Veranstaltungsberichte

Westbalkan bleibt wichtiges Thema auf europäischer Agenda

von Manuela Zlateva
Auf der 7. KAS/SEECOM-Konferenz diskutieren Kommunikationsexperten aus Südosteuropa zusammen mit EU-Kollegen und -Partnern

Die Kommunikation in Hinsicht auf die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses über Europa stand im Mittelpunkt der KAS/SEECOM-Konferenz am 12. Oktober 2018. Die größte Veranstaltung für Regierungssprecher aus Südosteuropa fand zum ersten Mal in der Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas Sarajewo statt. Veranstalter waren das KAS-Medienprogramm Südosteuropa und der von der KAS mitgegründete Kommunikationsverband für Regierungssprecher SEECOM (South Eastern European Government Communication). 

An der Konferenz nahmen rund 60 PR-Experten und Vertreter von Regierungen, Parlamenten und internationalen Organisationen sowie Journalisten aus 13 europäischen Staaten teil. Die Fachkonferenz wurde von SEECOM-Generalsekretär Vuk Vujnović und SEECOM-Vorstandsvorsitzenden Ognian Zlatev sowie Hendrik Sittig, Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa, eröffnet.

Hendrik Sittig unterstrich die Bedeutung Europas als gemeinsames Projekt, das aber immer stärker in Frage gestellt werde. Zwar habe jedes Land eine eigene kulturelle Identität und müsse diese auch bewahren, dennoch könnten globale Herausforderungen wie der Klimawandel, Terrorismus oder Migration nur gemeinsam gelöst werden. Zudem plädierte er dafür, mehr darüber zu berichten, warum Europa wichtig sei und worin die Vorteile eines gemeinsamen europäischen Hauses liegen. Wer Gutes tue, müsse auch darüber erzählen.

Ognian Zlatev betonte die Rolle der Westbalkan-Staaten, die zu Europa und teilweise bereits der EU angehören und durch die EU Fortschritte machen konnten. „Ich bin stolz, an diesem Treffen teilzunehmen, um Erfahrungen mit den besten Kommunikationsfachleuten aus der Politik in der Region auszutauschen", sagte Zlatev.

Vuk Vujnović sprach über die Mission des SEECOM-Verbandes zur Weiterentwicklung einer professionellen Regierungskommunikation in Südosteuropa. Nur durch klare Botschaften seitens der EU und der südosteuropäischen Staaten könne ein gemeinsames Verständnis für Europa und die EU-Integration entwickelt werden. Seiner Meinung nach sei die jüngste Rede von Jean-Claude Juncker, Präsident der EU-Kommission, zur Lage der EU als guter Antrieb für die notwendigen Reformen in den Beitrittsländern zu verstehen und zugleich als gutes Zeichen für einen festen Zeitpunkt für die EU-Erweiterung.

Die Konferenzteilnehmer debattierten rege über die Öffentlichkeitsarbeit der Europäischen Union auf lokaler Ebene im Zuge der EU-Erweiterung. Sie waren sich einig, dass die EU in Dialog mit der Zivilgesellschaft und den Regierungen treten müsse, unter anderem mit einfacheren und klareren Botschaften über die Vorteile einer EU-Mitglied­schaft. Diese waren auch die zentralen Diskussionspunkte der gesamten Konferenz.

Bulgarische Ministerin für EU-Ratspräsidentschaft zu Gast

Die Ministerin für die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft Lilyana Pavlova erklärte im ersten Panel, wie während des bulgarischen Vorsitzes der Westbalkan auf der politischen Agenda ganz nach vorne gebracht wurde und welche Maßnahmen notwendig seien, damit dieses Thema auch zukünftig nicht an Relevanz verliert. Sie thematisierte das sinkende Vertrauen in die EU und sagte, dass man die Vorteile nicht nur aus politischer Sicht, sondern auch aus praktischem Blickwinkel den Bürgern erklären müsse. Ihrer Meinung nach sei es auch notwendig, ein positives Narrativ über die Region zu entwickeln.

Der Botschafter und Leiter der EU-Delegation in Bosnien-Herzegowina Lars-Gunner Wigemark kritisierte während der Diskussion, dass ihm seitens der politischen Elite in den EU-Ländern Ambition und Motivation fehle, die Debatte über die EU-Erweiterung des Westbalkans lebendig zu erhalten. Er betonte auch, dass nur das reine Kommunizieren nicht genüge, man solle wissen, welche Ziele man sich damit setze.

