KAS Kroatien

Veranstaltungsberichte

"Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft in Kroatien und der EU"

von Juro Avgustinović
Die KAS veranstaltete zusammen mit dem „Zentrum zum Kulturwiederaufbau“ und der „Zagreber Initiative“ am 19. November in Zagreb eine Konferenz zum Thema: „Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft in Kroatien“. Unter Beteiligung des kroatischen Wirtschaftsanalytikers, Dr. Andrej Grubšić und des Vorstandsmitglieds der KAS und Vize-Präsidenten für Regierungskontakte von Magna Europe, Dieter Althaus debattierten kroatische Wirtschaftsexperten über Perspektiven der Marktentwicklung in Kroatien als auch über Herausforderungen der Sozialen Marktwirtschaft in Europa.

Die KAS veranstaltete zusammen mit dem „Zentrum für Kulturwiederaufbau“ und der „Zagreber Initiative“ am 19. November in Zagreb eine Konferenz zum Thema: „Entwicklung der sozialen Marktwirtschaft in Kroatien“. Unter der Beteiligung des kroatischen Wirtschaftsanalytikers, Dr. Andrej Grubišić und des Vorstandsmitglieds der KAS und Vizepräsidenten für Regierungskontakte von Magna Europe, Dieter Althaus, debattierten kroatische Wirtschaftsexperten über Perspektiven der Marktentwicklung in Kroatien als auch über Herausforderungen der sozialen Marktwirtschaft in Europa.

Der Direktor des Zentrums für Kulturwiederaufbau, Dr. Stjepo Bartulica, unterstrich, dass es Kroatien nicht schaffte, in den 25 Jahren der Unabhängigkeit ihre Ressourcen richtig auszunutzen, um den Menschen Bedingungen zu schaffen, die es ihnen ermöglichen, wettbewerbsfähig zu sein. Seiner Meinung nach sei es wichtig eine Debatte darüber zu führen, was die soziale Marktwirtschaft sei, wieso wirtschaftliche Freiheiten wichtig seien und was die Rolle des Sozialwesens im Staat sei. Er betonte, dass Kroatien anfangen müsse, mit Steuergeldern verantwortlicher umzugehen, wobei man viel von Ländern wie Deutschland lernen kann.

Der Vorsitzende der „Zagreber Initiative“ und Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zagreb, Prof. Dr. Mladen Vedriš, stellte fest, dass man in der Politik oft Kompromissentscheidungen treffen müsse und nicht die beste, sondern die zweit- oder drittbeste Lösung anwenden könne. Der beste Beweis dafür, dass in Kroatien offensichtlich etwas nicht stimmen würde, sei die Tatsache das etwa 300.000 Menschen das Land verlassen haben. Er meinte, es sei wichtig, die eigenen Ziele und Vorgehensweisen wieder zu analysieren, um festzustellen, wo man Verbesserungen machen könnte.

Der Leiter des KAS-Auslandsbüros in Zagreb, Dr. Michael Lange, betonte, dass das Modell der sozialen Marktwirtschaft, als eins von den Marktregeln geführte und mit ausreichend sozialen Maßnahmen ausgestattetes, am besten für den sozialen Fortschritt und die Sicherung des Wirtschaftswachstums geeignet sei. Seiner Meinung nach müsse Kroatien die Wirtschaftsstruktur weiterhin verändern, um technologisch komplexe Produkte mit Mehrwert zu produzieren und Bedingungen für mehr Profit im privaten Sektor zu schaffen. Er bemerkte, dass man nur auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und bessere Löhne und Möglichkeiten für diese jungen Menschen schaffen könne.

Dr. Andrej Grubišić von der Zagreber Fachhochschule für Ökonomie und Management (ZŠEM), analysierte eine Reihe von wirtschaftlichen Indikatoren und stellte fest, dass der senkende Anteil der aktiven Erwerbsbevölkerung besorgniserregend sei. Als er über die öffentlichen Ausgaben sprach, betonte er, dass die Hauptfrage nicht der Anteil oder die Summe, sondern die Tüchtigkeit dieser Ausgaben sei. Er hob auch hervor, dass die Einkommen und die Ausgaben des Staates seit 2005 um 50% gewachsen seien. Dabei seien auf der einen Seite die Rentnerbevölkerung größer, und auf der Anderen die gesamte Bevölkerungszahl und die Anzahl der Beschäftigten niedriger. Er sagte auch dass die kroatische Wirtschaft noch immer nicht das Niveau von 2007 erreicht habe und dass der Staat manchmal irrational das Steuergeld verschwende würde. Laut Dr. Grubišić, sei es besser, wegen der wirtschaftlichen Balans, mehr Geld dem Privatsektor zu überlassen und betonte zum Schluss, dass man heute in Kroatien leider weder ökonomische Freiheit, noch ökonomische Gleichheit hätte.

Vorstandsmitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung; Vize, Diether Althaus, betonte, dass eine der zentralen Aufgaben der KAS die Demokratisierung sei, darunter auch der Meinungsaustausch über die soziale Marktwirtschaft. Er beschrieb den Anwesenden wie die soziale Marktwirtschaft in Deutschland entstand. Diese soziale Marktwirtschaft setzte auf die Kreativität des Einzelnen, wodurch es zum Wohlstand im Lande kam und der Staat hätte jetzt mehr Gelder zu Verfügung, um ein adäquates Sozialwesen aufzubauen. Seiner Meinung nach sei die Aufgabe des Staates die entscheidende Frage in der Marktwirtschaft. Er sei der Auffassung, dass der Staat Spielregeln schaffen sollte, damit sich der Markt gut entwickeln könne. Der Staat sollte allerdings auch versichern, dass der Markt durch faire Regeln organisiert werde. Er solle nicht ständig eingreifen und die Marktergebnisse verteilen, sondern dafür sorgen, die Kreativität des Marktes anzuregen. Auch solle er dafür sorgen, dass er den Menschen Hilfe leistet, wenn sie in Not geraten. Seiner Ansicht nach, werde diese Debatte, über das Justieren der sozialen Marktwirtschaft in den neuen globalen Markverhältnissen, in ganz Europa heutzutage geführt. Er betonte, dass dieses Gespräch sehr schwierig sei, auch weil man inzwischen einen Streit der politischen Überzeugungen in Europa und weltweit habe. Er betonte, dass die entscheidende Frage für alle in Europa sei, wie man es schaffe könne, die dynamischen Kräfte der Marktwirtschaft in europäischen Nationen wieder zu stärken. Seiner Meinung nach sei entscheidend, dass die wirtschaftliche Basis gestärkt werde, dass man mehr Industrie, mehr Mittelstand habe und von da aus für den eigenen Markt, aber auch für den Export, wettbewerbsfähige Produkte schaffe.

Im Anschluss an die Vorträge diskutieren die beiden Referenten mit dem Publikum über die Migrationsherausforderungen mit denen sich Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung auseinandersetzen musste. Auch besprach man, unter anderem, mögliche Reformen im Bildungssektor als Voraussetzung einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft und die wirtschaftspolitischen Herausforderungen, die die Krise beim Unternehmen Agrokor in Kroatien hinterlassen habe.