Der Begriff „Gewinn“, der im alltäglichen Sprachgebrauch synonym für Nutzen, Profit, Bereicherung etc. verwendet wird, ist in der Betriebswirtschaftslehre nicht eindeutig definiert. Vielmehr existiert eine Reihe von Gewinnbegriffen in Abhängigkeit von dem Zweck, der mit der Ermittlung des jeweiligen Gewinns verfolgt werden soll. Das Unternehmen ermittelt den Gewinn in der betrieblichen Kostenrechnung, um zu überprüfen, ob es mit den hergestellten Produkten oder Dienstleistungen zu den angebotenen Preisen erfolgreich war. Der Gewinn in der Handelsbilanz ist in der Regel eine Grundlage für die variable Vergütung von Managern, die Auszahlung von Dividenden an die Aktionäre einer Aktiengesellschaft und die Höhe von Steuerzahlungen an den Fiskus. Der Gewinn wird auch berechnet, um Unternehmensbeteiligte und die interessierte Öffentlichkeit über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu informieren. So leiten Gewerkschaftsvertreter Lohnforderungen teilweise in Abhängigkeit von der Gewinnsituation der Unternehmen ab, Arbeitnehmer ziehen Rückschlüsse auf die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, und Banken berücksichtigen den Gewinn bei der Kreditvergabeentscheidung.

Darüber hinaus existieren für den Gewinn unterschiedliche Berechnungsmethoden. Während der Großteil der Unternehmen in Deutschland den Gewinn nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) ermittelt, stellen viele große börsennotierte Konzerne schon seit Jahren ihren Konzernabschluss nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften (International Financial Reporting Standards, IFRS) auf. Seit dem Jahre 2005 sind alle kapitalmarktorientierten Konzerne in Europa zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach IFRS gezwungen. Davon unberührt ist in Deutschland der Einzelabschluss, der weiterhin nach HGB aufzustellen ist. Schließlich sind für die Ermittlung des steuerrechtlichen Gewinns teilweise vom HGB abweichende Vorschriften des Steuerrechts zu beachten. Es existieren also viele verschiedene Gewinngrößen. Das Gegenstück des Gewinns ist der Verlust.

Als Gewinn kommen grundsätzlich alle (positiven) Saldogrößen der grundlegenden Rechengrößen des betrieblichen Rechnungswesens, d.h. von Einzahlungen/Auszahlungen, Einnahmen/ Ausgaben, Erträgen/ Aufwendungen und Erlösen/ Kosten, in Betracht (Betriebliches Rechnungswesen: Grundbegriffe). Im externen Rechnungswesen wird unter Gewinn der Überschuss der Erträge über die Aufwendungen verstanden. Der handelsrechtliche Jahresabschluss, den Kaufleute aufstellen müssen, umfasst neben der Bilanz, die das Vermögen des Unternehmens abbilden soll, auch eine sogenannte Gewinn- und Verlustrechnung, welche die Erfolgsquellen aufzeigt. Im Gegensatz zur Bilanz, die eine zeitpunktbezogene Bestandsgrößenrechnung zum Geschäftsjahresende (Aufstellung zumeist zum 31.12. eines Jahres) darstellt, handelt es sich bei der Gewinn- und Verlustrechnung um eine zeitraumbezogene Stromgrößenrechnung (Auflistung aller Erträge und Aufwendungen vom 1.1. bis zum 31.12. eines Jahres).

Die detaillierte Ausgestaltung der Gewinn- und Verlustrechnung ist nur für Kapitalgesellschaften (z.B. Gesellschaft mit beschränkter Haftung, GmbH; Aktiengesellschaft, AG) gesetzlich geregelt. Einzelunternehmen und Personengesellschaften (z.B. Kommanditgesellschaft, KG; offene Handelsgesellschaft, OHG) haben lediglich die allgemeinen Grundsätze der Klarheit und Vollständigkeit zu beachten. In der Praxis orientieren sich viele Unternehmen dieser Rechtsformen an den gesetzlichen Vorschriften für Kapitalgesellschaften.

Die Gewinn- und Verlustrechnung des BMW Konzerns in verkürzter Form sieht für das Geschäftsjahr 2010 z.B. wie folgt aus:

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Die Gewinn- und Verlustrechnung soll verdeutlichen, ob und inwieweit das Hauptziel privater Unternehmen, nämlich das Gewinnziel, erreicht wurde. In der betriebswirtschaftlichen Literatur wird vertreten, dass das oberste Ziel eines Unternehmens in einer marktwirtschaftlichen Ordnung darin besteht, den Gewinn zu maximieren. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass das Gewinnmaximierungsprinzip nicht uneingeschränkt, sondern unter Beachtung von Nebenbedingungen, wie z.B. Kundenzufriedenheit, sozialer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern, Beachtung von Umweltschutzauflagen etc., verfolgt werden sollte.

