Walter Bartram

Unternehmer, Ministerpräsident 21. April 1893 Neumünster 29. September 1971
von Andreas Grau
Der heute weitgehend vergessene Unternehmer Walter Bartram steht am Anfang der langen Reihe von CDU-Ministerpräsidenten in Schleswig-Holstein. In seiner Regierungszeit wurden die Grundlagen für einen Ausgleich mit Dänemark gelegt.

Ausbildung und Beruf

Walter Andreas Ernst Gustav Bartram – so der vollständige Name – wurde am 21. April 1893 in Neumünster als Sohn eines Tuchfabrikanten geboren. Nach dem Abitur 1912 studierte er Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft in Freiburg, Kiel und Würzburg. Sein Studium wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen, an dem er von 1914 bis 1918 teilnahm. Bartram beendete seine Ausbildung 1919 mit einer volkswirtschaftlichen Promotion und trat anschließend als Prokurist in eine Lübecker Ölmühle ein. Nach einem Jahr wechselte er als Direktor zu einer Ölfabrik in Hamburg.

Als Anhänger Gustav Stresemanns trat er 1920 in die rechtsliberale Deutsche Volkspartei (DVP) ein. 1926 übernahm er einen Direktorenposten beim Verband der Ölfabriken in Mannheim. Ab 1933 war Bartram dann wieder in Hamburg als Direktor bei den Vereinigten Ölfabriken tätig, die zum Unilever-Konzern gehörten. Wohl aus Karrieregründen erfolgte 1937 sein Eintritt in die NSDAP. Er blieb jedoch nur passives Parteimitglied. Seine NSDAP-Mitgliedschaft war aber vermutlich der Grund, weshalb er 1946 mit anderen Vorstandsmitgliedern von der Britischen Militärregierung entlassen wurde. Daraufhin kaufte Bartram eine Futtermittelfabrik in Nortorf in Schleswig-Holstein und machte sich selbständig.

Die Landtagswahl 1950

Bartram trat 1946 in die CDU ein und übernahm 1950 den Vorsitz des Kreisverbandes Neumünster. Bei der schleswig-holsteinischen Landtagswahl am 9. Juli 1950 erreichte der kurz zuvor gegründete Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) auf Anhieb 23,4 Prozent (15 Sitze). Deshalb konnten weder die SPD (19 Sitze) noch der Deutsche Wahlblock (CDU, FDP und DP, 31 Sitze) ohne den BHE eine Regierung bilden. Zwar einigten sich Wahlblock und BHE grundsätzlich auf eine Koalition, doch lehnte der BHE den vom Wahlblock vorgeschlagenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, Dr. Paul Pagel (CDU), ab. Trotzdem versuchte der Deutsche Wahlblock in der ersten Sitzung des Landtages am 7. August 1950 Pagel zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Da der BHE bei seiner Ablehnung blieb, erhielt Pagel aber nicht die erforderliche Mehrheit. Der Wahlblock rückte nun von Pagel ab und verständigte sich mit dem BHE am 22. August 1950 auf die Bildung einer Regierungskoalition. Auf der Suche nach einem geeigneten Ministerpräsidenten erinnerte sich der passionierte Reiter Pagel an seinen Reiterfreund aus Neumünster – Walter Bartram. Obwohl Bartram bisher kaum über politische Erfahrungen verfügte und in Schleswig-Holstein nahezu unbekannt war, gab er dem Drängen Pagels nach. Am 25. August 1950 stimmte der CDU-Landesvorstand der Nominierung Bartrams für das Amt des Ministerpräsidenten zu und ein Tag später schloss sich die Fraktion des Wahlblocks diesem Votum an.

Ministerpräsident

Mit allen Stimmen des Deutschen Wahlblocks wurde Walter Bartram am 5. September 1950 zum neuen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt. In seiner Regierungserklärung gestand er ein, dass ihn sein Ehrgeiz nicht in das Amt getrieben habe. Als Ministerpräsident wolle er ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zu Dänemark entwickeln und gleichzeitig die Spannungen in der Grenzregion beenden. Außerdem strebe er eine verstärkte Umsiedlung von Vertriebenen aus Schleswig-Holstein in andere Länder an. Zur Sicherung seiner Finanzen sei Schleswig-Holstein auf die dringende Hilfe des Bundes angewiesen, um die er sich bemühen wolle. Schließlich strebe die Regierungskoalition noch eine Änderung der Landessatzung an.

