Sozialismus, Sozialisierung

Kern sozialistischer Vorstellungen ist es, eine gesellschaftliche Ordnung nach den Prinzipien der Gleichheit und der sozialen Gerechtigkeit herzustellen. Solche Vorstellungen finden sich – mit unterschiedlichen, auch gegensätzlichen Inhalten – bei den Vor-, Früh- und utopischen Sozialisten, im Syndikalismus und Anarchismus, in der Handwerker- und der Arbeiterbewegung, bei Staatssozialisten, bei Karl Marx, der den Sozialismus als Übergangsstadium zwischen Kapitalismus und Kommunismus betrachtete, im „realen Sozialismus“ der Staaten des früheren Ostblocks mit Einparteienherrschaft und umfassender Zwangswirtschaft, im freiheitlichen, demokratischen Sozialismus der Sozialdemokratie und bei den religiösen Sozialisten (religiöser Sozialismus). Sie hatten stets auch Einfluss in den christlichen Kirchen und in dezidiert nichtsozialistischen Parteien wie CDU und CSU, insbesondere in den Jahren nach 1945 (christlicher Sozialismus). Die Mittel und Wege, um sozialistische Vorstellungen gegen kapitalistische durchzusetzen, reichen vom Aufbau einer Gegenmacht durch Einrichtungen kollektiver Selbsthilfe wie Produktiv- und Konsumgenossenschaften über starke unmittelbare – über die Vorgabe eines Rahmens weit hinausgehende – Eingriffe des Staates in die Wirtschaft bzw. die gesellschaftliche Ordnung (Staatssozialismus, Kriegssozialismus) bis zur Sozialisierung von Schlüsselbereichen (meist Grundstoff-, Großindustrien und Kreditwirtschaft) bzw. mehr oder weniger aller Produktionsbereiche.

Als Sozialisierung (auch: Verstaatlichung oder Vergesellschaftung bezeichnet) wurde im Lauf der Geschichte die Überführung sowohl ins Eigentum des Staates als auch in das der Kommunen (kommunale Selbstverwaltung) wie auch in das gesellschaftlicher Verbände (z. B. von Genossenschaften) verstanden.

Literatur

H. Müller: Ursprung und Geschichte des Wortes Sozialismus und seiner Verwandten (1967); T. Meyer u. a. (Hg.): Lexikon des Sozialismus (1986); R. Eppelmann u. a. (Hg.): Lexikon des DDR-Sozialismus (2. Auflage 1997).

Günther Schulz