Rechtsextreme Codes

Ein „SUPPORT C18!“ Graffito prangt an der Wand eines Supermarktes. Ein Sportwagen hält an der Ampel, ein „1488“ Aufkleber ist auf der Heckscheibe angebracht. Nicht jeder versteht den Sinn dieser Zeichen. Den meisten Menschen fallen sie gar nicht weiter auf. Rechtsextremisten wissen, was sie bedeuten: Kampfansagen an eine tolerante und offene Gesellschaft. Sie verherrlichen Terror, Gewalt und Rassenhass. Was verbirgt sich hinter den Codes und Chiffren der rechtsextremen Szene?

Codes und Symbole drücken, verschlüsselt oder unverschlüsselt, politische Botschaften aus und sind zugleich Erkennungszeichen für Rechtsextremisten untereinander. Solche Botschaften sind diffuser Ausdruck einer Weltanschauung, die im Kern die Ungleichwertigkeit von Menschen propagiert. Einige ihrer Ausdrucksformen, so Volksverhetzung oder das Zeigen von Symbolen des früheren Nationalsozialismus oder anderer rechtskräftig verbotener rechtsextremer Organisationen, sind strafbar. Zudem werden Rechtsextremisten, die sich offen durch ihre Äußerungen oder ihre Kleidung zu erkennen geben, in der Gesellschaft geächtet, werden von Linksextremisten bisweilen auch tätlich angegriffen.(1) Deshalb weichen Rechtsextremisten auf verdeckte Codes aus und chiffrieren (2) ihre Botschaften.

Bürgerschaftliches Engagement gegen rechtsextremes Gedankengut, Rassismus und Neonazismus ist nur dann möglich, wenn man entsprechende Phänomene auch erkennen, deuten und interpretieren kann. Rechtsextreme Personen und die Ideologie, die sie verbreiten, müssen zuerst erkannt werden. Erst dann können Maßnahmen zur Auseinandersetzung ergriffen werden, um möglichen rechtsextremen Umtrieben Einhalt zu gebieten. Für die Menschen, die aktiv für eine faire und offene Gesellschaft eintreten wollen, ist es wichtig, die wichtigsten Codes und Symbole der Rechtsextremisten zu dechiffrieren. Sie tauchen in unterschiedlichen Formen auf.

Verschlüsselte Zahlencodes

„88“ – Steht für zweimal den achten Buchstabe im Alphabet (H). „88“ ist in der rechtsextremen Szene das Synonym für den verbotenen Hitlergruß, da "Heil Hitler" zweimal mit dem achten Buchstaben des Alphabets beginnt. „88“ findet als bekanntester Code der rechtsextremen Szene weltweite Verwendung. Allerdings ist seine Bedeutung in der Öffentlichkeit so gut bekannt, dass sie diesen Code nicht mehr bedenkenlos nutzen können. In einschlägigen Kreisen finden deshalb inzwischen auch Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln wie „2x44“ als Ersatz für „88“ Verwendung.

„14” – Steht für die „Fourteen Words” (= „vierzehn Worte”) des Satzes: „We must secure the existence of our people and a future for white children.” (= „Wir müssen den Fortbestand unseres Volkes und eine Zukunft für weiße Kinder sichern“). Die „vierzehn Worte“ – in der deutschen Übersetzung sind es nur dreizehn - sind die Zusammenfassung eines rassistischen Weltbildes zu einem kurzen „Glaubensbekenntnis“. (3) Seit den 1990er Jahren findet man die „14“ auch bei deutschen Rechtsextremisten: Als Aufdruck auf T-Shirts, Gürteltaschen, sowie Aufnähern, als Tätowierungen und auch in der rechtsextremen Musikszene.

„1488“ – Ist die Kombination aus den „Fourteen Words” und der Chiffre für den Hitlergruß oder auch den „88 Precepts“ (= „88 Grundsätze“) des amerikanischen Rechtsextremisten David Lane. „1488“ ist die international am stärksten verbreitete Chiffre der rechtsextremen Szene und beispielsweise auch unter polnischen und russischen Rechtsextremen sehr populär. In Deutschland ist sie auch beliebt als Bestandteil von Kfz-Kennzeichen.

