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Verdrehte Wege

Zum Umgang mit der Geschichte in Deutschland

Beitrag von Marek A. Cichocki, Dariusz Gawin in der polnischen Tageszeitung Rzeczpospolita vom 4. November 2006

Die Aktivitäten Erika Steinbachs, sei es ihre Idee für ein Zentrum gegen Vertreibungen, sei es die Berliner Ausstellung „Erzwungene Wege” – können aus der Perspektive des Erinnerns an die Zwangsaussiedlungen der Deutschen gesehen werden. In diesem Kontext

taucht dann in der in Deutschland geführten Debatte häufig auch die in rhetorischem Ton formulierte Frage auf, ob die deutschen Opfer der Zwangsaussiedlungen sechzig Jahre nach Kriegsende nicht das Recht auf Erinnerung haben?

Diese Frage ist jedoch falsch gestellt. Die Ausgesiedelten haben das Recht auf das Gedenken, und niemand hat die Absicht, es ihnen streitig zu machen. Ja mehr noch, von diesem Recht machten sie häufig in der Vergangenheit Gebrauch, wenn man allein an zahlreiche Einrichtungen erinnert, die sich mit der Erforschung und Darstellung von Schicksalen deutscher Ausgesiedelter aus der Kriegszeit beschäftigen. Der Widerspruch, den die Ausstellung „Erzwungene Wege“ hervorruft, bezieht sich nicht auf das Recht auf Erinnern, sondern auf die Art und Weise, wie das Phänomen der Zwangsmigrationen im

zwanzigsten Jahrhundert sowie die sich hinter der Ausstellung verbergende Vision der jüngsten Geschichte dargestellt werden.

Unverständlich ist die Logik, welcher die Autoren der Ausstellung „Erzwungene Wege” folgen, ohne dabei einen Bezug auf frühere Diskussionen über Geschichte und Verantwortung der Deutschen im 20. Jahrhundert zu nehmen, die von Wissenschaftlern und in

der Presse geführt wurden. Hierbei geht es in erster Linie um den berühmten „Historikerstreit“ aus den 80er-Jahren (Historikerstreit. Spór o miejsce III Rzeszy w historii Niemiec, Bd. in poln. Sprache, London: 1990). Man kann die These aufstellen, dass es heute weder

Steinbachs Ausstellung, noch die Idee für die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen gäbe, wäre da nicht dieser Historikerstreit gewesen. Alle Elemente, die im Umfeld von Steinbach die Auffassung zu den Aussiedlungen der Deutschen ausmachen, können in Texten konservativer Revisionisten der deutschen Geschichte, wie z. B. Andreas Hillgruber oder Ernst Nolte gefunden werden.

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