Solidarität

Die Ursprünge des Begriffes der Solidarität (lat. solidus = fest) gehen auf französisches Schrifttum des 19. Jahrhunderts zurück. Wirksam wurde die Solidarität im christlich-demokratischen Umfeld vor allem als Grundprinzip der katholischen Soziallehre. Vermittelt über die christlich-soziale Bewegung (christliche Arbeiterbewegung; christliche Gewerkschaften) hatte es Konsequenzen insbesondere im Bereich der Sozialpolitik. Von Heinrich Pesch um 1900 theoretisch begründet („Christlicher Solidarismus“) und von Gustav Gundlach und Oswald von Nell-Breuning vertieft, zielt das Solidaritätsprinzip auf die wechselseitige Verbundenheit der Menschen ab. Von seiner Natur her ist der Mensch als Person kein isoliertes Individuum, als soziales Wesen ist er, zur Verwirklichung seiner Anlagen und Ziele vielmehr auf die Zusammenarbeit mit anderen angewiesen. Die Solidarität betont die Freiheit des einzelnen, verbindet sie aber mit der Verantwortung für den Mitmenschen. So ist der Mensch auf die Gesellschaft verwiesen, die ihrerseits aber auch dem Wohl eines jeden einzelnen verpflichtet sein muss. Solidarität widerstrebt somit dem Egoismus einzelner oder gesellschaftlicher Gruppen. Konkret wird dies im Anspruch einer geschuldeten Gerechtigkeit den anderen gegenüber, wie ihn die Solidarität als Rechtsprinzip erhebt und als Grundlage der Sozialgesetzgebung ausweist. Eine ähnliche Perspektive beinhaltet der mit der Solidarität verbundene Gedanke der Gemeinhaftung. Solidarität versteht sich zugleich auch als Forderung an jeden einzelnen, sich sozial-karitativ für Menschen in Not einzusetzen.

Literatur

J. Kondziela: Solidaritätsprinzip, in: Katholisches Soziallexikon (2. Auflage, 1980); O. von Nell-Breuning: Baugesetze der Gesellschaft (2. Auflage, 1990); A. Baumgartner, in: LThK 9 (3. Auflage, 2000).

Karl-Georg Michel