„18“ – Steht als Chiffre für den ersten (A) und den achten Buchstaben (H) im Alphabet. „AH“ steht als Synonym für Adolf Hitler. Die „18“ wird gerne als Motiv genutzt, beispielsweise auf T-Shirts mit Aufschriften wie „Division 18“ oder „18 – OLD SCHOOL RASCIST“ (= „Adolf Hitler – Rassist alter Schule“)

„28“ – Steht für den zweiten und den achten Buchstaben im Alphabet. BH steht für „Blood and Honour“ (oder auch „B&H“; siehe auch Die „White Supremacy“-Nazis in Deutschland). „Blut und Ehre“ war das Motto der nationalsozialistischen Hitlerjugend (HJ). Die Aufforderung „28 Supporter“ (= „Blut-und-Ehre Unterstützer“) ist ein beliebtes Motiv für Aufnäher, Aufdrucke auf Textilien und Aufkleber an Fahrzeugen gewaltbereiter Rechtsextremisten.

„C18“ – Das C steht für „Combat“ (= „Kampf“/„Gefecht"), 18 steht für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet: AH (Adolf Hitler). „C18“ kann man als „Kampfgruppe Adolf Hitler“ übersetzen. Es handelt sich um den bewaffneten Arm von „Blood & Honour“. Die Parole „Support C18!“ (= „Unterstütze die Kampfgruppe Adolf Hitler!“) ist eine Aufforderung zur Unterstützung der terroristischen Gruppierung.

„168:1“ – 168 Menschen tötete 1995 der amerikanische Rechtsterrorist Timothy McVeigh bei einem Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude. 1997 wurde McVeigh für seine Tat zum Tode verurteilt und 2001 hingerichtet. „168:1“ basiert auf einer Aussage McVeighs, die Bilanz seiner Taten sei „positiv“, er habe „gewonnen“, da die Anzahl der getöteten „Feinde“ sein eigenes Opfer überwiege. Der Zahlencode „168:1“ wird von Rechtsextremisten verwendet, die rassistischen Terrorismus bejahen.

„311“ – Steht für dreimal den elften Buchstabe des Alphabets (dreimal K). KKK ist die Abkürzung für den Ku-Klux-Klan (KKK). Der KKK wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert als Geheimbund weißer, protestantischer Rassisten in den USA gegründet, der die Unterdrückung von Schwarzen, Juden, Katholiken und Homosexuellen als Teil eines „göttlichen Plans“ sah. Der KKK ist für zahllose Terrorakte und Morde verantwortlich. Das Symbol des KKK ist ein brennendes Kreuz.

„444“ – Steht für viermal den vierten Buchstaben im Alphabet. „444“ verschlüsselt die Losung „Deutschland den Deutschen“. Die Losung wendet sich gegen Bevölkerungsgruppen und Religionen, die von Rechtsextremisten nicht als Deutsche akzeptiert werden, also beispielsweise Deutsche mit Migrationshintergrund, Asylsuchende, Muslime und Juden.

Datumsangaben als Codes

„20.4.“ – Steht für den 20. April, den Geburtstag Adolf Hitlers. Rechtsextremisten drücken damit ihre Verehrung für den nationalsozialistischen „Führer“ aus.

„13.2.“ – Der 13. Februar 1945 ist das Datum der verheerenden Luftangriffe auf Dresden, die von den Rechtsextremisten als „Kriegsverbrechen“ oder „Mord“ deklariert werden. Graffiti mit Parolen wie „13.2. – DENK DRAN!“ fordern auf, das Ereignis als „Verbrechen am deutschen Volk“ nicht zu vergessen.

„17.8.“ – Am 17. August 1987 beging Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß (siehe auch Falsche Vorbilder: Rudolf Heß) im Kriegsverbrechergefängnis Spandau Selbstmord. Rechtsextremisten konstruieren aus dem Vorfall die Verschwörungstheorie, der 93-jährige sei durch „Geheimdienste ermordet“ worden („17.8.1987 – DAS WAR MORD!“).

Verdeckte Buchstabencodes der Rechtsextremisten

„HooNaRa“ (gesprochen „Hu-na-ra“) – ist ein Akronym für „Hooligans – Nationalisten – Rassisten“. „HooNaRa“ ein beliebter Schlachtruf, mit dem sich Rechtsextreme bei Sportveranstaltungen Gehör verschaffen wollen, um eine Politisierung der Hooliganszene zu fördern.

