Veranstaltungsberichte

Städte brauchen starke Stimmen

Essens Oberbürgermeister zu Gast in Peru

„Städte brauchen starke Stimmen“ war die Einleitung des Oberbürgermeisters Thomas Kufen von Essen bei seinem Grußwort in Cusco. Er eröffnete ein dreitägiges Seminar, dessen Anlass das 35. Jubiläum von INICAM und die Herausforderung der Dezentralisierung war. Dazu waren nicht nur Experten aus Peru eingeladen, sondern auch aus Deutschland, Chile, Ecuador und Bolivien.

Thomas Kufen berichtete seine Erfahrungen als Bürgermeister einer deutschen Großstadt, während Cuscos Bürgermeister Victor Boluarte  auf die Geschichte Perus einging, in der seine Stadt Cusco einmal die Hauptstadt war und durch die Kolonisierung nach Lima verlegt wurde.  Boluarte stellte heraus, dass Cusco durch den Touristenboom, den die Stadt in den letzten Jahren erfahren hat, schon einen großen Fortschritt hin zur finanziellen Dezentralisierung des Landes gemacht hat. Doch es gebe noch viel zu tun, um auch andere Provinzen und Regionen mehr in den Prozess einzubringen und das Land international wettbewerbsfähig zu machen.

„Kommunen sind die Schulen der Demokratie“ gab Thomas Kufen zu bedenken, und zitierte damit Konrad Adenauer. Bevor man in die Nationalpolitik gehe, solle man aus der Kommunalpolitik lernen. So nehme er sein Arbeit als Kommunalpolitiker sehr ernst. Dabei nannte Kufen drei Tendenzen, die man in deutschen Städten in unserer Zeit beobachten könne: Digitalisierung, Dekarbonisierung und Dezentralisierung. Im Gegensatz zu der peruanischen Gesellschaft, gehe die deutsche Gesellschaft immer weiter auseinander. Das Familieneben sei oft nebensächlich, während die Ausbildung oder Karriere im Mittelpunkt steht und die Menschen immer mehr bereit sind dafür in andere Städte oder sogar Länder zu ziehen. Dabei könne man vier wichtige Trends erkennen, wie Kufen erklärte: Der erste Trend sei „City“, was bedeutet dass die Menschen vom Land in die Städte ziehen, um bestimmte Bildungsmöglichkeiten und den kulturellen Reichtum zu nutzen. Zum anderen gebe es den Trend „Compact“, bei dem die Menschen zwar in einer globalen Welt leben möchten, diese jedoch trotzdem klein und übersichtlich bleiben soll. Dies führe dazu, dass Arbeit, Wohnen und Freizeit zusammen gebracht werden müssen. Der dritte Trend sei „Convenience“: das Leben solle so einfach wie möglich gestaltet werden. Der Weg zur Arbeit oder die Mülltrennung, alles soll so unkompliziert wie möglich sein und vor allem schnell gehen. Der letzte Trend nenne sich „Community“, bei dem die Menschen trotz Dezentralisierung nicht alleine sein möchten und eine gemeinsame Identität suchen. Dafür benötigt man Parks, Cafés und öffentliche Veranstaltungen in den Städten, die das Zusammentreffen der Menschen ermöglichen, um mehr Lebensqualität zu schaffen.

Thomas Kufen sieht es als seine Hauptaufgabe als Oberbürgermeister, seine Stadt zu beschützen und ihr zu dienen. „To protect and to serve“ ist seine Definition der Aufgabe eines Kommunalpolitikers. Damit schloss er das Programm  des ersten Abends ab und gab einen guten Auftakt in die Vorträge der nächsten Tage.

Der darauffolgende Tag wurde von dem Leiter der Europaabteilung und der Stadtkanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen David Lüngen eingeleitet, der das Mehr-ebenen-System des deutschen Föderalismus erklärte. Dazu wurde die Föderalismus-Pyramide vorgestellt, die die Abgrenzung zwischen der EU, der Bundesrepublik, den Ländern innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands und den Kommunen innerhalb der Länder darstellte. Von dem öffentlichen Publikum wurden Fragen zur Priorisierung der Themenpolitik gestellt und Kommentare abgegeben.

Desweiteren waren Luz Elena Coloma, Stadträtin aus Quito; Beatriz Copobianco, Abgeordnete aus Bolivien; und Miguel Angel Calisto, Abgeordneter aus Chile; anwesend. Es wurde jeweils eine Zusammenfassung der Geschichte und der derzeitigen Situation ihrer Länder vor dem Hintergrund der Dezentralisierung gegeben. Damit wurde das Thema auf internationaler Ebene diskutiert und Prognosen für die Zukunft gewagt.

Städte müssen also nicht nur starke Stimmen haben, so wie Thomas Kufen herausstellte, sondern sollten zusätzlich mit anderen Städten kooperieren um Erfahrungen auszutauschen und so gemeinsam an dem Prozess der Dezentralisierung und der bestmöglichen Lebensqualität in jeder einzelnen Stadt arbeiten.