Seminar

Interethnische Verhältnisse im Sinne der Versöhnung

Die Internationale Konferenz „Interethnische Verhältnisse im Sinne der Versöhnung” fand am Donnerstag, den 29. April 2010 im Institut für Gesellschaftswissenschaften in Belgrad statt.

Details

An der Konferenz nahmen 20 hauptsächlich junge Wissenschaftler sowie Vertreter der Konrad Adenauer Stiftung aus vier Ländern teil: Kroatien, Deutschland, Polen und Serbien. Aus Serbien waren, neben den Organisatoren, auch Vertreter des Ethnographischen Instituts der serbischen Akademie der Wissenschaft und Künste, der Universität in Belgrad (der Philosophischen Fakultät und der Fakultät der politischen Wissenschaften) und Vertreter der Universität in Novi Sad dabei.

Die Konferenz haben Prof. Dr. Aleksandar Boskovic im Namen des Instituts für Gesellschaftswissenschaften und Herr Henri Bohnet im Namen der Konrad Adenauer Stiftung eröffnet.

Der Arbeitsteil der Konferenz war in drei Abschnitte aufgeteilt mit jeweils einem Hauptredner und mit Diskussionen zu den Vorträgen. Im letzten Teil der Konferenz fand eine allgemeine Diskussion statt.

Im ersten Teil „Status der nationalen Minderheiten in Serbien als Faktor der internationalen Zusammenarbeit“ war die Hauptrednerin Dr. Nada Raduski aus dem Institut für Gesellschaftswissenschaften. Sie hat sich besonders auf die demographischen Faktoren und deren Einfluß auf internationale Beziehungen konzentriert. An der Diskussion haben Dr. Mladen Prelic und Prof. Dr. Jovan Komsic teilgenommen. Das Thema des zweiten und dritten Teils war „Die Versöhnung in einer breiten europäischen Perspektive.“ Den Einführungnsvortrag im zweiten Teil hielt Prof. Dr. Jerzy Wiatr von der Universität in Warschau. Er sprach über die deutsch-polnische Versöhnung („Bewältigung der tragischen Vergangenheit“). Professor Wiatr widmete seine besondere Aufmerksamkeit der symbolischen Geste des damaligen deutschen Kanzlers Willy Brandt, aber er betonte auch die Arbeit und den Einfluss der Personen, die nach ihm die wahrhaftige Versöhnung ermöglicht haben, so dass heute die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland in vielerlei Hinsicht ein Beispiel guter Nachbarschaftsbeziehungen darstellt. Dies war eine gute Einführung in das Gespräch zum Thema der guten Nachbarschaftsbeziehungen in der Region des ehemaligen Jugoslawien. An der Diskussion nahmen Dr. Marina Simic, Dr. Vjeran Pavlakovic und Herr Zvonimir Cicak teil.

Aufgrund ihrer Forschungsarbeit in Belgrad, Novi Sad und Subotica sprach Dr. Simic über die Konstruktion der Identität zwischen den jungen Serben, die sich selbst als „Kosmopoliten“ sehen. Dr. Pavlakovic gab das Beispiel der unterschiedlichen Kennzeichen (wie Denkmäler), die von den Angehörigen der verschiedenen Nationen auf spezifische, häufig entgegengesetzte, Art und Weise deuten. Herr Cicak widmete seine Aufmerksamkeit den aktuellen kroatisch-serbischen Beziehungen und kritisierte am meisten die Vertreter der Machtorgane in den beiden Ländern, weil sie, seiner Meinung nach, den extremistischen und sogar faschistischen Erscheinungen zu wenig Aufmerksamkeit schenken (dabei erwähnte er vor allem Beispiele von Sportveranstaltungen). Er kritisierte auch die Geschichtslehrbücher in den beiden Ländern, in welchen das eine Volk glorifiziert und das anderen erniedrigt wird. Der Einführungsredner bei der dritten Sitzung war Professor Dr. Franz-Lothar Altmann von der Universität in Bukarest, der über die deutsch-französische Versöhnung sprach. An der Diskussion beteiligten sich Dr. Ognjen Pribićević, Herr Marko Pišev und Fräulein Antonija Petričušić. Dr. Pribićević sprach über ein relativ optimistisches Bild der Entwicklung in der Region und verwies auf die große Verbindung von Serbien und Kroatien in vielen Bereichen wie etwa der kulturellen und touristischen Zusammenarbeit. BA Petričušić sprach über die Mechanismen des Monitorings der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), sowie über die praktischen Einflüsse eines solchen Monitoringsystems auf den Schutz der Minderheitenrechte in den Ländern des Westbalkans.