„ZOG“ – Bedeutet „Zionist Occupied Government“ (= „Zionistisch besetzte Regierung“). Unter deutschen und amerikanischen Rechtsextremisten ist dies eine sehr beliebte Abkürzung. Der Begriff „ZOG“ wurde in den 1970er Jahren durch den amerikanischen Rechtsextremisten Eric Thompson geprägt. Er knüpft an den nationalsozialistischen Wahn einer angeblichen „jüdischen Weltherrschaft“ an. Rechtsextremisten behaupten, die Regierungen USA, Deutschland und weitere Länder würden von „den Juden gesteuert“. Das Feindbild ist „USRAEL“ (= Kunstwort von Rechtsextremisten, eine Verbindung der Worte USA und Israel).

„WP“ – Steht für „White Power“ (= „weiße Macht“), zugehöriges Symbol ist eine stilisierte weiße Faust. „White Power“ war ursprünglich die Losung des Ku-Klux-Klans. Der Brite Ian Stuart Donaldson formte daraus den Schlachtruf der internationalen Rechtsrockszene (siehe auch Rechtsextreme Musik). Zusammenfassend steht „WP“ für die nazistische und rassistische Theorie von der Vorherrschaft der „weißen Rasse“, ebenso wie die verbreitete Formel „WPWW“ („White Pride World Wide“ = „weißer Stolz weltweit“).

„RAHOWA“ – Steht für den „Racial Holy War“ (= „heiliger Rassenkrieg“) und ist ein beliebter Schlachtruf auf rechtsextremen Konzerten sowie ein Erkennungszeichen in Internetforen. Die Verwendung von „RAHOWA“ propagiert einen Krieg gegen fremde Völker, Ethnien und Religionen, ähnlich den Kreuzzügen des Mittelalters.

„A.C.A.B.“ – Steht für „All Cops Are Bastards“ (= „Alle Polizisten sind Bastarde“). Auch die Zahlenkombination „1312“ (erster, dritter, erster und zweiter Buchstabe im Alphabet) bedeutet „ACAB". Der Ausdruck kommt ursprünglich aus der englischen Punk- und Skinheadszene. Rechtsextremisten verwenden diese Parole heute ebenso wie linksextreme Autonome, Rocker, Straßengangs und Hooligans. „ACAB“ hat Eingang in die milieutypische Musik gefunden und wird als Aufdruck auf rechtsextremer Kleidung vertrieben.(4)

Jan Christoph Rödel

(1) Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, „Nazi-Outing – Aktivitäten sächsischer Linksextremisten erreichen eine neue Qualität“, Mitteilung auf der Internetseite des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen vom 09.12.2013, online hier verfügbar (12.01.2014).

Tom Mannewitz,„Nazi-Outing“ Ziele, Funktionen und Probleme, Dossier Linksextremismus der Bundeszentrale für politische Bildung vom 21.05.2012, online hier verfügbar (12.01.2014).

(2) Chiffrieren bedeutet, ein System von Geheimbotschaften für die Kommunikation zu verwenden, bei dem Zahlen oder Buchstaben eine neue Bedeutung erhalten. Nur in das System der Verschlüsselung Eingeweihte verstehen die Botschaften.

(3) Dieses Bekenntnis soll auf den 2007 verstorbenen amerikanischen Rechtsextremisten David Lane zurückgehen. Die Ideologie hinter den „vierzehn Wörtern“ besagt, es gäbe eine „weiße Rasse“, die allen anderen „Rassen“ überlegen sei. Dieser „master race“ (= „Herrenrasse“) drohe jedoch der Untergang, wenn sie mit den „minderwertigen Rassen“ „vermischt“ werde. Um „die Zukunft für weiße Kinder zu sichern“, müsse die Vermischung von Rassen verhindert werden, ebenso wie „Beeinflussungen“ durch die jüdische, christliche sowie die muslimische Religion.

(4) Wird „ACAB“ als Ansprache an Polizisten gerichtet, kann dies juristisch als Beleidigung verfolgt werden. Voraussetzung ist allerdings, entschied das Bundesverfassungsgericht, dass die Beleidigung „Bastard“ hinreichend deutlich gegen einen einzelnen Polizisten gerichtet sein müsse. Andernfalls falle „ACAB“ unter den Schutzbereich des Art. 5. Abs. 1 GG (Meinungsfreiheit). Siehe das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2016 dazu hier.

Lesetipps:

  • Viele zivilgesellschaftliche Initiativen und praktisch alle Verfassungsschutzbehörden bieten im Internet Informationsbroschüren über rechtsextremistische Codes an. Eine der besten davon ist vom Landesamt für Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommerns hier abrufbar.