Außenwirtschaft

Die rasante Entwicklung der Transport-, Informations- und Kommunikationstechnologien hat in den vergangenen Jahrzehnten den Grad an internationaler Verflechtung – und zwar sowohl im Bereich des Außenhandels (reale Außenwirtschaft) als auch bei den internationalen Kapitaltransaktionen – ständig zunehmen lassen, was zumeist mit dem Schlagwort „Globalisierung“ gekennzeichnet wird. Die Außenhandelstheorie beschäftigt sich dabei insbesondere mit den Bestimmungsgründen (Ursachen) und den Wirkungen des internationalen Handels. Bei den Wirkungen geht es wiederum primär um die strukturellen Veränderungen und Anpassungen der Güterproduktion und –nachfrage, um die Veränderung der Faktorpreise (hier insbesondere der Lohnsätze), der Beschäftigung und insgesamt um die Wohlstandsentwicklung. Die Analysen der internationalen Tauschwirtschaft sind überwiegend mikroökonomisch, indem einzelne Güter, die importiert oder exportiert werden, auf der Angebots- und Nachfrageseite untersucht werden.

Demgegenüber beschäftigt sich die Außenhandelspolitik mit den staatlichen und supranationalen Maßnahmen und Beziehungen (z.B. der EU, der WTO), die Einfluss auf die Gestaltung des internationalen Güteraustauschs haben. Supranationale Institutionen wie die WTO verfolgen dabei in der Regel das Ziel, die Prinzipien offener Märkte international durchzusetzen. Nationale Regierungen und vielfach auch die EU beschränken hingegen eher den internationalen (Frei-)Handel mit Maßnahmen wie Zöllen und Subventionen, um so indirekt Ziele der „nationalen“ Wirtschaftspolitik zu realisieren (z.B. Schutz der heimischen Produktion und Beschäftigung).

Im Gegensatz dazu werden im Rahmen der internationalen Währungsbeziehungen (monetäre Außenwirtschaft) Geld und in Geld ausgedrückte Preise berücksichtigt. Dadurch kann der Schwerpunkt der Analyse von einzelnen Gütern und Faktoren sowie deren Preisen auf Aggregate erweitert werden. Hierzu zählen etwa die gesamtwirtschaftliche Produktion, die Nachfrage, das Preisniveau, das Export- und Importvolumen sowie das Beschäftigungsniveau und das Volkseinkommen. Zugleich entstehen damit aber auch neue Probleme:

  • Dem realen Strom von Waren und Dienstleistungen steht nun ein finanzieller Strom entgegen, der zum Teil aus Geld und zum Teil aus Krediten besteht.
  • Reine Finanztransaktionen sind möglich, und sie machen mittlerweile den weit überwiegenden Teil der internationalen Transaktionen aus.
  • Da die Länder in der Regel (Ausnahme etwa Euro-Länder) eine eigene Währung haben, muss bei internationalen Transaktionen ein Austausch erfolgen. Diese Funktion übernehmen Devisenmärkte, an denen sich Wechselkurse als das Tauschverhältnis nationaler Zahlungsmittel zueinander bilden.
Der internationale (Waren-)Handel hat nach dem 2. Weltkrieg einen ungeahnten Aufschwung erlebt. So sind die Weltexporte zwischen 1948 und 2011 von 59 Mrd. US-$ auf 17.816 Mrd. US-$ gestiegen. Dabei ist es zu einer hohen intraregionalen wirtschaftlichen Verflechtung in Nordamerika, Europa und Asien gekommen, die in der Regel um ein Vielfaches größer ist als der Handel zwischen diesen Regionen (siehe Übersicht 1). Ein Teil dieser Entwicklung ist zweifelsfrei auf (formale) regionale Handelszusammenschlüsse zurückzuführen. So entsprechen die Länder Nordamerikas zugleich den Mitgliedern der North American Free Trade Association (NAFTA). Die 27 Mitgliedsländer der EU als Teil Europas betreiben 64,7 Prozent ihres gesamten Handels untereinander, der MERCOSUR Südamerikas kommt auf einen Intra-Block-Handel von 15,3 Prozent und der ASEAN-Zusammenschluss in Asien auf 25,4 Prozent. Diese Zahlen zeigen ferner, dass neben formalen handelspolitischen Zusammenschlüssen insbesondere auch die räumliche Nähe eine bedeutende Rolle für die internationalen Handelsbeziehungen zu spielen scheint. 2011 wickelte Deutschland etwa 60 Prozent seiner Exporte und 55 Prozent seiner Importe mit den anderen Mitgliedsländern der EU ab.