Im Dezember 1949 war nämlich von der SPD im Alleingang eine Bodenreform und die sechsjährige Grundschule in der Landessatzung verankert worden. Diese Bestimmungen wurden vom Landtag schon am 15. November 1950 mit den Stimmen der Regierungskoalition wieder aus der Verfassung gestrichen. Mit großer Mehrheit stimmte der Landtag am 14. März 1951 ebenfalls für die Beendigung der Entnazifizierung in Schleswig-Holstein. Wie angekündigt, konnte Bartram zur Beruhigung der Lage in Südschleswig beitragen. In seiner Regierungszeit wurden die Grundlagen für einen Ausgleich mit Dänemark gelegt. Allerdings gelang es ihm nicht, höhere Finanzhilfen des Bundes für das Land zu erhalten. Dafür war seine Regierungszeit auch zu kurz.

Regierungskrise und Rücktritt

Die Amtszeit Walter Bartrams war von Anfang an durch starke Spannungen zwischen ihm und dem CDU-Landesvorsitzenden Carl Schröter belastet. Der Landesvorsitzende hielt Bartram für zu unerfahren und warf ihm öffentlich vor, den Forderungen des BHE zu sehr nachzugeben. Zum offenen Bruch kam es Anfang Mai 1951, als der Ministerpräsident sich weigerte, eine Vertrauenserklärung des Landesvorstandes für Schröter mitzutragen. Am folgenden Tag beantragte er sogar ein Ehrengerichtsverfahren gegen Schröter, wegen dessen angeblicher Verfehlungen im Zuge der Übernahme der „Kieler Nachrichten“. Als das Gericht die Vorwürfe gegen Schröter jedoch vollständig entkräftete, ließ der Landesvorstand daraufhin das Ehrengericht prüfen, ob Bartram sich nicht parteischädigend verhalten habe.

Zur Lösung der Krise fand am 3. Juni 1951 eine Besprechung in Oeversee statt, an der neben Carl Schröter der Bundestagsabgeordnete Detlef Struve, Landrat Friedrich-Wilhelm Lübke, Innenminister Paul Pagel und der stellvertretende Landesvorsitzende Kai-Uwe von Hassel teilnahmen. Dabei wurde beschlossen, dass der Landesvorsitzende zurücktreten solle, um der CDU einen Neuanfang zu ermöglichen. Nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Adenauer am 7. Juni 1951 in Bonn erklärte auch der Ministerpräsident seine Bereitschaft, sein Amt niederzulegen. Da ihm auch die Wahlblock-Fraktion am 8. Juni 1951 das Vertrauen entzog, trat Bartram am 25. Juni 1951 als Ministerpräsident zurück. Zu seinem Nachfolger wählte der Landtag Friedrich-Wilhelm Lübke, der zwei Tage vorher bereits zum neuen CDU-Landesvorsitzenden gewählt worden war.

Der Sturz Bartrams war in erster Linie auf die Krise innerhalb der CDU zurückzuführen. Nicht nur der BHE hätte gerne an ihm festgehalten. Mit seiner ehrlichen und ausgleichenden Art war es Bartram nämlich gelungen, eine gute Zusammenarbeit der vier Koalitionsparteien im Kabinett herzustellen.

Im Deutschen Bundestag

Nur knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt kehrte Walter Bartram wieder in die politische Arena zurück: Im Mai 1952 kandidierte er für den Deutschen Bundestag im Wahlkreis Segeberg-Neumünster, der durch den plötzlichen Tod seines Konkurrenten, Carl Schröter, freigeworden war. Bartram gewann die Nachwahl gegen so prominente Mitbewerber wie Bruno Diekmann (SPD) und Waldemar Kraft (BHE) und blieb bis 1957 Bundestags-abgeordneter. In Bonn arbeitete er im Wahlrechtsausschuss, im Ausschuss für Außenhandelsfragen und im Ausschuss für Wiederaufbau und Wohnungswesen mit. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag beendete er seine politische Arbeit und legte 1957 auch den Vorsitz des CDU-Kreisverbandes Neumünster nieder. Er widmete sich in den folgenden Jahren wieder ganz seinen unternehmerischen Tätigkeiten.

Am 29. September 1971 starb Walter Bartram weitgehend vergessen in seiner schleswig-holsteinischen Heimat.

Lebenslauf

  • 1912–1919 Studium der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft in Freiburg, Kiel und Würzburg
  • 1919–1933 DVP
  • 1920–1946 in leitenden Positionen der Ölindustrie in Lübeck, Bremen und Hamburg
  • seit 1947 selbstständiger Unternehmer
  • seit 1950 Kreisvorsitzender der CDU in Neumünster
  • 1950-51 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
  • 1952–1957 MdB.

Literatur

Literatur

  • Rudolf Vierhaus/Ludolf Herbst (Hg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949-2002, München 2002.
  • Helmuth Mosberg: 50 Jahre CDU Schleswig-Holstein 1946-1996, Kiel 1996.
  • Klaus Albert: Entstehungsgeschichte und Politik der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung unter Ministerpräsident Dr. Bartram (1950-1951), Kiel 1982 (masch.).

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