An der generellen Diskussion beteiligten sich auch einige junge Mitarbeiter des Instituts für Gesellschaftswissenschaften (Ljubomir Hristić, Suzana Ignjatović, Zoran Pavlović und Irena Ristić) sowie auch Frau Helena Zdravković-Zonta, unabhängige Wissenschaftlerin aus Triest. Den Ton in der generellen Diskussion gaben zunächst BA Ristić und Herr Čičak an mit ihren einigermaßen pessimistischen Feststellungen darüber dass es im Balkan an einer adäquaten Vision der künftigen zwischennationalen Beziehungen mangelt und dass es auch keine politischen Persönlichkeiten gibt, die über die Kraft und Integrität eines Willy Brandt verfügen würden. BA Hristic reagierte darauf und sagte, dass Kollege Pribićević in seinem Vortrag eine (nicht die einzige) nachhaltige Lösung für die Pazifizierung des postjugoslawischen Raums dargestellt hat, ohne sich in die Vergleiche der Umstände auf dem Balkan mit den Kontexten und den zeitlich unmeßbaren Situationen einzulassen (wie etwa die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland, zwischen Deutschland und Frankreich, der Akt Brandts etc.). Die Verbindung der kroatischen und serbischen Interessen, die schon anhand der bestehenden Zusammenarbeit offensichtlich sind, würde auch andere Lösungen nahe legen. Darauf reagierte Herr Čičak mit Betonung der praktischen Illusion innerhalb einer solchen Idee und illustrierte das mit Beispielen der Abschottung des kroatischen Marktes gegenüber den Wirtschaftssubjekten aus Serbien und mit einem ähnlichen

Verhältnis des slowenischen Staates gegenüber der kroatischen Wirtschaft. In seiner Antwort betonte MA Hristić, dass Herr Čičak die wichtigste These aus dem Vortrag von Dr. Pribićević herausgenommen hat: Die These, die das Interesse der beiden Staaten für die europäische Integration betont, in welcher gerade solch althergebrachte Konkurrenzpraxis, wie etwa die eines „ökonomischen Rassismus“, nicht nur gegenstandslos sind sondern auch strengstens bestraft werden.

Der Hauptredner des dritten Teils war Prof. Dr. Franz-Lothar Altmann von der Universität in Bukarest. Er sprach über die deutsch-französische Versöhnung. An der Diskussion nahmen Dr. Ognjen Pribicevic, Herr Marko Pisev und Frau Antonija Petricisic teil. An der allgemeinen Diskussion nahmen auch einige jüngere Wissenschaftler des Instituts für Gesellschaftswissenschaften teil (Ljubomir Hristic, Suzana Ignjatovic, Zoran Pavlovic und Irena Ristic) wie auch Frau Helena Zdravkovic-Zonta, unabhängige Wissenschaftlerin aus Triest.

Die Konferenz hat einen lebhaften Dialog über ein äußerst interessantes Thema initiert. Es muß besonders betont werden, dass das Thema der interethnischen Beziehungen auch in einem breiten Kontext, dem europäischen Kontext, behandelt wurde, wozu die Professoren Wiatr und Altmann mit ihrer enormen Erfahrung ihren Beitrag leisteten. Zum nichtakademischen, praktisch-politischen Aspekt haben die (phasenweise sehr provokativen) Diskussionsbeiträge von Herrn Cicak, dem Vorsitzenden des Kroatischen Helsinki Kommitees beigetragen. Das Problem der interethnischen Beziehungen wird noch detaillierter im einer Sammlung verschiedener Texte im Zusammenhang mit der Konferenz behandelt. Diese Sammlung soll bis Ende des Jahres veröffentlicht werden. In diesem Buch werden auch die Texte zweier Kolleginnen veröffentlicht, die aus gesundheitlichen Gründen an der Konfenenz nicht teilnehmen konnten.

Die Konferenz wurde von Anfang an von den Medien verfolgt – Dr. Boskovic hatte am 28. April im Nachtmittagsprogramm des Fernsehsenders Studio B die Konferenz angekündigt und Vertreter vieler Medienhäuser waren bei der Konferenz anwesend. Der Fernsehsender B92 hat die Gespräche mit den Professoren Wiatr und Altmann und mit Herrn Cicak aufgenommen und sie in den folgenden Tagen im Nachrichtenprogramm ausgestrahlt. Einen Teil der Vorträge hat der dritte Kanal des Rundfunks Belgrad aufgenommen. Sie werden in ihrem wissenschaftlichen Programm ausgestrahlt. Die Tageszeitung Danas hat ein Interview mit Herrn Altmann (in der Ausgabe vom 4. Mai) veröffentlicht, genauso wie die Wochenzeitschrift NIN in der Ausgabe vom 6. Mai. Die Veröffentlichung in NIN hat besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen und wurde als sehr erfolgreich bewertet. So eine große Medienaufmerksamkeit, die für ähnliche Konferenzen in Serbien eher unüblich ist, wird bestimmt auf die zukünftige Stellungnahme der Medien gegenüber den Projekten dieser beiden Institutitonen Einfluß ausüben.

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Belgrad

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Jelena Jablanov Maksimović

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