Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 wird von der Leyen erneut über die Landesliste der CDU Niedersachsens in den Deutschen Bundestag gewählt. CDU und CSU erhalten bei der Wahl 41,5 Prozent der Wählerstimmen und bilden damit die größte Fraktion. Nach dreimonatigen Koalitionsverhandlungen fällt die Entscheidung zur Bildung einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Durch die Regierungsneubildung sieht sich von der Leyen mit einer neuen Herausforderung konfrontiert: Am 17. Dezember 2013 wird sie in der Nachfolger Thomas de Maizières zur Bundesverteidigungsministerin ernannt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt und wird deshalb besonders kritisch beobachtet. Nach ihrer Vereidigung bekennt sie, sie sei "bereit zu lernen" und habe einen "Mordsrespekt" vor der neuen Aufgabe.

Dass sie eine Frau ist und selbst keine militärischen Erfahrungen vorzuweisen hat, wird in den ersten Monaten ihrer Amtszeit noch häufig thematisiert, doch mit der Zeit gewöhnt sich die deutsche Öffentlichkeit an das Bild einer Frau als oberste Dienstherrin der Bundeswehr.

Wegen der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Januar 2011 und des Umbaus der Bundeswehr zu einer Freiwilligenarmee zählt die Rekrutierung von geeignetem Personal zu den drängendsten Problemen der Truppe. Von der Leyen verkündet deshalb bereits kurz nach ihrer Vereidigung, sie wolle die Bundeswehr „zu einem der attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands“ machen. Sie kann dabei auf ihre Erfahrungen als Familienministerin zurückgreifen und setzt auf den Ausbau der Kinderbetreuung und verstärkte Teilzeitmöglichkeiten. Im Mai 2014 eröffnet sie auf dem Gelände der Bundeswehr-Universität in München die erste Kinderkrippe der Streitkräfte. Einen weiteren starken Akzent setzt sie nur kurz nach ihrem Dienstantritt, als sie sich bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Januar 2014 für ein stärkeres außen- und sicherheitspolitisches Engagement der Bundesrepublik ausspricht: „Gleichgültigkeit ist für ein Land wie Deutschland keine Option, weder aus sicherheitspolitischer noch aus humanitärer Sicht.“

Das Dauerthema ihrer Amtszeit ist jedoch die Modernisierung des Beschaffungswesens. Um das Rüstungs- und Beschaffungswesen des BMVg neu aufzustellen, engagiert sie im Sommer 2014 die McKinsey-Direktorin Karin Suder als beamtete Staatssekretärin – ein Schritt, der ein Novum in der Geschichte des Verteidigungsressorts darstellt. Im Januar 2016 kann von der Leyen ein „Trendwende“ verkünden: Erstmals seit 1990 stellt das Verteidigungsministerium wieder mehr Personal ein, statt zu sparen. Für die Periode 2014 bis 2018 genehmigt der Bundestag Rüstungsprojekte in Höhe von rund 32 Milliarden Euro, in der vorherigen Legislaturperiode waren es dagegen nur sechs Milliarden. Dieser Bedeutungszuwachs der Verteidigungspolitik resultiert jedoch nicht allein aus dem Wirken von der Leyens, sondern ist eine Folge neuer Bedrohungen, die sich aus dem islamistischen Terrorismus, dem Staatszerfall im Nahen Osten, der aggressiven russischen Politik und der Flüchtlingskrise ergeben. Auch das neue Weißbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr, das die Ministerin am 13. Juli 2013 der Öffentlichkeit vorstellt, ist als Antwort auf die veränderte sicherheitspolitische Situation anzusehen. Es enthält das Bekenntnis global „Verantwortung zu leben, Führung zu übernehmen“.

Zu einer der größten Herausforderungen von der Leyens in Ihrer ersten Amtszeit an der Spitze des Verteidigungsministeriums wird der Fall eines Oberstleutnants, der wegen einer Doppelidentität als angeblicher syrischer Flüchtling und aufgrund des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat im April 2017 verhaftet wird. Nach dem Fund von Wehrmachtsdevotionalien in der Kaserne des Beschuldigten ordnet von der Leyen eine Durchsuchung aller Bundeswehrkasernen an und äußert im Fernsehen, die Bundeswehr habe ein „Haltungsproblem“ , sie leide unter einem „falsch verstandenen Korpsgeist“ und „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen". Diese Vorwürfe tragen ihr große Kritik ein, vor allem, da sie nach drei Jahren im Amt der Verteidigungsministerin selbst für die von ihr beklagten Probleme haftbar gemacht wird.

Als Folge des Skandals initiiert von der Leyen eine Überarbeitung des seit 1982 geltenden Traditionserlasses der Bundeswehr. Den reformierten Erlass unterzeichnet sie im März 2018. Er gibt vor, dass die Soldaten sich zukünftig bei der Suche nach Traditionen hauptsächlich an der mittlerweile mehr als 60 Jahre andauernden Geschichte der Bundeswehr orientieren sollen.

