Industrie- und Handelskammern

Die Industrie- und Handelskammern sind als Körperschaften des öffentlichen Rechts die Interessenvertretung der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland gegenüber der Regional- und Bundespolitik. Die Industrie- und Handelskammern sind damit Ausdruck der Selbstverwaltung der Wirtschaft.

Die 80 Industrie- und Handelskammern repräsentieren das wirtschaftliche Gesamtinteresse auf Grundlage einer breiten Unternehmerschaft: 3,6 Mio. gewerbliche Unternehmen sind gesetzliche Mitglieder der IHKn.

Durch die Mitgliedschaft aller gewerblichen Unternehmen kann die gleichberechtigte Einflussnahme eines jeden Unternehmens garantiert werden. Eine Stimmengewichtung nach Größe, Umsatz oder Anzahl der Mitarbeiter gibt es nicht. Alle Unternehmen sind gleichermaßen stimmberechtigt.

Die Unternehmen wählen ihre Vertreter in die so genannte Vollversammlung der IHK. Die Vollversammlung wählt den Präsidenten, die Vizepräsidenten (so genanntes Ehrenamt). Die obligatorische Mitgliedschaft der Unternehmen in der lokalen IHK ermöglicht eine von staatlichen Zuschüssen autarke Arbeitsweise und sichert Objektivität und Vertrauenswürdigkeit.

Die Aufgaben der IHKs bestimmen sich nach dem IHKGesetz. Besonders zu erwähnen sind dabei zwei Aufgabenbereiche:

Zum einen die umfassende Betreuung des Gutachterwesens. Gerichte, Behörden und Private können sich an die IHKs wenden bei der Suche nach Sachverständigen auf über 200 Sachgebieten. Die IHKs garantieren dabei die Fachkompetenz des jeweiligen Sachverständigen. Zum anderen haben die IHKs eine herausragende Stellung für die Förderung, Verbesserung und Leistungsfähigkeit des Bildungswesens sowie des Aus- und Weiterbildungssystems in den Unternehmen. Ziel ist es, die Wettbewerbsvorteile durch qualifiziertes Personal zu verbessern.

Die IHKs bieten ihren Mitgliedern eine breite Palette von Informationen durch Veranstaltungen, Zeitschriften und andere Publikationen sowie durch persönliche Ansprechpartner vor Ort, die den Unternehmen zur Beratung zur Verfügung stehen. Damit leisten die IHKs einen wesentlichen Beitrag zur Effizienz innerbetrieblicher Strukturen sowie zur Verbesserung der Marktposition.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in Berlin ist die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern. Er nimmt durch Positionspapiere und Stellungnahmen Einfluss auf unternehmensrelevante politische Entscheidungen. Bei der Erarbeitung seiner Positionen spielt die Ausschussarbeit, in der Unternehmen vertreten sind, eine wesentliche Rolle.

Auf europäischer Ebene nimmt Eurochambres, in der europäische Kammern vertreten sind, die Interessenvertretung der europäischen Unternehmen gegenüber der EU-Kommission wahr.

Literaturhinweise

  • DIHT – Deutscher Industrie- Und Handelskammertag (Hrsg.) (2000), Industrie- und Handelskammern in der Bundesrepublik Deutschland: Aufgaben und Gesetz, Bonn;
  • Ders. (2000), IHK – Das Leitbild der Marke, Bonn;
  • Ders. (1999), Kammerrecht, Bonn.
  • Weitere Informationen zu diesem Thema finden sich in dem Beitrag „Kammerwesen“ von Hans Werner Hinz
Dagmar Boving