Veranstaltungsberichte

Die Stadt lebt!

von Jan-Niklas Kuhfahl

Vortrag und Gespräch zum demographischen Wandel

Carsten Große Starmann, Projektleiter Demographischer Wandel der Bertelsmann Stiftung, sprach am 13. Mai vor gut 100 Zuhörern im Restaurant Leineschloss zum Thema „Der demographische Wandel als große Chance für die Städte“.

Der hannoversche Rechtsanwalt Matthias Waldraff, Impulsgeber und Mitmoderator des Abends, hob in seinem einleitenden Wortbeitrag zwei Begriffe heraus, die für ihn in Bezug auf den demographischen Wandel entscheidend seien. Zum einen der aus der Forstwirtschaft stammende Nachhaltigkeitsbegriff (der 1713 zum ersten Mal vor dem Hintergrund der Rohstoffverknappung in Sachsen verwendet wurde) und zum anderen der Begriff der Demographie, der neben sozialen, Umwelt- und Wirtschaftsaspekten auch eine politische Dimension umfasst. Vor dem Hintergrund einer überalternden Gesellschaft, sinkender Bevölkerungszahlen und der Internationalisierung durch Zuwanderung werde die Bevölkerung „weniger, älter und vielfältiger/bunter“, so Matthias Waldraff. Zudem begreife er den demografischen Wandel genau wie Bundeskanzlerin Angela Merkels „nicht als Bürde, sondern als Chance“ für das Zusammenleben der Menschen. Politische Antworten darauf seien z.B. Haushaltskonsolidierung, die Finanzhilfen beim Hochschulpakt, die Initiative zur besseren Ausbildung von Lehrern und den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab August dieses Jahres.

Auch Carsten Große Starmann von der Bertelsmann Stiftung, griff das Bild von „weniger, älter und bunter“ auf und verdeutlichte mithilfe von diversen Charts die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, allen voran die raschen Altersstrukturveränderungen (vor allem im Osten) die rückläufigen Geburtenzahlen, die Entwicklung der Schülerzahlen und die Entwicklung der potenziellen Erwerbstätigen etc. So wird beispielsweise die Bevölkerung in Niedersachsen bis 2030 um 4,8 % schrumpfen und jeder zweite wird 2030 älter als 50,0 Jahre sein. Zudem seien die regionalen Unterschiede zwischen dem geburtenstarken Emsland und dem überalternden Südniedersachsen sehr groß.

Auf einer Deutschlandkarte mit Landkreisen und kreisfreien Städten machte er anhand des Bundeslands Bayern deutlich, dass „man sehr genau hingucken muss“. So sei Bayern nicht per se bevölkerungstechnisch florierend, vielmehr habe nur die Stadt und Metropolregion München sehr positive Bevölkerungszahlen. Die Grenzregionen zu Thüringen und Sachsen im Norden Bayerns seien hingegen von starker Strukturschwäche und Abwanderung breiter Bevölkerungsschichten betroffen. Deshalb könne es auch keine Patentrezepte geben, vielmehr brauche jede Region ihre eigenen Antworten. Hannover beispielsweise profitiere als Technik- und Universitätsstandort von der großen Zuwanderung junger Menschen, deshalb sei die Bevölkerungszahl vergleichsweise stabil. Große Starmann rät deshalb zu Maßnahmen, die die qualifizierten Abgänger über das Studium hinaus an die Region/Stadt bindet.

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sei die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einerseits und Bildung andererseits die entscheidenden Kernthemen, so Große Starmann. Eine besondere Herausforderung (und Belastungsprobe für das Rentensystem) stellt zum Beispiel die Generation der „Babyboomer“ dar, die um das Jahr 2020 aus dem Berufsleben ausscheiden werden und schon heute die (steuerfinanzierten) Infrastruktursysteme „stressen“ würden, nämlich z.B. Krankenhäuser und Kultureinrichtungen.

Der Politikberater schlug deshalb verschiedene Handlungsansätze vor, bei denen die Politik (und v. a. die Kommunen) aktiv werden muss: Als Beispiele nannte er die Stärkung der Kommune als Wirtschafts- und Arbeitsort, die Förderung sozialer Integration, die Anpassung der Infrastrukturen (Verkleinerung, Angebotsumstrukturierung, räumliche und personelle Flexibilisierung) und die Förderung bürgerschaftlichen Engagements.

Nebenstehend können Sie die Vortragscharts als PDF-Datei downloaden.

Weitere Daten und Fakten entnehmen Sie bitte dem Internet-Portal www.wegweiser-kommune.de der Bertelsmann-Stiftung.

Jan-Niklas Kuhfahl (FSJ Politik Niedersachsen)

Ansprechpartner

Jörg Jäger