Im Rahmen der Gewinn- und Verlustrechnung wird erneut deutlich, dass es keinen „wahren“ Gewinn gibt. Um beispielsweise Hinweise auf die Ertragskraft des Unternehmens losgelöst von der aktuellen Besteuerung zu erhalten, mag es Sinn machen, auf den (Konzern-)Jahresüberschuss vor Steuern als Gewinngröße abzustellen. Um sich ein genaueres Bild über den Erfolg der eigentlichen Geschäftstätigkeit eines Unternehmens zu verschaffen, wird in der Praxis häufig das Betriebsergebnis verwendet. Das Betriebsergebnis wird errechnet, indem der Jahresüberschuss bereinigt wird um nicht betrieblich verursachte, außerordentliche (z.B. Erträge aus der Veräußerung wesentlicher Beteiligungen), nicht regelmäßig auftretende, aperiodische (z.B. nachgezahlte Abgaben) sowie nicht mit dem eigentlichen Betriebszweck zusammenhängende Posten (z.B. Spenden für gemeinnützige Zwecke). Weit verbreitet ist auch die Ermittlung des operativen Ergebnisses (engl. „earnings before interest and taxes“, EBIT, genannt), also eines Gewinns vor Zins- und Steuerzahlungen. Häufig werden noch weitere Aufwendungen (Abschreibungen von Anlagevermögen und Firmenwert) addiert. Bei Unternehmensvergleichen wird dann auf das EBITDA („earnings before interest and taxes, depreciation and amortization“) abgestellt.

Neben den Gewinnkonzepten des Handelsrechtes und der Kosten- und Leistungsrechnung werden auch theoretische Gewinnkonzeptionen diskutiert. Nach der Theorie des ökonomischen Gewinns liegt ein Gewinn erst dann vor, wenn der sogenannte Ertragswert des Unternehmens am Ende des Wirtschaftsjahres größer ist als der zu Beginn des Wirtschaftsjahres, vorausgesetzt das Unternehmen hat keine Dividendenausschüttung vorgenommen. Der Ertragswert eines Unternehmens errechnet sich als Barwert aller zukünftigen Zahlungsströme, d.h. die zukünftigen Zahlungsströme werden mit einem Zinssatz auf den Betrachtungszeitpunkt abgezinst. Nur was über die für die Sicherung des Unternehmensgesamtwertes nötigen Beträge hinaus erwirtschaftet wird, gilt als Gewinn.

Im Rahmen der bilanztheoretischen Gewinnkonzeptionen ist insbesondere der Gewinn der statischen Bilanztheorie von dem der dynamischen Bilanztheorie zu unterscheiden. Die statische Bilanztheorie definiert den Gewinn eines Wirtschaftsjahres als Vermögenszuwachs. Ziel der dynamischen Bilanztheorie ist es, bei einem zeitlichen Auseinanderfallen von Ein-/ Auszahlungen einerseits und Erträgen/ Aufwendungen andererseits, dem Wirtschaftsjahr den richtigen Erfolg zuzuweisen. Der Gewinn errechnet sich danach als Differenz aus den dem Wirtschaftsjahr zuzurechnenden Erträgen und Aufwendungen.

Um Aussagen treffen zu können, ob ein Unternehmen in einem abgelaufenen Wirtschaftsjahr rentabel gewirtschaftet hat, ist es sinnvoll, die in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung enthaltenen Daten aufzubereiten und in Beziehung zueinander zu setzen. Die Untersuchung von Jahresabschlüssen mit dem Ziel, ein Urteil über die wirtschaftliche Lage und Entwicklung eines Unternehmens zu fällen, wird als Bilanzanalyse bzw. treffender als Jahresabschlussanalyse, bezeichnet. Im Rahmen dieser Analyse werden regelmäßig Kennzahlen gebildet, um relevante betriebswirtschaftliche Sachverhalte auch zwischen verschieden großen Unternehmen vergleichen zu können. Um die Gewinnsituation zu beurteilen, werden auf der Grundlage von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung häufig die Kennzahlen Eigenkapitalrentabilität, Gesamtrentabilität und Umsatzrentabilität errechnet, wobei in der Praxis vorher z. T. umfangreiche Bereinigungen des Zahlenmaterials vorgenommen werden.

Beispiel: Unter Hinzuziehung der folgenden Konzernbilanz von BMW für das Geschäftsjahr 2010 in verkürzter Form können die o.g. Kennzahlen berechnet werden.

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Literaturhinweise:

  • Busse von Colbe, W./ Pellens, B./ Crasselt, N. (2011), Lexikon des Rechnungswesens, 5. Aufl., München/Wien;
  • Coenenberg, A.G./ Haller, A./ Schultze, W. (2009), Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, 21. Aufl., Stuttgart;
  • Pellens, B./ Fülbier, R. U./ Gassen, J./ Sellhorn, T. (2011), Internationale Rechnungslegung, 8. Aufl., Stuttgart;
  • Wöhe, G. (2010), Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 24. Aufl., München.
Marc Richard