Monetarismus

Der Monetarismus entstand in den 50er, 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als Reaktion auf den sogenannten Keynesianismus. Die Hauptvertreter des Monetarismus sind bzw. waren der Nobelpreisträger Milton Friedman (Chicago) sowie die Ökonomen Harry G. Johnson, Karl Brunner und Allan H. Meltzer.

Der Monetarismus besteht aus den folgenden zehn Kernaussagen:

  1. Inflation entsteht nur, wenn die Geldpolitik zu expansiv ist.
  2. Ob die Geldpolitik expansiv oder kontraktiv bzw. inflationär oder deflationär ist, kann man am besten an der Entwicklung der Geldmenge (Noten, Münzen und kurzfristige Guthaben bei den Banken) ablesen. Demgegenüber ist der Zins – vor allem langfristig – ein schlechter Indikator, weil er nicht nur die Geldpolitik, sondern auch Inflations- und Ertragserwartungen, die staatliche Haushaltspolitik und andere Einflüsse widerspiegelt. Zum Beispiel sank der Zins in der Weltwirtschaftskrise auf nahe null, obwohl die Geldpolitik – gemessen an der Geldmenge – extrem kontraktiv war.
  3. Die Zentralbank kann die Geldmenge sehr genau steuern.
  4. Damit die Geldpolitik nicht das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung destabilisiert, sollte die Geldmenge mit einer stetigen und vorangekündigten Rate wachsen.
  5. Damit die Geldpolitik nicht das Preisniveau destabilisiert, sollte das Wachstum der Geldmenge – also des Geldangebots der Zentralbank und der Geschäftsbanken – der langfristigen Zuwachsrate der (realen) Geldnachfrage – also dem Wachstum des wirtschaftlichen Produktionspotenzials – entsprechen.
  6. Veränderungen der Geldmengenexpansion wirken sich nur dann auf das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung aus, wenn diese Veränderungen von den Marktteilnehmern nicht erwartet worden sind. Selbst in diesem Fall treten aber nur vorübergehende Wirkungen auf. Wenn sich – nach etwa zwei Jahren – das Preisniveau dauerhaft anpasst, kehrt das Wirtschaftswachstum auf seinen langfristigen Pfad zurück.
  7. Änderungen der Geldmengenexpansionsrate sind meist zu einem großen Teil erwartet, weil die Marktteilnehmer das normale Verhaltensmuster der Zentralbank aus der Vergangenheit kennen.
  8. Wie die Preise, so passen sich auch die Löhne an die Geldpolitik an. Deshalb ist es selbst mit einer unerwarteten Geldmengenexpansion nicht möglich, die Arbeitslosigkeit dauerhaft zu senken. Die strukturellen Ursachen der Arbeitslosigkeit können durch eine inflationäre Geldpolitik nicht beseitigt werden.
  9. Wenn die Geldmengenexpansionsrate nach einem Anstieg später – teilweise unerwartet – auf den inflationsfreien Pfad zurückkehrt, sinkt vorübergehend das Wirtschaftswachstum und es entsteht vorübergehend Stabilisierungsarbeitslosigkeit. Insofern kann die Geldpolitik die Arbeitslosigkeit im längerfristigen Durchschnitt nicht verringern. Sie kann sie nur anders über die Zeit verteilen.
  10. Eine unstete Geldpolitik und ein instabiles Preisniveau verunsichern die Marktteilnehmer. Sie beeinträchtigen die gesamtwirtschaftliche Produktivität und vermindern das Volkseinkommen.
Literaturhinweise:

  • Friedman, M. (1973), Die Gegenrevolution in der Geldtheorie, in: Kalmbach, P. (Hrsg.), Der neue Monetarismus, München, S. 47-69;
  • Brunner, K. (1973), Die monetaristische Revolution der Geldtheorie, in: Kalmbach, P. (Hrsg.), Der neue Monetarismus, München, S. 70-103;
  • Johnson, H. G. (1973), Die keynesianische Revolution und die monetaristische Gegenrevolution, in: Kalmbach, P. (Hrsg.), Der neue Monetarismus, München, S. 196-216.
Roland Vaubel