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Betrachtet man die Warenstruktur, so entfallen von den Weltexporten des Jahres 2011 nur 9,3 Prozent auf landwirtschaftliche Produkte, 22,5 Prozent auf Brennstoffe sowie Bergbauprodukte und 64,6 Prozent auf Industrieprodukte. Der internationale Handel hat sich dabei zunehmend von dem traditionellen Muster des vertikalen Tauschs (Rohstoffe gegen Fertigprodukte = inter-industrieller Handel) entfernt. Stattdessen ist es zunehmend zum wechselseitigen Tausch von Industrieerzeugnissen (Tausch von Produkten derselben Industrie = intra-industrieller Handel) gekommen.

Grundsätzlich lebt der Außenhandel von den (relativen) Unterschieden zwischen den Ländern. Unterschiede können dabei im Bereich des inter-industriellen Handels, der von homogenen Produkten (vollkommene Märkte) ausgeht, insbesondere auftreten als:

  1. Kostenunterschiede: Dasjenige Land, das ein Produkt mit komparativ (relativ) niedrigeren Kosten produzieren kann, wird zum Exportland für das betreffende Gut. Als Ursache für die Kostensituation in den beteiligten Ländern hat David Ricardo (1777-1823) die Produktivität der Faktoren (insbesondere die Arbeitsproduktivität) betont, während Eli Heckscher (1879-1952), Bertil Ohlin (1899-1979) und Paul Samuelson (1915-2009) die mengenmäßige Ausstattung mit Produktionsfaktoren in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen. Bei Ricardo wird ein Land in einem Produktionsbereich dann zum Exportland, wenn es – im Vergleich zum Ausland – die höhere Arbeitsproduktivität aufweist. Aufgrund der höheren Produktivität können mehr Produkte erstellt werden, die den (Autarkie-) Preis sinken lassen. Heckscher, Ohlin und Samuelson gehen hingegen davon aus, dass ein Land in denjenigen Produktionsbereichen Preisvorteile haben wird und damit zum Exportland wird, in die der reichlich vorhandene und damit billigere Produktionsfaktor in überwiegendem Maße einfließt.

  2. Nachfrageunterschiede: Fragen die Wirtschaftssubjekte eines Landes ein Gut stärker nach als das Ausland, so liegt der Autarkiepreis im Inland höher als im Ausland und das Inland wird zum Importland, weil es einen Teil der höheren Nachfrage aus dem Ausland befriedigt.

  3. Unterschiedliche Wettbewerbsverhältnisse: Besteht im Inland – unter sonst gleichen Bedingungen – in der Autarkiesituation eine Monopolstellung, während im Ausland wettbewerbliche Verhältnisse herrschen, so wird der Monopolpreis im Inland höher ausfallen als der entsprechende Auslandspreis bei Konkurrenz. Kommt es zum internationalen Handel, kann die Monopolstellung im Inland aufgebrochen werden und durch Importe ein Konkurrenzgleichgewicht bei internationalem Handel zustande kommen.

  4. Nichtverfügbarkeit: Nichtverfügbarkeit in einem Land lässt sich als unendlich großer Kostennachteil interpretieren und kann somit als ein Sonderfall unter Punkt 1 aufgefasst werden. Sie kann kurzfristig z.B. aufgrund von Missernten zustande kommen. Längerfristige Nichtverfügbarkeit hat häufig fehlende natürliche Ressourcen zur Ursache. Mittelfristige Nichtverfügbarkeit lässt sich durch den auf Joseph Schumpeter (1883-1946) zurückgehenden dynamischen Wettbewerbsprozess (technology-gap) begründen. Solange nämlich ein Unternehmen eine temporäre Monopolstellung aufgrund von technischen Innovationen besitzt, kann in anderen Ländern Nichtverfügbarkeit entsprechender Güter auftreten. Erst durch nachziehende Unternehmer (Imitatoren) im In- oder Ausland kann diese Situation überwunden werden.
Im Bereich des intra-industriellen Handels steht die Produktdifferenzierung und damit der Handel mit heterogenen Produkten (unvollkommene Märkte) als primärer Erklärungsansatz für die nationalen Differenzen im Vordergrund. Dabei unterscheidet man zwischen horizontaler (unterschiedliche Merkmalsausprägungen von Produkten) und vertikaler Differenzierung (unterschiedliche Qualität von Produkten). Der internationale Austausch in Form des (horizontalen) intra-industriellen Handels kommt zustande, weil die Konsumenten (mit steigendem Einkommen) eine immer größere Produktvielfalt wünschen, die sich durch den Konsum unterschiedlicher Produktvarianten des In- oder Auslands befriedigen lässt.

