Alter, Altersversorgung

Bei der Altersversorgung wird gemeinhin zwischen drei „Säulen“ unterschieden:

  1. der staatlich verankerten Pflicht- und Basissicherung (u. a. gesetzliche Rentenversicherung, Beamtenversorgung, Altenhilfe für Landwirte, berufsständische Versorgung),
  2. der Zusatzversicherung (u. a. betriebliche Altersversorgung in der Privatwirtschaft oder Zusatzversorgung für Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst),
  3. der Eigenvorsorge (Bildung von Geldvermögen, Erwerb von Haus- und Grundbesitz oder Abschluss von Lebensversicherungsverträgen).
Allerdings kann die Sicherung des Alterseinkommens auch aus Leistungen erfolgen, die nicht spezifisch wegen des Alters gewährt werden (z. B. Invalidität oder Tod eines Angehörigen). Ein wesentliches Kennzeichen der gesetzlichen Alterssicherung in Deutschland ist ihre Anknüpfung an Erwerbstätigkeit und -einkommen, sowohl im Hinblick auf den einbezogenen Personenkreis als auch die Berechnung von Beiträgen und Leistungen. Innerhalb der Altersversorgung überwiegen die öffentlich-rechtlichen Systeme, in erster Linie die gesetzliche Rentenversicherung für Arbeiter und Angestellte. Seit den Anfängen haben sich die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung von einem Zuschuss zu einer Lebensstandardsicherung entwickelt. Mit der Reform 1957 wurde die Rentenversicherung zu einem auf der Generationenvertragsidee beruhenden lohn- und beitragsbezogenen Versicherungssystem ausgebaut. Ihr Kernstück war die Einführung der dynamischen Rente, wodurch der Rentner seinen Lebensstandard aufrechterhalten und am Produktivitätsfortschritt sowie Einkommenszuwachs der aktiven Arbeitnehmer beteiligt werden konnte. Der Begriff des Generationenvertrags bezieht sich auf kollektive Sicherungssysteme, die im Umlageverfahren durch Beiträge der jüngeren, arbeitenden Bevölkerung finanziert werden; es wird demnach kein Versicherungsvermögen akkumuliert (Umlage- versus Kapitaldeckungsverfahren). Allerdings geriet das Umlageverfahren in den letzten Jahrzehnten angesichts beträchtlicher Geburtenrückgänge und steigender Lebenserwartung (demographischer Wandel) immer mehr in Kritik: Immer weniger Arbeitnehmer müssen in Zukunft immer mehr Rentner finanzieren. Damit stellt sich die Frage der Gerechtigkeit bei der Verteilung von Beiträgen und Sozialleistungen unter den Generationen (neuer Generationenvertrag). Katholische Soziallehre, katholisches Verbandswesen und die CDA übten beachtlichen Einfluss auf die Gestaltung der Sozialordnung der Bundesrepublik aus, wobei man bemüht war, einen Mittelweg zwischen ungebundenem Kapitalismus und Kollektivismus/Sozialismus zu gehen. Ausdruck dieses Ansatzes ist das Bemühen um die Verbindung von Prinzipien der Freiheit, Subsidiarität, Eigenverantwortung, Leistung, Solidarität und Generationenverantwortung. An diese Ideen knüpft das 1957 von Wilfrid Schreiber mit weiteren christlichen Sozialwissenschaftlern entwickelte Rentenkonzept an.

Eine grundlegende Rentenreform muss insbesondere berücksichtigen: Steigerung der Arbeitsproduktivität; Einführung eines Demographiefaktors; bessere Ausschöpfung des Erwerbspersonenpotentials; Verlängerung der Lebensarbeitszeit; Stärkung der Eigenvorsorge mit staatlicher Förderung; verbesserter Familienleistungsausgleich und umfassende Familienpolitik; gesteuerte selektive Zuwanderung. Vor allem muss die Reform der Alterssicherung in eine Gesamtperspektive des Umbaus unseres Sozialstaates einbezogen werden.

Literatur

H. G. Hockerts: Sozialpolitische Entscheidungen im Nachkriegsdeutschland (1980); N. Blüm/H. F. Zacher (Hg.): Vierzig Jahre Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland (1989); D. Grieswelle: Sozialpolitik der Zukunft (1996); Deutscher Bundestag (Hg.): Demographischer Wandel (1998); K. Bayertz (Hg.): Solidarität. Begriff und Problem (1998); Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (Hg.): Übersicht über das Sozialrecht (6. Auflage 2000).

Detlef Grieswelle