Ressourcenschutz

Ist die Nachfrage nach einem Produkt höher als das Angebot, so löst der Markt dieses Problem kurzfristig, indem er den Preis steigen lässt; das wiederum lockt zusätzliches Angebot an, und der Preis sinkt langfristig wieder. Für Umweltgüter gilt dies jedoch nicht: Einerseits ist das Angebot nicht vermehrbar, andererseits funktioniert der Preismechanismus für Umweltgüter nicht – was die Notwendigkeit einer Politik zum Schutz der natürlichen Ressourcen legitimiert.

Warum aber haben wir überhaupt ein Umweltproblem? Die Antwort – aus der Perspektive der Umwelt – liegt in den Nutzungskonkurrenzen der Umwelt, in ihren Funktionen als Konsumgut, Rohstofflieferant und Schadstoffaufnahmemedium. Die Nutzung von Umweltgütern ist immer mit Transformationen in Produktions- und Konsumprozessen verbunden, die unvermeidlich zu unerwünschten Kuppelprodukten in Form von Emissionen/ Abfällen und in der Folge dann auch zu Immissionen und Umweltbelastungen führen – unvermeidlicherweise, weil es trotz des individuellen Interesses an maximaler Transformationseffizienz niemals gelingen kann, Inputs vollständig in Outputs zu verwandeln. Umweltnutzung ist also ein Allokationsproblem der natürlichen Ressource Umwelt hinsichtlich ihrer verschiedenen in Konflikt stehenden Funktionen. Demgemäß ist Umweltnutzung aber auch ein ökonomisches Problem, denn Umwelt ist heute zu einer knappen Ressource geworden und knappe Ressourcen haben einen Wert, sind also dementsprechend auch effizient zu bewirtschaften.

Warum aber führt die Knappheitseigenschaft – aus ökonomischer Perspektive – nun gerade bei der Umwelt zu Problemen, warum kann also der Markt die Umweltprobleme nicht selbst lösen? Weil die Umweltgüter ganz bestimmte ökonomische Eigenschaften aufweisen: Sie sind herrenlos, da keine Eigentumsrechte existieren; sie haben keinen Preis und Nutzung zum Nulltarif führt immer zu Übernutzung, und sie werden gesellschaftlich ungeregelt genutzt, gewissermaßen nach dem Recht des Stärkeren. Wer ist nun der Überlegene im Kampf um Umweltnutzungen – die Wirtschaft? So einfach ist das wohl nicht: Der Mensch ist durch eine Vielfalt von Rollen ausgezeichnet, also gibt es Konflikte zwischen Menschen in verschiedenen Rollen (Autofahrer vs. Naturfreund), damit aber auch innerhalb eines Individuums selbst. Und das heißt: Um Umweltprobleme zu erklären, braucht man als Buhmänner keine kapitalistischen Bösewichte; Umweltemissionen entstehen ungewollt als Nebenprodukt einer legitimen, weil gesellschaftlich gewünschten Aktivität. Warum ist das nicht nur unangenehm, sondern ein Problem?

Dazu sagen die Ökonomen: Die marktwirtschaftliche Koordination der Einzelpläne beruht darauf, dass alle ökonomisch bedeutsamen Konsequenzen in Preisen bewertet werden, denn Preise signalisieren Knappheit. Preise steuern so die knappen Güter dorthin, wo der höchste Nutzen erzielt wird, und das bedeutet ein Höchstmaß an Bedürfnisbefriedigung für alle insgesamt. Wenn nun teilweise keine Preise vorhanden sind (oder fälschlicherweise Preise von null angesetzt werden) , führt dies nicht zur maximalen Wohlfahrt. Wer für ein Produkt keinen Preis erzielen kann, produziert es nicht und umgekehrt: Wer bei anderen Schäden verursacht, ohne dafür aufkommen zu müssen, vermindert seine Aktivitäten (in Menge und/ oder Zusammensetzung) nicht. Also: Wenn positive oder negative Konsequenzen von Aktivitäten nur unvollkommen dem Verursacher zugerechnet werden, wird kein Optimum an Produktion und Konsum erreicht – bei negativen Konsequenzen der Produktion gibt es dann offensichtlich zu viele Aktivitäten.