Bei dem Übergang von einer Autarkiesituation zum internationalen Freihandel treten verschiedene Anpassungsprozesse und Wirkungen in den beteiligten Volkswirtschaften auf. So geht – bei inter-industriellem Handel – im Bereich der Importgüter die Inlandsproduktion aufgrund der erhöhten Auslandskonkurrenz zurück. Zugleich ermöglicht aber der internationale Handel, dass die Tauschmöglichkeiten erhöht werden, weil ein Konsum über die inländischen Produktionsgrenzen hinaus möglich wird (Tauschgewinne). Verbesserte Absatzchancen eröffnen sich dem Inland hingegen im Bereich der Exportgüter durch die Öffnung der Auslandsmärkte. Hierin kommt zunächst einmal zum Ausdruck, dass der internationale Handel zu einer Spezialisierung in diejenigen Bereiche führt, in denen ein Land über Preisvorteile verfügt (Spezialisierungsgewinne). Zu analogen Wirkungen kommt es auch bei (horizontalem) intra-industriellen Handel. Auf der Nachfrageseite führt der internationale Austausch zu einer größeren Produktvielfalt, die zugleich eine bessere Befriedigung der Nachfragepräferenzen gewährleistet (Tauschgewinne). Führt der internationale Handel ferner zu Anpassungsprozessen, weil Produzenten durch Importkonkurrenz aus dem Markt verdrängt werden, dann wird sich die Zahl der in jedem Land produzierten Produktvarianten vermindern. Dies eröffnet dann aber auch die Möglichkeit, dass die verbliebenen Anbieter – aufgrund der auf sie entfallenden größeren Nachfrage – economies of scale (Größenvorteile bei der Produktion) erwirtschaften können, die zu Preissenkungen genutzt werden können (Spezialisierungsgewinne).

Das Problem der zuvor beschriebenen Anpassungsprozesse besteht nun darin, die im Bereich der Importgüter nicht mehr benötigten Produktionsfaktoren möglichst schnell und friktionslos in diejenigen Exportbereiche zu integrieren, in denen eine erhöhte Nachfrage nach Produktionsfaktoren auftritt. Die beiden Hauptprobleme in diesem Zusammenhang bilden die räumliche und sachliche (Im-)Mobilität der Produktionsfaktoren. Je weniger die vorhandenen und gewünschten Anforderungsprofile hinsichtlich Ausbildung, Einsatzort, usw. zusammenfallen, desto schwieriger wird die Reallokation der Produktionsfaktoren. Bei intra-sektoralem Handel erwartet man oftmals geringere Anpassungsprobleme, da Import- und Exportbereich ähnliche Produktgruppen umfassen. Demgegenüber erwartet man bei inter-sektoralem Handel aufgrund sehr unterschiedlicher Import- und Exportbereiche (z. B. Schuhe und Computer) wesentlich größere Probleme bei der Reallokation der Produktionsfaktoren. Bereits eine unilaterale (einseitige) Liberalisierung im Importbereich führt zu einer Wohlfahrtssteigerung im Inland wie im Ausland. Noch größer sind die Wohlfahrtsgewinne für alle Beteiligten allerdings bei einer multilateralen Liberalisierung, weil sich die Reallokation dann nicht nur auf den Bereich der Importgüter- konzentriert, sondern auch die Exportgüterproduktion einbezieht. Die Spezialisierungsgewinne erhöhen die Realeinkommen und vergrößern die Nachfrage nach Dienstleistungen und anderen Binnengütern; deren Produktion wächst und fragt Produktionsfaktoren nach.

Internationaler Freihandel, der auf den zuvor erläuterten Prinzipien beruht, ist – auf uni- wie auf multilateraler Ebene – protektionistischen Handelspraktiken eindeutig überlegen. Gleichwohl werden immer wieder Argumente gegen Freihandel und damit für Protektionismus vorgebracht. Dabei kann man zwischen ökonomischen Argumenten – zum Beispiel: Schutz der inländischen Produktion und Beschäftigung; Schutz vor zu niedrigen Lohnsätzen im Ausland (Lohndumping); vor falschen Wechselkursen (Valutadumping) – und politisch-strategischen Argumenten unterscheiden. Hierzu gehört die Gewährleistung einer bestimmten (Mindest-) Versorgung – zum Beispiel in der Landwirtschaft. Bestandsaufnahmen protektionistischer Maßnahmen zeigen daher, dass der internationale Handel immer noch deutlich vom Ideal des weltweiten Freihandels entfernt ist.