Der SEECOM-Vorsitzende Ognian Zlatev in seiner Position als Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Bulgarien nahm ebenfalls an der Podiumsdiskussion teil und sprach über die Zukunft der EU. Er sagte, dass sein Erfolg auch zukünftig von der Unterstützung der Bürger abhängig sein werde. Deswegen sei es wichtig, das Vertrauen in die Europäische Union und den Bürgerdialog durch eine professionelle politische Kommunikation zu sichern.

Bürger-Dialog und Engagement als Bausteine für ein vereintes Europa

Die zweite Podiumsdiskussion thematisierte die Rolle der nationalen und EU-Institu­tionen bei der Entwicklung einer starken gemeinsamen europäischen Identität.

Ivana Đurić, Kommunikationsleiterin beim serbischen Ministerium für Europäische Integration, unterstrich, dass die Kommunikation über die EU-Integration in den EU-Staaten verstärkt und in den Beitrittsländern die Kommunikation über die Europäische Union in die Gesamtstrategie verankert werden müsse. Auf lokaler Ebene sollten die Regierungen dafür sorgen, die Mediensituation zu verbessern, damit EU-Botschaften auch dort Platz finden.

Der EU-Korrespondent des serbischen Nationalsenders RTS Dušan Gajić fügte hinzu, dass die Journalisten spannende Geschichten über die EU erzählen müssen, um dieses Projekt auch interessant für die Bürger zu machen und nicht zuletzt auch verständlicher. Nur dadurch könne die EU auch wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen.

Vincenzo Le Voci, Generalsekretär des EU-Kommunikationsforums „Club of Venice“, betonte, um wieder glaubwürdig zu werden, bedürfe es eines besseren Verständnisses der Bedürfnisse und Erwartungen der Bürger. Dies sei am besten über mehr Interaktion mit der Bevölkerung erreichbar. Die kroatische Daten-Expertin Tamara Puhovski warnte, dass die Öffentlichkeit sich immer mehr Informationen wünsche. Allerdings werden reine Daten nicht gelesen und die Menschen möchten sich mit diesen auch nicht auseinandersetzen. Deswegen sei es wichtig, die richtigen Mittel und Wege für die Kommunikation zu finden, z.B. Daten in Infographiken zu verpacken. Sie sprach auch über den Dialog mit Jugendlichen und, dass diese Vorbilder in ihren Ländern brauchen - Menschen, denen sie gerne folgen und die sie nachahmen können. Das Gespräch wurde von Vuk Vujnovic moderiert.

Strategien der Regierungskommunikation, um das Interesse der Bürger zu gewinnen

Im dritten Panel ging es darum, wie das Interesse in der Bevölkerung für Politik und die EU wiedergewonnen werden kann und welche Rolle Regierungskommunikation einnimmt. Der Präsident der ukrainischen Osteuropa-Stiftung (EEF) Victor Liakh ging auf die öffentliche Partizipation im politischen Entscheidungsprozess in der Ukraine ein und stellte eine e-Partizipationsplattform vor, die seine Organisation in Zusammenarbeit mit der Regierung entwickelt hat. Damit könnten Bürger Formulierungsänderungen bei Gesetzesvorschlägen einbringen. In Bezug auf das Konferenzthema einer gemeinsamen europäischen Identität stellte er klar, dass die Ukrainer sich eindeutig als ein Teil Europas fühlen.

Jasna Jelisić, Leiterin der StratCom Task Force für den Westbalkan beim Europäischen Auswärtigen Dienst, unterstrich, dass die wichtigste Voraussetzung für die EU-Kommunikation ein positives Narrativ über Europa sei. Zudem erklärte sie, dass Teil ihres Mandates die Kommunikation der Westbalkan-Staaten in den EU-Ländern abdecke und auch hier die positive Botschaft von zentraler Bedeutung sei. Michel Rademaker, Stellvertretender Direktor des Haag-Zentrums für strategische Studien, sah eine gute Möglichkeit durch positive Narrative Synergieeffekte in der Kommunikation zu erzeugen und eine gute Koordination zwischen den EU-Institutionen und den Regierungen auf lokaler Ebene zu schaffen.

SEEMO-Generalsekretär Oliver Vujović sprach aus Sicht der Journalisten und über den Zugang zu Informationen auf dem Balkan. Seiner Meinung nach sei dies ein Bereich, der weiterentwickelt werden sollte, um gute Berichterstattung über Europa zu ermöglichen. Nur wenn die Medienlage sich verbessere, könne das EU-Image vorangetrieben werden. Zudem betonte er, dass es wichtig sei über die EU, in der Sprache der Menschen zu sprechen, welche auch die Journalisten verstehen. Die Diskussion wurde von SEECOM-Vorstandsmitglied Christian Spahr moderiert.

 

Mitarbeit: Darija Fabijanić

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