Genau dies gilt für Umweltgüter: Derartige negative externe Effekte können nicht zugerechnet und angelastet werden, weil für die Nutzung der Umwelt kein Preis existiert, und es existieren keine Preise, weil Umweltgüter niemandem gehören. Selbst wenn ein Emittent mit einem hohen Umweltbewusstsein freiwillig seine Emissionen reduzieren möchte: Er ist nur eine von sehr vielen Emissionsquellen und der Effekt wäre sehr klein – rationalerweise verhalten sich alle so, und die Umweltqualität verbessert sich nicht. Das Gleiche gilt auch, wenn einzelne Geschädigte Verursachern Geldzahlungen anbieten würden, damit die Emissionen vermindert würden – andere, die nicht zahlen, könnten vom Konsum der verbesserten Umweltqualität nicht ausgeschlossen werden. Deshalb ist es für alle rational zu warten und gegebenenfalls „schwarz zu fahren“, und genau deshalb passiert nichts.

Es gibt also kein „automatisches“ von Individuum und Markt ausgehendes Verfahren zur Korrektur der sich verschlechternden Umweltqualität: In einer Welt egoistischer Menschen hat die Umwelt keine Chance – stimmt das? Muss dann nicht auch das ökonomische Regelungsprinzip, die Marktwirtschaft, in Frage gestellt werden? Sind Umweltprobleme ein Phänomen des Marktversagens?

Ja und Nein: Der Markt kann nur dann optimale oder befriedigende Ergebnisse erzielen, wenn er die richtigen Informations-Inputs bekommt. Offensichtlich wird aber im Fall des Nulltarifs der Umweltnutzung Überfluss dieses Gutes signalisiert, also ist Umweltverschmutzung die Folge. Zur Verhinderung dieser Konsequenz sind institutionelle Vorkehrungen nötig, denn der Markt kann diese Informationen aufgrund der besonderen Charakteristika der Umweltgüter nicht liefern. Hier sind also der Staat und die Politik gefordert. Diese haben aber nicht reagiert über eine lange Zeit, ein klassischer Fall von Politikversagen. Nicht die Abschaffung der Marktwirtschaft, sondern ihre Fütterung mit den gesamtwirtschaftlich richtigen Informationen und Daten muss die Devise heißen, und genau hieraus leitet sich die Berechtigung und Aufgabe der Umweltpolitik ab. Da nur der Staat und von ihm berechtigte Institutionen in der Lage sind, Normen (in Bezug auf anzustrebende Umweltqualität) festzulegen, muss Umweltpolitik genuine Staatsaufgabe sein (auf der Rechtsgrundlage von Art. 2 GG „Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ sowie dem Sozialstaatsprinzip).

Ökonomisch interpretiert lautet der politische Auftrag: Beseitigung des Nulltarifs der Umweltgüter, der zu falscher Ressourcenverwendung führt; Anlastung der negativen externen Effekte beim Verursacher (Internalisierung). Grundsätzlich ist das auch unbestritten – Meinungsverschiedenheiten bestehen wegen des Anspruchsniveaus der umweltpolitischen Ziele (Umweltpolitik: Zielkonflikte), der geeigneten Träger der Politik und des umweltpolitischen Instrumentariums (Umweltpolitik: Träger/ Instrumente). Bezüglich des Letzteren betonen Ökonomen zu Recht das Kriterium der Systemkonformität mit der Marktwirtschaft: Wir brauchen eine marktwirtschaftliche Umweltpolitik, die die richtigen Anreize setzt, Umweltbelastungen und -schäden zu vermeiden und nach umweltverträglichen Verfahren und Produkten zu suchen. Wenn dies rational und effizient geschieht, ist Soziale Marktwirtschaft auch Ökologische Marktwirtschaft.

Literaturhinweise:

  • Endres, A. (2000), Umweltökonomie, 2. Aufl., Stuttgart;
  • Feess, E. (1998), Umweltökonomie und Umweltpolitik, 2. Aufl., München;
  • Siebert, H. (Hrsg.) (1996), Elemente einer rationalen Umweltpolitik. Expertisen zur umweltpolitischen Neuorientierung, Tübingen.
Klaus W. Zimmermann