Protektionistische Instrumente lassen sich nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifizieren. Eine Möglichkeit besteht darin, zwischen den „klassischen” oder „traditionellen” Instrumenten und dem „neuen Protektionismus” zu unterscheiden. Zu den klassischen Instrumenten gehören Zölle (tarifäre Handelshemmnisse) und mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen (Kontingente). Alle übrigen Maßnahmen zur Beschränkung des internationalen Handels lassen sich im Kern auf diese beiden Instrumente zurückführen.

Daneben gibt es zahlreiche Formen des so genannten neuen Protektionismus, auch als nicht-tarifäre Handelshemmnisse bezeichnet, zu denen insbesondere folgende Maßnahmen gehören:

  • Subventionen,
  • diskriminierende Zollwertermittlung,
  • technische Vorschriften (Normen und Standards),
  • Exportselbstbeschränkungsabkommen,
  • administrative Hemmnisse durch die Importverwaltung.
Nahezu alle Ökonomen sind sich einig, dass internationaler Freihandel zu einer effizienten Ressourcenallokation führt und die Wohlfahrt der beteiligten Länder optimiert. Die Vorteile des internationalen Handels lassen sich dabei insbesondere zurückführen auf:

  • Spezialisierungs- und Tauschgewinne gemäß komparativer Kostenvorteile,
  • Skalenvorteile aufgrund größerer Märkte,
  • zunehmende Produktvielfalt und bessere Befriedigung der Nachfragepräferenzen,
  • Ideenaustausch durch Kommunikation und Wanderung,
  • Technologietransfer durch Investitionen und Güteraustausch sowie
  • erhöhte Innovationsanreize.
An dieser grundsätzlichen Einschätzung haben auch die neuere Forschungsergebnisse im Bereich der Handelspolitik bei unvollkommenen (oligopolistischen) Märkten nichts geändert. Der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman begründet allerdings das Freihandelsprinzip nicht mehr mit der Markteffizienz allgemein, sondern damit, dass die Wirtschaftspolitik – insbesondere aufgrund von Informationsmängeln – genau so unvollkommen ist wie die Märkte, in die sie eingreifen will. Da man die Wirkungen folglich nicht hinreichend abzuschätzen vermag, bildet das Freihandelsprinzip auch für ihn als „Daumenregel“ immer noch das überlegene Konzept der Handelspolitik. Diese theoretischen Erkenntnisse werden ferner durch zahlreiche empirische Studien eindrucksvoll gestützt.

Staaten können dabei die Verwirklichung des Freihandelszie ls auf weltwirtschaftlicher Ebene unter Beteiligung möglichst aller Welthandelsländer (Multilateralismus) oder auf regionaler Ebene unter Beteiligung einer begrenzten Gruppe von Beitrittsstaaten (Freihandelsabkommen/Zollunion) wie etwa der EU (Regionalismus) anstreben. Der Multilateralismus findet seinen Niederschlag insbesondere in der internationalen Handelsordnung, deren Bestimmungen von der Welthandelsorganisation (WTO) geschaffen und beaufsichtigt werden.

Die Grundlage der monetären Außenwirtschaftsbeziehungen bilden die Zahlungsbilanz und der Wechselkurs. In der Zahlungsbilanz werden die Transaktionen des Inlands mit dem Ausland – geordnet nach bestimmten Kriterien – zusammengestellt. Als Inländer gelten Wirtschaftseinheiten, die ihren ständigen Wohnsitz oder Aufenthaltsort in dem betreffenden Land haben. Nicht zu den Inländern zählen u.a. Mitarbeiter im diplomatischen Dienst, ausländische Studierende und Angehörige ausländischer Streitkräfte. Ausländische Unternehmen und Gastarbeiter werden demgegenüber als Inländer angesehen. Die Verbuchung der Transaktionen geschieht nach dem Prinzip der doppelten Buchführung. Hierbei werden auf der Aktivseite alle Vorgänge verbucht, die zu Zahlungseingängen führen, wie der Export von Waren und Dienstleistungen, unentgeltliche Übertragungen aus dem Ausland, der Import von Kapital und Devisenverkäufe durch die Zentralbank. Auf der Passivseite werden alle Vorgänge erfasst, die Zahlungsausgänge auslösen. Hierzu gehören etwa der Import von Waren und Dienstleistungen, unentgeltliche Übertragungen an das Ausland, der Export von Kapital und Devisenkäufe durch die Zentralbank. Im Gegensatz zur üblichen Terminologie bei Unternehmensbilanzen werden in dieser Bilanz keine Bestands-, sondern nur Stromgrößen (Zahlungsein- und Zahlungsausgänge) erfasst. Übersicht 2 zeigt die Zahlungsbilanz des Euro-Währungsgebiets für das Jahr 2012.

