Veranstaltungsberichte

Deutschland braucht Utopien!

von Klaus Jochen Arnold

Seminar "Lasst uns zum Mars fliegen!"

"Willst Du ein Schiff bauen, so rufe nicht die Menschen zusammen, um Pläne zu machen, Arbeit zu verteilen, Werkzeuge zu holen und Holz zu schlagen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen endlosen Meer."Antoine de Saint-Exupery

Tobias Wangermann, Koordinator für Beratungsmanagement bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, bot den Teilnehmern im Penta Hotel Braunschweig zunächst eine historisch-kritische tour d'horizon. Von Thomas Morus „Utopia“, Theodor Herzls „Altneuland“ zu George Orwells „1984“: Utopien hatten und haben heute noch viele Gesichter und häufig zudem moralisch-religiöse Dimensionen. So verstand sich der Nationalsozialismus als heilbringende Utopie - es gilt also mit dem Begriff äußerst vorsichtig umzugehen. Verfolgen wir in Deutschland heute noch Utopien? Der Wiederaufbau nach 1945 war beispielsweise getrieben von dem Streben nach Wohlstand; und für die Seminarteilnehmer kann dieses weitgehend realisierte Streben nach Wohlstand und Wachstum auch heute noch als eine durch die Masse der Deutschen geteilte Utopie gelten.

Gegenstand einer der bekanntesten Utopien war die Raumfahrt. John F. Kennedy kündigte 1961 die Landung von Menschen auf dem Mond innerhalb von zehn Jahren an und löste damit eine nationale Anstrengung und Begeisterung aus, die 1969 in der Landung Neil Armstrongs und seiner Gefährten mündete. Heute ist die NASA auf russische Transportkapseln angewiesen, wenn die Internationale Raumstation ISS angeflogen werden soll. Der neue Raumtransporter Orion wird erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen. Die Öffentlichkeit in Deutschland interessiert sich wenig dafür, dass hierzulande Wissenschaftler mit wichtigen Forschungsergebnissen die Erforschung des Weltraumes vorantreiben. Zwei von ihnen diskutierten mit den Seminarteilnehmern in Braunschweig. Prof. Dr. Joachim Block vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist Experte für Lander (Vehikel zur Landung auf Planeten etc.) und Sonden. Die bemannte Raumfahrt ist zu teuer und zu wenig effektiv zur Klärung wesentlicher Fragen, allerdings fühlen und empfinden nur Menschen vor Ort. Und diese emotionale Seite, so Ulf Merbold auf der abendlichen Podiumsdiskussion im Haus der Wissenschaft in Braunschweig, ist von großer Bedeutung. Nur sie kann bei den Menschen, gerade den jungen, Begeisterung wecken. In Deutschland interessieren sich viel zu wenig junge Menschen für den Ingenieursberuf, im Vergleich zu anderen europäischen Länden zudem kaum Frauen. In der 3. Sektion des Seminars standen weitere Ergebnisse deutscher Forschung im Mittelpunkt. Weltraumlage und Weltraummüll, ein in der Zukunft wesentliches Problem für die Raumfahrt, denn Millionen kleinster Teile gefährden Sonden, Satelliten und Raumstationen etc., vor allem in erdnahen Umlaufbahnen. Ursprung des Mülls sind nicht zuletzt Raketenzündungen, auch der Abstoß nuklearer Antriebe oder etwa, der bislang größte und folgenschwerste Einzelfall, der gezielte Abschuss eines Satelliten durch China im Jahre 2007, erklärte Dr. Carsten Wiedemann,Teamleiter der Raumfahrttechnikgruppe des Institutes für Luft- und Raumfahrtsysteme der Technischen Universität Braunschweig.

Ulf Merbold sieht weder in Deutschland noch in Europa Politiker, die die Utopie eines bemannten Fluges zum Mars realisieren und die erforderliche Begeisterung wecken könnten. Die Deutschen müssen sich fragen, ob wir nicht Ziele und Ideen brauchen, die Faszination wecken, Risikobereitschaft fordern und die verbreitete Technikfeindlichkeit in Deutschland überwinden. Schon im Interesse unserer Zukunft, denn alle neuen Technologien entstehen durch Forscher, die mit Begeisterung an einer Sache arbeiten. Eine Utopie muss Begeisterung und Idealismus wecken, darf nicht einfach zu erreichen sein, sie erfordert eine gemeinsame Anstrengung, muss etwas Neues darstellen, muss einfach zu vermitteln oder klar als Ziel erkennbar sein und für sie muss systematisch geworben werden. Also: Lasst uns zum Mars fliegen!

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Der Mars Hubble