Betriebliches Rechnungswesen: Grundbegriffe

Unter Rechnungswesen als Teildisziplin der Betriebswirtschaftslehre wird die zahlenmäßige Abbildung von wirtschaftlichen Sachverhalten zu einem Zeitpunkt oder für einen Zeitraum verstanden. Zur Bezeichnung und Abgrenzung von Güterbeständen, Schulden, Eigenkapitalströmen etc. eines Unternehmens sind Begriffe definiert worden, die zum Teil auch umgangssprachlich verwendet werden. In der ökonomischen Sprechweise werden die vier folgenden Rechengrößen unterschieden:

Einzahlungen und Auszahlungen

Jeder Vorgang, der den Bestand an liquiden Mitteln (z.B. Kassenbestände, Guthaben bei Kreditinstituten, Schecks etc.) eines Unternehmens erhöht, wird als Einzahlung, jeder Vorgang, der zu einer Abnahme der liquiden Mittel führt, wird als Auszahlung bezeichnet. Die Differenz von Ein- und Auszahlungen heißt Zahlungsüberschuss bzw. Cashflow. Auf diesem Basisrechnungssystem beruht die Investitions- und Finanzierungsrechnung. Beispiel: Ein Unternehmen verkauft ein Produkt im Wert von 10.000 Euro an einen Kunden, der sofort bar bezahlt. Die liquiden Mittel haben sich erhöht, es hat also eine Einzahlung in Höhe von 10.000 Euro stattgefunden.

Einnahmen und Ausgaben

Einnahmen bezeichnen den geldlichen Wert von veräußerten Gütern und Dienstleistungen, Ausgaben den geldlichen Wert von zugegangenen Gütern und Dienstleistungen. Es liegt also eine Einnahme (Ausgabe) dann vor, wenn das Geldvermögen (liquide Mittel sowie Forderungen abzüglich der Verbindlichkeiten) durch einen Geschäftsvorfall erhöht (vermindert) wurde. Die Differenz von Einnahmen und Ausgaben heißt Finanzsaldo. Beispiel: Ein Unternehmen verkauft am 1.6. Waren in Höhe von 10.000 Euro, die der Kunde abnimmt und bis zum 1.7. zu bezahlen hat. Am 1.6. findet keine Einzahlung statt, da sich die liquiden Mittel noch nicht erhöht haben. Das Unternehmen hat aber bereits am 1.6. eine Forderung gegenüber dem Kunden, so dass eine Einnahme von 10.000 Euro vorliegt.

Erträge und Aufwendungen

Erträge und Aufwendungen stellen die bewertete betriebliche Gütererstellung bzw. den bewerteten betrieblichen Güterverzehr innerhalb einer Abrechnungsperiode (Geschäftsjahr) dar. Es liegt dann ein Ertrag vor, wenn sich das Nettovermögen, d.h. die Summe aus Geldvermögen und Sachvermögen (z.B. Vorräte, Maschinen, Wertpapiere etc.), erhöht. Erträge führen zu Erhöhungen des Eigenkapitals, Aufwendungen zu Minderungen. Der Saldo von Erträgen und Aufwendungen heißt Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag. Die beiden Begriffe stellen auf die Zeitpunkte des Verbrauchs von Gütern bzw. der Entstehung von Gütern ab. Im Gegensatz dazu stellt die Einzahlungs-/Auszahlungsrechnung auf die Zeitpunkte der Bezahlung von bezogenen Gütern bzw. des Zahlungserhalts für gelieferte Güter und die Einnahmen-/Ausgabenrechnung auf die Zeitpunkte des Bezugs von Gütern bzw. der Lieferung von Gütern ab. Beispiel: Das Unternehmen verkauft Waren, die in der Finanzbuchhaltung mit 8.000 Euro bewertet sind, zu 10.000 Euro. Es entsteht eine Einnahme in Höhe von 10.000 Euro. In Höhe von 8.000 Euro findet eine Erhöhung des Geldvermögens, aber keine Erhöhung des Nettovermögens statt, weil eine gleich hohe Verminderung des Sachvermögens eintritt. Nur die Differenz zwischen höherem Verkaufspreis und Buchwert stellt eine Einnahme und einen über den entsprechenden Aufwand hinausgehenden Ertrag, also einen Nettovermögenszugang in Höhe von 2.000 Euro dar.

Auf diesen Rechengrößen basiert der handelsrechtliche Jahresabschluss, den Kaufleute in Deutschland unter Beachtung gesetzlicher Bestimmungen, insbesondere der Rechnungslegungsvorschriften des Handelsgesetzbuches, erstellen. Da dieser Jahresabschluss auch Unternehmensexternen (z.B. Lieferanten, Banken, Aktionären, Finanzamt) zur Verfügung steht, wird seine Erstellung auch als externes Rechnungswesen bezeichnet.

Erlöse (Leistungen) und Kosten

Im Gegensatz zu den bisher erläuterten Begriffspaaren, die vorwiegend im externen Rechnungswesen benutzt werden, sind Erlöse (oder Leistungen) und Kosten Grundlage der Kosten- und Leistungsrechnung. Die Kosten- und Leistungsrechnung ist Bestandteil des internen Rechnungswesens, das nicht an gesetzliche Vorschriften gebunden ist, unternehmensindividuell ausgestaltet werden kann und i. A. Außenstehenden nicht zur Verfügung steht. Leistungen sind die bewertete betriebliche Gütererstellung einer Periode, Kosten sind der bewertete betriebliche Güterverzehr, der Saldo wird als Betriebsergebnis bezeichnet. Erlöse und Erträge sowie Aufwendungen und Kosten stimmen nicht in vollem Umfang überein. Besonders deutlich wird dies bei dem in der Kostenrechnung üblichen Ansatz von sogenannten kalkulatorischen Kosten. Kosten, denen kein Aufwand oder Aufwand in anderer Höhe gegenübersteht, heißen kalkulatorische Kosten, weil sie eigens für die Kosten- und Leistungsrechnung kalkuliert werden. Man unterscheidet z.B. kalkulatorische Abschreibungen, kalkulatorische Zinsen, kalkulatorischen Unternehmerlohn, kalkulatorische Wagniskosten und kalkulatorische Miete. Beispiel: Die kalkulatorischen Zinsen sind die Zinsen, die das betriebsnotwendige Kapital bei alternativer Verwendung (z.B. bei Anlage in risikolose Wertpapiere) erbracht hätte. Berücksichtigt werden damit nicht ausschließlich Fremdkapitalzinsen, die beispielsweise für Kredite gezahlt werden müssen, sondern auch fiktive Zinsen auf das Eigenkapital. Das Eigenkapital muss zwar nicht tatsächlich verzinst werden, es verursacht aber unverzinst dennoch einen Nutzenentgang, weil es anderweitig gewinnbringend angelegt werden könnte (Alternativkosten, Opportunitätskosten).

Literaturhinweise

  • Busse von Colbe, W./ Pellens, B./ Crasselt, N. (2011), Lexikon des Rechnungswesens, 5. Aufl., München/Wien;
  • Coenenberg, A.G./ Fischer, T. M./ Günther, T. (2010), Kostenrechnung und Kostenanalyse, 7. Aufl., Stuttgart;
  • Engelhardt, W. H./ Raffee, H./ Wischermann, B. (2010), Grundzüge der doppelten Buchhaltung, 8. Aufl., Wiesbaden;
  • Wöhe, G. (2010), Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 24. Aufl., München.
Marc Richard