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Da die Zahlungsbilanz nach dem Prinzip der doppelten Buchführung erstellt wird, muss sie im periodischen Sinne stets ausgeglichen sein. Obwohl es im alltäglichen Sprachgebrauch ständig geschieht, ist es deshalb streng genommen nicht statthaft, von einem Defizit oder einem Überschuss der Zahlungsbilanz zu sprechen. Gemeint sind dann gewöhnlich Salden in Teilbilanzen (Handels-, Leistungs- Kapitalbilanz), und zwar oft, ohne sie hinreichend genau abzugrenzen und zu benennen. Um Anpassungsprozesse an veränderte außenwirtschaftliche Situationen untersuchen zu können, benötigt man daher ein anderes Zahlungsbilanzkonzept. Dies bildet die Marktzahlungsbilanz, in der alle auf privaten Transaktionen beruhende Angebote und Nachfragen nach Devisen zum jeweiligen Wechselkurs gegenübergestellt werden. Ein Zahlungsbilanzgleichgewicht liegt demnach dann vor, wenn sich die (privaten) Zahlungseingänge und -ausgänge eines Landes ohne direkte Einflussnahme der Währungsbehörden (Zentralbanken) die Waage halten. Die so abgegrenzten Zahlungseingänge und -ausgänge bezeichnet man auch als autonome Transaktionen.

Beim Wechselkurs unterscheidet man zwei Notierungen:

  • Mengennotierung: Sie gibt an, welche Menge an ausländischen Währungseinheiten mit einer Einheit der heimischen Währung erworben werden kann (z.B.: 1,25 $/1 €). Die Mengennotierung gilt seit Jahresbeginn 1999 für alle EUR-Wechselkurse gegenüber anderen Währungen.
  • Preisnotierung: Sie gibt den Preis in heimischer Währung für eine Einheit der ausländischen Währung an (z.B.: 0,80 €/1 $). Dabei entspricht der Wechselkurs in der Preisnotierung dem reziproken Wert des Wechselkurses in der Mengennotierung und umgekehrt.
Im Rahmen der monetären Außenwirtschaftstheorie wird vor diesem Hintergrund untersucht, wie volkswirtschaftliche Datenänderungen auf den Devisenmarkt wirken, dort ein Ungleichgewicht im Sinne der Marktzahlungsbilanz entstehen lassen, und wie sich der Devisenmarkt an die veränderte Situation anpasst – und zwar entweder bei festen oder bei flexiblen Wechselkursen. Diese Anpassung ist gewöhnlich gemeint, wenn man von einem Zahlungsbilanzausgleich spricht. Dabei ist von Bedeutung, ob dieser Zahlungsbilanzausgleich gegenüber jedem anderen Land einzeln zu erfolgen hat (Bilateralismus), ob der Zahlungsbilanzausgleich gegenüber verschiedenen Ländern oder Ländergruppen zu erzielen ist (regionaler Ausgleich) oder ob schließlich die Zahlungsbilanz gegenüber allen Ländern zusammen ausgeglichen sein muss (Multilateralismus).

Aufgabe der internationalen Währungsordnung ist es, die aus dem internationalen Handels- und Kapitalverkehr resultierenden Zahlungsströme zu sichern. Hierzu ist es erforderlich, dass kein Land längerfristig mehr Zahlungen an das Ausland leisten muss, als es Zahlungen vom Ausland empfängt. Die Grundelemente der internationalen Währungsordnung umfassen dabei das Wechselkurssystem, die Reserveversorgung, die Konvertibilitätsregeln sowie die Anpassungsregeln bzw. -wirkungen. Zugleich gilt es aber auch, die währungspolitischen Möglichkeiten und Grenzen der beteiligten Länder aufzuzeigen.

Das Leitbild des internationalen Freihandels sowie freier Kapital- und Devisenmärkte stellt somit auf weltwirtschaftlicher Ebene das Organisationsprinzip dar, das dem binnenwirtschaftlichen Leitbild eines marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmens entspricht.

Tabelle: Zahlungsbilanz Deutschland 2012 (in Mio. EUR)

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Literaturhinweise:

  • KRUGMAN, P./OBSTFELD, M. (2004), Internationale Wirtschaft, 6. Aufl., München;
  • SIEBERT, H. (1997), Weltwirtschaft, Stuttgart;
  • WILLMS, M. (1995), Internationale Währungspolitik, München;
  • WTO (2012), International Trade Statistics, Genf.
Heinz-Dieter Smeets