Veranstaltungsberichte

Zu Gast in imposanten Gründerzeitaulen und großzügigen Foren

Die Stauffenberg-Ausstellung auf Tour in Niedersachsen

„Dieser typische Schulgeruch“ war ein Satz, der von den oft seit ihrer eigenen Schulzeit nicht mehr in Schulgebäuden gewesenen Mitwirkenden immer wieder ganz leise zu hören war. So eröffneten diesen Sommer nämlich diverse Angehörige von Widerständlern gemeinsam mit Schülern der jeweiligen Oberstufe und dem Organisator der Tour, dem Bildungswerk Hannover der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Ausstellung „Claus Schenk Graf von Stauffenberg und der Umsturzversuch des 20. Juli 1944“ an sechs niedersächsischen Gymnasien.

Nachdem den Schülern dabei zunächst ein kurzer Überblick über die unterschiedlichen, sozial sehr breit gefächerten Gruppen des Widerstandes sowie über all die vielen Vorläufer und Attentatsversuche vor dem 20. Juli 1944 gegeben wurde, schloss sich stets ein Filmausschnitt aus dem Hollywood-Film ‚Walküre‘ mit Tom Cruise an, der dann zu einer ersten kleinen Diskussion über die weltweite Wirkung und gesellschaftliche Wahrnehmung des Themas ‚Widerstand gegen den Nationalsozialismus‘ führte. Durch die Schilderung der auch die Vorfahren der Mitwirkenden betreffenden grausamen Folterungen erfuhren die Schüler von den furchtbaren Geschehnissen im Anschluss an das gescheiterte Attentat. Die Angehörigen beschrieben zudem die erniedrigenden Schauprozesse vor dem Volksgerichtshof, gingen auf die sich für die Kinder und Frauen von Widerständlern anschließende Sippenhaft und geplante Umerziehung in nationalsozialistischen Kinderheimen ein und erwähnten die noch bis weit in die Bundesrepublik Deutschland hinein reichende gesellschaftliche Ächtung der Personen des Widerstandes.

Den Höhepunkt bildete allerdings stets die gemeinsame Diskussion mit dem Schülerpublikum. Auf die Impulse „Ob sich der 20. Juli gelohnt habe?“ und „Was er uns heute überhaupt noch bedeute“ kamen überaus vielfältige und teilweise auch sehr gegenteilige Ansichten von Schülerseite. Während ein Schüler insistierte, dass „richtiger“ Widerstand überhaupt nur gegen eine Regierung möglich sei, waren sich besonders die Schülerinnen oft einig, dass sich auch in der Demokratie unserer heutigen Gemeinschaft jeder den 20. Juli als Vorbild nehmen könne, um beispielsweise gegen (Schul-) internes Mobbing vorzugehen und nicht einfach wegzuschauen. Oft angesprochen wurde außerdem die Pflicht zur Mitwirkung in jungen Aktionsbündnissen und Gruppen, aber auch zur aktiven Beteiligung an der Politik. Um damit das uns heute so selbstverständlich erscheinende Recht auf politische Partizipation nicht anderen und sehr radikalen Gruppen zu überlassen, was bereits bei dem Gang zum Wahllokal anfange. Zwei Beiträge fielen etwas aus dem Rahmen, doch sind auch sie für einen Überblick über die Veranstaltung durchaus erwähnenswert. So wurde erstens die Widerstandspflicht einer Autoritätsperson wie einem Lehrer gegenüber genannt, zweitens suchte ein teilnehmender Lehrer die Katastrophe der Hitler-Diktatur vor allem in dem Organ der Wehrmacht, was in einen Appell an die heutige Generation mündete, keinen Militärdienst zu leisten.

Am wohl treffendsten drückte sich dann aber eine Schülerin bei der letzten Veranstaltung in Salzhausen aus. Sie nannte den 20. Juli 1944 einen „Hoffnungsträger“, der einen optimistischen Blick auch auf unsere Zukunft erlaube. Dass es damals eben nicht nur Nazis und reglos verharrende nicht-Nazis gegeben habe, sondern auch Menschen, die das Wohlergehen einer ganzen Gesellschaft über das eigene Leben und dasjenige ihrer Angehörigen gestellt haben, zeige, dass selbst in der schrecklichsten Zeit noch ein Funken Hoffnung in Deutschland gewesen sei, der auch bei künftigen, vielleicht ähnlichen Verhältnissen so wieder aufleuchten könne.

Immer blickte das Podium dabei in aufmerksame und wache Gesichter, fühlte sich durch das gesittete Verhalten während der gesamten Veranstaltungszeit, durch engagierte Lehrer und nicht zuletzt noch durch fleißige Aufbauhelfer überall willkommen und sehr herzlich empfangen. Die Veranstaltungen der Stauffenberg-Tour haben gezeigt, was für ein großes Potential doch in den jungen Menschen von heute schlummert.

Annette von Schlabrendorff

Teilen