Veranstaltungsberichte

Meine Wünsche an Europa, Meine Wünsche an die Demokratie

Caroline Schweikers Eröffnugsgedicht auf dem 9. Demokratiekongress am 22. November in Dresden

Mit diesem Gedicht eröffnete Caroline Schweiker den Demokratiekongress in Dresden

MEINE WÜNSCHE AN EUROPA,

MEINE WÜNSCHE AN DIE DEMOKRATIE

zum 9. Demokratiekongress der Konrad-Adenauer-Stiftung am 22.11.2018,

©Caroline Schweiker(2018)

Über Europa wird zurzeit viel spekuliert

Über Werte und Selbstverständnis stürmisch diskutiert

Demokratie wird neu und verschieden interpretiert

Also hab ich ein paar eigne Wünsche formuliert

Sterotype sind Mauern

Die wir zwischen uns bauen

Kategorien, die wir erfinden

Weil wir uns nicht zu fragen trauen

Weil wir vereinfachen, pauschalisieren

Menschen in einfarbige Schubladen sortieren

Weil in diesem Kategoriendenken

Meist Ängste unsre Richtung lenken

Und wir dabei oft vergessen

Dass wir es sind, die unsern Filter setzen

Ich wünsch' mir, dass wir uns der Unterschiede bewusst werden

Doch dass sie uns nicht spalten

Vorurteile sind nicht falsch

Nur unvollständig gehalten

Schwarz und weiß sind nur Extreme

Und da sind wir rausgewachsen

Unsere Probleme sind zu komplex

Um in nur eine Schublade zu passen

Ich wünsch' mir, dass wir aus Begriffen wieder Menschen

Und aus Ländern wieder Geschichten machen

Dass wir aus unserem emotionalen Abgrenzen

Dem Blenden und Vernichten erwachen

Ich wünsch' mir, dass wir ein Interesse für die Zutaten versuchen

Statt einfach nur zu sagen: Das ist ein Kuchen.

Ich wünsch' mir, dass das Bedürfnis nach Identitätsfindung

Nicht kongruent geht mit dem der Ausgrenzung

Ich wünsch' mir ein Europa, in dem es um mehr geht als gewinnen oder verlieren

Denn nur abseits dessen können wir Neues gemeinschaftlich kreieren

Ich sehe viele Individuen im Monolog

Und wünsch' mir ein Europa, eine Welt im Dialog

Ich wünsch' mir, dass die Demokratie so viele wie möglich vereint

Ein Zusammenwirken der Teilchen wird in all ihrer Kompliziertheit

Ein gemeinsames Haus aus bunten Steinen

In dem jeder das Recht hat, Individuum zu sein.

Ich wünsch' mir eine Demokratie

In der wir uns und andre dabei unterstützen

Die keinen Stacheldraht braucht

Um sich gegen Hilflose zu schützen

Ich wünsch' mir ein Europa der Bewusstwerdung

Der eigenen globalen Verantwortung

Ein Europa der Veränderung

Das sich öffnet zu Austausch und Verständigung

Gegenseitige Wertschätzung

wird dabei unsere größte europäische Herausforderung

Und Wertschätzung heißt

Den Wert des Andern sehn

Statt zu be-werten

Offen Lernende zu sein

Statt abgeklärte Experten

Teilen statt verur-teilen

So kann Neues entstehen statt Scherben

Ich wünsch' mir, dass wir neu suchen statt gefunden glauben

Immer wieder hinterfragen statt uns in Endlosschlaufen kaputtzulaufen

Ich wünsch' mir, dass wir falsch und richtig nicht mehr debattieren

Sondern Anderes als anders

Und nicht mehr oder weniger wert akzeptieren

Ich wünsch' mir, dass wir uns befreien aus der Bevormundung von Medien

Aus der unsichtbaren Herrschaft von Banken und Unternehmen

Ich wünsch mir, dass nicht mehr Wirtschaft Politik macht

Sondern eine Gesellschaft wird, die sich selbst erschafft

Ich wünsch' mir, dass wir unser buntes Haus wieder selbst gestalten

In dem nicht das Kapital sondern wir in Solidarität die Kassen verwalten

Ein Haus gebaut aus Menschen und nicht aus Theorie

Ein buntes Haus des Lebens, der Toleranz und Utopie

Eine Gesellschaft, die sich selbst erträumt

Eine Gesellschaft, die Handeln nicht versäumt

Ich wünsch' mir, dass wir das Europa der Mächtigkeit

Verwandeln in ein Europa der Menschlichkeit

Ich wünsch' mir, dass wir uns als Werdung begreifen

Als Prozess, im Wachsen, denn jede gute Frucht muss reifen

Und ich vertraue auf diesen langsamen

Aber wertvollen Prozess

Und wir sind längst auf dem Weg

Danke, dass Sie da sind auf diesem Demokratiekongress.