Veranstaltungsberichte

„Es ist schlau, viel Musik zu machen“

von Julia Rieger

Neusser Kulturtreff „Haste Töne? Musikalische Talentförderung von der Musikschule über die Casting-Show bis zur Pop-Professur“

Musik ist unser ständiger Begleiter – schon von Klein auf lernen viele Kinder ein Instrument oder singen im Chor. Wie kann zukunftsorientierte musikalische Bildung für junge Menschen aussehen? Diese Frage stellten sich Dieter Falk, Musikproduzent und Komponist, und Holger Müller, der Leiter der Musikschule in Neuss beim Neusser Kulturtreff.

Statt nur über junge Menschen und Musik zu sprechen, konnten die Zuschauer sich selbst ein Bild davon machen, wie die Musikausbildung wirkt: Die Schülerinnen Jilian Kuhn und Emilia Mandla eröffneten die Veranstaltung mit einigen Liedern, die sie selbst geschrieben hatten: Ob mit Gitarre oder Klavierbegleitung: Die beiden jungen Frauen, die Teil der Exellenzförderung der Musikschule Neuss sind, begeisterten das Publikum mit ihren Kompositionen.

Musik steht für Ereignisse

Hermann Gröhe MdB, der Schirmherr der Veranstaltung, begrüßt die Gäste. Musik begleite uns alle jeden Tag und sei dabei auch immer verbunden mit Ereignissen – wie dem Mauerfall. „Deswegen ist es toll, dass es Leute gibt, die Musik nicht nur genießen, sondern sie auch machen.“ Anschließend beginnt der Talk mit Dieter Falk und Holger Müller, moderiert von Journalistin Mara Bergmann. Zu Beginn geht es um G8 – ein Thema, dass die letzten Schülerinnen- und Schülergenerationen sehr beschäftigte und damit auch die Musikschule. Durch die langen Unterrichtszeiten sei die Zeit der Schüler, um neben der Schule Hobbys nachzugehen weniger geworden. Trotzdem würden immer noch viele Schüler erreicht – auch durch Projekte an Grundschulen, sagt Holger Müller.

Musik und Intelligenz – ein Zusammenhang?

Dieter Falk, der an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf als Professor tätig ist, lobt die Musikschule Neuss: Viele Neusser Schüler schnitten bei einem Aufnahmetest an der Musikhochschule gut ab: „Wir gucken, dass wir die Talente weiterfördern, die hier ausgebildet werden.“ Die musikalische Bildung sei wichtig für Kinder, sind sich alle einig. Doch ob es eine direkte Verbindung zwischen Musik machen und Intelligenz ist – da ist sich die Wissenschaft nicht einig. Holger Müller sagt es lieber so: „Es ist schlau, viel Musik zu machen.“ Der Einstieg sei nun nicht mehr nur über die Blockflöte möglich, so wie es früher war. Durch Angebote in Schulen könnten die Kinder ausprobieren und später auch wechseln. Generell gilt: „Es gibt kein richtiges Einstiegsalter - ist immer der richtige Zeitpunkt, eine neue Richtung einzuschlagen“, sagt Müller.

Chor-Boom in Deutschland

Auch für Dieter Falk ist es nicht vorrangig, welches Instrument gelernt wird – „Hauptsache, es wird dann auch im Ensemble gespielt: Das macht am meisten Spaß!“. Auch viele Kinder, die als Jugendliche Gesangsunterricht nehmen, würden in Chören anfangen. Gerade wäre das Singen im Chor wieder sehr populär in Deutschland, was den Musikschulen zu verdanken sei. Und auch das Publikum in Neuss wird für kurze Zeit zum Chor: Mit seinem Sohn Max Falk gibt Dieter Falk ein kurzes Konzert. Auf Klavier und Cajon werden klassische Musikstücke „verrockt“, mit tatkräftiger Unterstützung des Zuschauer-Chores. Die Energie, die Dieter und Max Falk auf das Publikum übertragen, ist im Raum spürbar.

„Musik ist Teamplaying“

Im Anschluss geht es im zweiten Talk um die Auswirkungen von Castingshows auf die Musikwelt. Für Falk sind diese gute Sichtungsmöglichkeiten, doch für ihn sei es wichtig, dass die Musiker auch „ihre eigenen Gedanken in die Musik stecken“ und selbst Songs schreiben würden. Die Musiker könnten als Vorbilder fungieren, trotzdem gebe es bei den Castingshows viele Risiken. Bevor Dieter und Max Falk mit Unterstützung von Jilian Kuhn und Emilia Mandla die Veranstaltung mit John Lennon´s „Imagine“ ausklingen lässt, hat er einen Appell an die Zuschauer: „Social Media ist eine Gefahr für Musikschaffende – es lässt sich damit kaum Geld verdienen. Wenn Sie Musiker unterstützen wollen: Gehen Sie auf Konzerte.“