Veranstaltungsberichte

Talente fördern: ein Motor für die soziale Marktwirtschaft

von Julia Rieger

"DEUTSCHLAND: DAS NÄCHSTE KAPITEL. MIT VERTRAUEN IN DIE ZUKUNFT." HEUTE IM FOKUS: WIRTSCHAFT - KÖLN UND KÖPFE

Heute geschieht alles schnell und gleichzeitig: Dieser Wandel bietet Chancen, schafft aber auch Unsicherheit. Innovationen können helfen, sich zu orientieren und eine stärkere Gesellschaft zu werden. Die Wirtschaft spielt dabei auch eine wichtige Rolle.

„Mit Vertrauen in die Zukunft“ – das ist der Ansatz der Diskussionsreihe „Köln und Köpfe“, die nun zum dritten Mal in Köln stattfindet. Unter der Schirmherrschaft von Karsten Möring MdB diskutierten Monsignore Prof. Dr. Peter Schallenberg und Dr. Anabel Ternès die Perspektiven und Einflüsse der Wirtschaft. Simone Habig, die Leiterin des Regionalbüros Rheinland begrüßte das Publikum, bevor Schirmherr Möring das Wort ergriff.

Ethische Fragen haben Cliffhanger

„Ein neues Kapitel wird mit den Wahlen im Herbst aufgeschlagen“, sagt Möring. Kapitel haben Schwerpunkte, wiederkehrende Elemente, und eines davon ist die Wirtschaft: „Das wird das nächste Kapitel auf jeden Fall mitbestimmen.“ Die Frage, die sich nun aus Mörings Sicht stellt, ist die nach den Arbeitsverhältnissen. „Kann man mit dem leben, was man erarbeitet? Das sind ethische und wirtschaftliche Fragen.“

„Wir leben in Zeiten, die von Disruption gekennzeichnet sind.“

Dr. Anabel Ternès, Professorin und Unternehmerin, richtet nach Möring das Wort an die interessierten Zuhörer. Man habe immer das Gefühl, dass sich etwas ändere – „nur man weiß nicht so genau, was.“ Die Digitalisierung sei heute spürbarer als je zuvor, sie habe unseren Alltag durchdrungen. Die Digitalisierung gehe mit einer starken Individualisierung einher: „Im Grunde ist man viel mehr allein als vorher.“ Man muss lernen, Wissen zu konservieren und sich auf das Wichtige zu fokussieren. „Ich kann 100 Prozent Energie nicht duplizieren, ich kann sie nur teilen.“ Denn die Digitalisierung birgt Chancen: „Deutschland ist fähig, damit umzugehen.“ Dafür seien Werte wichtig.

„Freiheit geht Ordnung voraus“

Monsignore Prof. Dr. Peter Schallenberg, Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie und Ethik an der Theologischen Fakultät Paderborn, startet mit diesem Zitat von Konrad Adenauer in den Vortrag. “Teilhabe ist das Wertefundament der sozialen Marktwirtschaft“, sagt Schallenberg. „Eine funktionierende Wirtschaft setzt eine Zivilgesellschaft mit Tugenden voraus, sie gebiert sie nicht.“ Arbeit ist mehr als Erwerb: „Es ist ein Weg der Entfaltung der Talente. Es gibt so viele unterschiedliche Talente, das jeder seinen Platz finden sollte.“ Bildung sei da ein wichtiger Schlüssel.

Talente auch außerhalb der Erwerbsarbeit entfalten

In der anschließenden Podiumsdiskussion wird das Thema der Talente aufgegriffen. „Es muss genug Möglichkeiten geben, seine Talente außerhalb der Erwerbsarbeit zu entfalten“, sagt Möring. Denn das sei nicht für jeden in seinem Beruf möglich. Schallenberg merkt an, dass viele gar nicht wissen, welche Talente in ihnen steckten. „Nachdem jemand uns sagt „Ich liebe dich“, sind wir nicht mehr dieselben.“ Durch die Zuneigung anderer würden Talente freigesetzt.

Der Mensch ist ein Wert

Die Digitalisierung sei eine Chance, menschenunwürdigere Arbeit zu reduzieren und in Berufe der Pflege und Bildung zu investieren, sagt Schallenberg. Einem Zuhörer ist das zu realitätsfern: „Was bekomme ich für mein Talent? Das ist doch eine Gerechtigkeitsfrage.“ Ternès antwortet darauf mit der Perspektive des Arbeitsmarktes. Die Realität zu kennen und einzuschätzen, wie zukunftsfähig die eigenen Talente sind, sei eine große Kunst. Möring merkt an, dass Wertschätzung für einen Beruf sich nicht nur über die Bezahlung äußere. Wichtig sei auch die Einstellung. Talente müssten nicht immer im Beruf ausgelebt werden: „Es braucht ein gutes Gleichgewicht, eine Work-Life-Balance.“ Schallenberg unterstützt Mörings Aussage: Das Ehrenamt sei zum Beispiel ein Fundament der Persönlichkeitsentfaltung. Und darauf habe jeder Mensch ein Recht.

Ansprechpartner

Simone Habig

Simone Habig bild

Leiterin Regionalbüro Rheinland

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