Veranstaltungsberichte

Die große und die kleine Welt

Über kulturelle und politische Globalisierungsfolgen

Auftaktveranstaltung der Ringvorlesung „Gestörte Ordnung?“ am 5. Oktober 2010 mit dem Philosophen Prof. Hermann Lübbe. Die Reihe stellt die Frage, was der Begriff „Heimat“ in der heutigen Welt noch bedeutet. Bis Februar 2011 finden die Veranstaltungen immer dienstags, 20 Uhr, im Marmorsaal des Dresdner Zwingers statt.

„Der Garten spiegelt die Beschäftigung mit der menschlichen Verwurzelung in unserer Welt wider. In dem Stück kultivierte Natur findet die Innenwelt des Menschen ihre Entsprechung.“ Herr Dr. Klose eröffnete die Ringvorlesung „Die Gestörte Ordnung“ des Wintersemesters 2010/11 mit einem thematischen Spannungsbogen zum Welt- und Menschenbild von damals und heute. Mit dem Marmorsaal des Dresdener Zwingers sei zudem die passende Örtlichkeit für die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis Mensch – Welt – Heimat – Kultur gegeben. Der Zwinger sei gezielt gestaltet worden, um das absolutistische Selbstverständnis August des Starken zum Ausdruck zu bringen.

Anschließend stellte Herr Dr. Klose den Referenten Prof. Dr. Hermann Lübbe, einen bekannten deutschen Philosophen vor, der stets darum bemüht sei einen praktischen und aktuellen Bezug zu seiner Theorie herzustellen.

„Die Erde ist ein zwingendes Rückkehrziel“ – Mit diesem Zitat Hans Blumenbergs begann Prof. Dr. Hermann Lübbe seinen Vortrag und hob damit die Erde als unausweichlichen Mittelpunkt unseres Lebens und Erlebens hervor. Im Folgenden stellte Herr Prof. Dr. Lübbe eine sehr facettenreiche Charakteristik der Zivilisation und ihrer Veränderungen dar. An den Aspekten der Institutionalität und Technik schilderte er eine zunehmende Vernetzung der Welt, die globale Konsequenzen von nie gekanntem Ausmaß sowie menschlicher Abhängigkeit nach sich zöge.

So gebe es ein dichtes Netz von 5000-6000 Institutionen wie der UNO, OECD oder der EU, die ein modernes Leben überhaupt ermöglichen. Sie seien die Träger der Globalisierung.

Auch die sich stets weiter entwickelnden Verkehrs- und Informationsnetze stellten einen starken Fortschrittsimpuls für unsere Zeit dar, so Lübbe. Genau diese Entwicklungen brächten der Menschheit umwälzende Veränderungen. Zum einen nannte er die Epoche des Mittelalters, in der eine rasante Vernetzung der Infrastruktur erfolgte. Einen weiteren Entwicklungsschub erhielt die Geschichte durch die technische Revolution der Informationsnetze, wodurch sich der Nachrichtenfluss beschleunigen und die Kommunikation erleichtern ließ.

Abschließend wies Prof. Dr. Lübbe zum einen auf eine Veränderung und Verschärfung des kulturellen Normbestandes hin. Zu nennen wäre zum Beispiel die moderne Tugend der Pünktlichkeit. Um sozial ferne Räume zu erreichen, sei man besonders abhängig von der korrekten Einhaltung der Zeit. Angesichts dieser rasenden Zeitentwicklung stellt sich die Frage, wie sich die Welt und deren Menschen noch heil halten können. Als eine mögliche Antwort darauf sah Prof. Dr. Lübbe die Entwicklung eines so genannten Regionalismus. Dieser verdeutliche, wie sehr man sich auch auf nationale und kulturelle Verwurzelung besinnt, um nicht von der Zeit verschlungen zu werden. In der Akzeptanz der Verschiedenheit sehe er die Möglichkeit das menschliche Anderssein friedlich zu ermöglichen.

Die anschließende Diskussionsrunde verdeutlichte das rege Interesse der Teilnehmer an der aktuellen Problematik der Globalisierung mit ihren positiven wie negativen Konsequenzen. Man sprach über die Rolle des Geldes sowie von Überfremdungsängsten. Die erste Veranstaltung der Ringvorlesung „Die Gestörte Ordnung“ kann als überaus gelungener Auftakt gesehen werden.

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