Zweite Amtszeit als Bundesverteidigungsministerin

Bei der Bundestagswahl im September 2017 tritt von der Leyen als Spitzenkandidatin der CDU in Niedersachen an und zieht über die Landesliste erneut in das Parlament ein. Nach der schwierigen Phase der Regierungsbildung kommt es abermals zur Bildung einer Großen Koalition und von der Leyen wird am 14. März 2018 zum zweiten Mal als Bundesministerin der Verteidigung vereidigt. Dass die Wahl erneut auf sie fällt, wird als Vertrauensbeweis der Kanzlerin gewertet: Nur ihr traue man die Härte zu, schreibt der Tagesspiegel am 10. März 2018, das schwierige Haus zu führen. Auch darin, dass von der Leyen die einzige Ministerin ist, die während der gesamten Amtszeit Merkels ununterbrochen zum Kabinett zählt, zeigt sich ihre Ausnahmestellung.

Doch das Amt der Verteidigungsministerin verlangt von der Leyen in der Tat sehr viel mehr ab, als alle anderen politischen Aufgaben, für die sie bislang verantwortlich war. Kontinuierliche Klagen über Ausrüstungsmängel der Streitkräfte und die Organisation des Beschaffungswesens beschäftigen sie auch in den ersten Monaten ihrer zweiten Amtszeit als Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte. Wie stets in ihrer Karriere begegnet sie diesen mit den Eigenschaften, die sie auszeichnen: Standhaftigkeit und dem Willen, ihre Ziele beharrlich weiterzuverfolgen.

Lebenslauf

8. Oktober 1958geboren in Brüssel
1976 Abitur am Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium/Lehrte
1977-1980 Studium der Volkswirtschaftslehre in Göttingen und Münster
1978 Besuch der London School of Economics
1980-1987 Studium der Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover
1987 Staatsexamen und Approbation als Ärztin
1988-1992 Assistenzärztin, Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover
1990 Eintritt in die CDU Deutschlands
1991 Promotion
1992-1996 Aufenthalt in Stanford/ USA; Gasthörerin an der Stanford-University
1996-1997 Mitglied im Landesfachausschuss Sozialpolitik der CDU Niedersachsens
1998-2002 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Hochschule Hannover
1999 Mitglied im Arbeitskreis Ärzte der CDU Niedersachsens
2001 Master of Public Health
2001-2004 Mitglied und Vorsitzende der CDU-Fraktion im Stadtrat Sehnde/Niedersachsen; Mitglied der Regionalversammlung der Stadt Hannover
2003-2005 Mitglied der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag
2003-2005 Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit
seit 2004 Mitglied im Präsidiums der CDU Deutschlands
2005-2009 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestags für den Wahlkreis Hannover-Süd
2009-2013 Bundesministerin für Arbeit und Soziales
seit 2010 Stellvertretende Vorsitzende der CDU Deutschlands
seit 2013 Bundesministerin für Verteidigung

Veröffentlichungen

  • Ursula von der Leyen/ Karl-Rudolf Korte (Hg.): Wer macht die Arbeit morgen? Berlin 2011.
  • Ursula von der Leyen: Kinder und Eltern stark machen – für eine Familienpolitik aus christlich-sozialer Verantwortung, in: Karl-Josef Laumann (Hg.), Würde, Teilhabe, Gerechtigkeit. Eine christlich-soziale Agenda für das 21. Jahrhundert. München 2009, S. 89-95.
  • Ursula von der Leyen/ Vladimir Spidla (Hg.): Voneinander lernen – miteinander handeln. Aufgaben und Perspektiven der europäischen Allianz für Familien. Baden-Baden 2009.
  • Ursula von der Leyen: Füreinander da sein, miteinander handeln: warum die Generationen sich gegenseitig brauchen. Freiburg im Breisgau 2007.
  • Maria von Welser im Gespräch mit Ursula von der Leyen: Wir müssen unser Land für die Frauen verändern. München 2007.
  • Ursula von der Leyen: Familie mit Zukunft – Christliche Werte und Zusammenhalt der Generationen. Dresden 2006. (Schriftenreihe zu Grundlagen, Zielen, und Ergebnissen der parlamentarischen Arbeit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages, Bd. 43)
  • Ursula von der Leyen: Werte erwachsen – Unsere Verantwortung für die Kinder, in: Albert Biesinger/ Friedrich Schweitzer (Hg.), Bündnis für Erziehung. Unsere Verantwortung für gemeinsame Werte. Freiburg im Breisgau 2006, S. 41-53.
  • Ursula von der Leyen: Mit Macht für Familie und Beruf, in: Maybritt Illner (Hg.), Frauen an der Macht. 21 einflussreiche Frauen berichten aus der Wirklichkeit. München 2005.

Literatur

  • Katharina Rahlf: Ursula von der Leyen: Seiteneinsteigerin in zweiter Generation, in: Robert Lorenz/ Matthias Micus (Hg.), Seiteneinsteiger: Unkonventionelle Politiker-Karrieren in der Parteiendemokratie. Wiesbaden 2009, S. 274-300.
  • Ulrike Demmer, Daniel Goffart: Kanzlerin der Reserve. Der Aufstieg der Ursula von der Leyen. Berlin 2015.

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Dr. Christine Bach

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