Seminar
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Über den Umgang mit der Vergangenheit in Deutschland

Das Seminar ist dem Umgang mit der deutschen Geschichte, der Aufarbeitung zweier Diktaturen und der Erinnerungskultur in Deutschland gewidmet. Den Einführungsvortrag hält Dr. Nancy Aris, stv. Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen. Sie wird über die aktuellen Formen der Erinnerung und Aufarbeitung in Deutschland berichten.

Details

Das Seminar findet im Rahmen der Deutschen Woche 2019 statt und wird in Kooperation mit dem Zentrum für historische Forschungen der Higher School of Economics St. Petersburg organisiert.

Im Laufe relativ kurzer Zeit erlebte Deutschland zwei Mal eine Diktatur. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann zunächst die juristische Aufarbeitung der zahlreichen Verbrechen des Nazi-Regimes: die Entfesselung des opferreichsten Angriffskrieges, der Völkermord an den Juden, das Euthanasie-Programm, die Versklavung, Deportation und der grausame Umgang mit der Zivilbevölkerung, um die schlimmsten Verbrechen zu nennen. Nun garantierte diese juristische Aufarbeitung aber noch keine veränderte Haltung im Bewusstsein der Bevölkerung. Vielmehr war eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Ideologie des Nationalsozialismus' notwendig, die anfangs eher widerwillig geführt wurde. Demokratische Werte müssen von der breiten Masse der Bevölkerung akzeptiert und gelebt werden. Wie fand dieser Prozess in Deutschland nach 1945 statt, und wie sieht heute die Erinnerungskultur aus, wo es immer weniger Zeitzeugen gibt?

Direkt nach dem 2. Weltkrieg entstand auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone erneut eine Diktatur. Diese Diktatur existierte 40 Jahre lang. Die Ideologie des Marxismus-Leninismus' durchzog das gesamte öffentliche Leben der ehemaligen DDR. Die SED war zwar nicht die einzige, dafür aber die einzige Partei im Land, die Entscheidungen treffen konnte. Ostdeutschland, das sich zur Hochburg des Antifaschismus erklärte, schwieg darüber, dass ehemalige KZs, solche wie Buchenwald und Sachsenhausen, noch Jahre nach 1945 aktiv genutzt wurden, um Widerstreiter der eigenen Ideologie wegzusperren. Die Stasi (das Ministerium für Staatssicherheit der DDR) ist nach wie vor ein historisches „Beispiel“ dafür, wie ein Staat eine große Menge seiner Bürger in die totale Bespitzelung einbeziehen kann. Wie erfolgten nach der Wiedervereinigung personelle Veränderungen in den Verwaltungen und Schulen? Wie verliefen öffentliche Diskussionen über Werte und Demokratie? Wie war der Umgang mit den Akten der Staatssicherheit?

Heute gibt es in Deutschland eine Vielzahl von Institutionen und Vereine, die aktiv die Bevölkerung über die historischen Fakten aufklären und der Kultivierung von alten und der Entwicklung von neuen Mythen über diese Zeitalter entgegenwirken. Sie erziehen die jungen Generationen zur Demokratie und Toleranz. Zwar sind seit dem Zusammenbruch der NS-Diktatur fast 75 Jahre vergangen, und seit dem Zusammenbruch der SED-Diktatur fast 30. Trotzdem ist diese Aufgabe auch heute nicht weniger aktuell. Mehr noch – Deutschland hält sie für eine gemeinsame Aufgabe aller Generationen, die zukünftigen inbegriffen. Ziel ist es dabei, die Mechanismen der Entstehung von Diktaturen zu erforschen und Formen der Prävention zu erarbeiten. Denn Demokratie und Freiheit sind nicht selbstverständlich, sondern müssen immer wieder neu gewonnen und verteidigt werden.

Zur Teilnahme am Seminar laden wir Studierende und Dozenten der historischen Fakultäten ein, sowie alle, die sich für Deutschland, für seine Zeitgeschichte und seinen aktuellen Umgang mit der Vergangenheit interessieren.

Im Anschluss an das Seminar werden alle Interessenten zur Filmaufführung „Der Staat gegen Fritz Bauer“ eingeladen. Danach wird es einen kurzen Austausch über die Rolle der Persönlichkeit in der Gesellschaft geben.

Zum Abschluss laden wir zu einem gemeinsamen Buffet ein.

Programm des Seminars

Seminarort:

Higher School of Economics St. Petersburg,

nab. kanala Gribojedowa 123 lit. A

190068 St. Petersburg


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Veranstaltungsort

Sankt Petersburg, Russland

Referenten

  • Dr. Nancy Aris
    • stellv. Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
      Kontakt

      Claudia Crawford

      Claudia Crawford bild

      Leiterin des Büros Multilateraler Dialog KAS in Wien

      claudia.crawford@kas.de +43 1 890 14650 +43 1 890 146 516
      Kontakt

      Elena Balinskaya

      Elena Balinskaya bild

      Projektassistentin, Übersetzerin der Repräsentanz in St. Petersburg

      elena.balinskaya@kas.de +7 812 45885-45 +7 812 45886-68

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